Finanzierung
Fondsstrukturierung Schweiz 2026: KAG, FINIG, SCmK, KGK und Vehikel-Wahl im Vergleich
Das Wichtigste in Kürze
- Die Wahl der Schweizer Fondsstruktur hängt von Anlegerkreis, Anlagestrategie, Fondsvolumen und Geografie ab: SCmK für institutionelle Schweizer LPs, AG mit Anlagereglement für kleinere Family-Office-Strukturen, Luxemburger SCSp für internationale LPs.
- Das Kollektivanlagengesetz (KAG) regelt alle kollektiven Anlagen in der Schweiz; das Finanzinstitutsgesetz (FINIG) ergänzt die Aufsicht über Vermögensverwalter mit Mindestkapital CHF 100'000.
- Die SCmK (Société en commandite de placements collectifs) ist die Schweizer Standardform für VC- und PE-Fonds: Kommanditgesellschaft mit Komplementär-GmbH und LP-Kommanditären, unter FINMA-Aufsicht.
- Die KGK (Kommanditgesellschaft für kollektive Kapitalanlagen) ist eine alternative Bezeichnung für die SCmK in der deutschen Sprache; rechtlich identische Struktur.
- Strukturkosten Jahr 1 reichen von CHF 80'000 (AG-Privatregister) bis CHF 800'000 (Luxemburger SCSp plus Schweizer Advisor); jährliche laufende Kosten 0.5 bis 1.5 Prozent des NAV.
- FINIG-Lizenzpflicht für Vermögensverwalter ab CHF 100 Mio. AuM bzw. 20 Kunden mit individuellen Mandaten; darunter gelten leichtere Anforderungen oder die Tätigkeit als Independent Asset Manager unter Aufsichtsorganisation.
Die Wahl der Fondsstruktur ist eine der wichtigsten Entscheidungen jedes Schweizer VC-, Private-Equity- oder Family-Office-Vehikels. Vehikel-Form, Aufsichtsregime und Geografie bestimmen Steuerbelastung, Strukturkosten, regulatorische Komplexität und LP-Akzeptanz. Dieser Guide ordnet die Schweizer Fondsstrukturen 2026, vergleicht SCmK, AG mit Anlagereglement und Luxemburger SCSp und erklärt KAG- und FINIG-Regime.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Artikel informiert allgemein über Schweizer Fondsstrukturen und Aufsichtsregime. Konkrete Strukturwahl, FINMA-Bewilligungen und Steuerimplikationen müssen mit einem Schweizer Fondsanwalt und Steuerberater geklärt werden. Die regulatorische Lage entwickelt sich; aktuelle Anforderungen mit der FINMA prüfen.
Schweizer Fondsregime: KAG und FINIG
Kollektivanlagengesetz (KAG)
Das KAG (Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen) regelt alle Vehikel, die als kollektive Anlagen qualifizieren. Anwendung:
- Vehikel mit mehreren Anlegern und gepoolter Anlagestrategie
- Anlageziel: Risiko-/Renditeoptimierung über Diversifikation
- Strukturen: SCmK, Anlagefonds (vertraglich), SICAV, SICAF, Investmentgesellschaft mit fixem Kapital
Anlegerkreis-Differenzierung
- Öffentliche Anlagen: Alle Anleger, höchste Schutzanforderungen (Prospektpflicht, Anlagebeschränkungen, FINMA-Genehmigung)
- Qualifizierte Anleger: institutionelle, professionelle und vermögende Privatpersonen (ab CHF 500'000 freie Vermögenswerte oder Opting-In nach Wissen und Erfahrung)
- Private Strukturen: geschlossener Kreis, keine kollektive Anlage im Sinne KAG (Family-Office-Strukturen, Investorenclubs unter 20 Personen)
Finanzinstitutsgesetz (FINIG)
Das FINIG (seit 2020) regelt Vermögensverwalter, Trustees, Verwalter kollektiver Vermögen und Wertpapierhäuser. Anwendung:
| Tätigkeit | Aufsichtsregime |
|---|---|
| Vermögensverwalter < CHF 100 Mio. AuM und < 20 Mandate | Unterstellt einer Aufsichtsorganisation (AO) |
| Vermögensverwalter > CHF 100 Mio. AuM oder > 20 Mandate | FINIG-Lizenz der FINMA |
| Verwalter kollektiver Vermögen (Fondsmanager) | FINIG-Lizenz der FINMA (parallel zu KAG) |
| Trustees | FINIG-Lizenz |
| Wertpapierhäuser | FINIG-Lizenz |
Mindestkapital
- Vermögensverwalter: CHF 100'000
- Verwalter kollektiver Vermögen: CHF 200'000
- Trustees: CHF 200'000
- Wertpapierhäuser: CHF 1'500'000
Schweizer Fondsvehikel im Detail
SCmK (Société en commandite de placements collectifs)
Die SCmK ist das in der Schweiz dominante Vehikel für VC- und PE-Fonds. Rechtlich eine Kommanditgesellschaft nach KAG (Art. 98 bis 109).
Struktur
- Komplementärin: Schweizer GmbH oder AG mit unbeschränkter Haftung
- Kommanditäre: LP-Investoren mit beschränkter Haftung bis Commitment-Höhe
- Fondsmanager: typisch identisch mit Komplementärin oder separate AG, in beiden Fällen mit FINIG/KAG-Bewilligung
- Anlegerkreis: ausschliesslich qualifizierte Anleger
Vorteile
- Schweizer Rechtsumgebung und FINMA-Aufsicht
- Steuerliche Transparenz auf Anlegerebene
- Etabliertes Vertragsregime mit Standardklauseln
- Akzeptanz bei Schweizer institutionellen LPs
Nachteile
- Strukturkosten (FINMA-Bewilligung, Komplementärin, Treuhand)
- Aufsichts-Reporting (Quartalsberichte, jährlicher Audit)
- Begrenzte EU-Anerkennung
Geeignet für
- VC- und PE-Fonds mit Schweizer institutionellen LPs
- Fondsvolumen ab CHF 30 Mio. (darunter wird die Kostenstruktur ineffizient)
- Klassische 10-jährige Closed-End-Strukturen
AG mit Anlagereglement
Eine klassische Schweizer Aktiengesellschaft, die als Investment-Vehikel agiert mit privatem Anlagereglement statt KAG-Lizenz. Voraussetzung: kein öffentliches Angebot, kein kollektives Anlageziel im Sinne KAG.
Struktur
- Aktiengesellschaft mit CHF 100'000 Mindestkapital
- Verwaltungsrat als Investment-Komitee
- Anleger als Aktionäre (statt Kommanditäre)
- Statuten und Anlagereglement als Vertragsgrundlage
- Aktionärsbindungsvertrag mit Vesting, Tag-Along, Drag-Along
Vorteile
- Niedrigere Strukturkosten (keine FINMA-Bewilligung erforderlich, falls strukturell richtig aufgesetzt)
- Höhere Governance-Flexibilität
- Bekannte Schweizer Rechtsform für Anleger
Nachteile
- Keine steuerliche Transparenz (Doppelbesteuerung auf AG-Ebene)
- Limitierter LP-Kreis (typisch < 20 Anleger)
- Höhere Reporting-Pflichten gegenüber Aktionären
Geeignet für
- Family-Office-Strukturen
- Kleinere Fonds (CHF 5 bis 30 Mio.)
- Investorenclubs mit etabliertem Personenkreis
- Single-Asset-Strukturen oder thematische Co-Investment-Vehikel
Luxemburger SCSp (Société en commandite spéciale)
Internationale Standardstruktur für VC-Fonds mit europäischen LPs. Schweizer GPs nutzen die SCSp häufig in Kombination mit einer Schweizer Investment-Advisor-Gesellschaft.
Struktur
- Komplementärin: Luxemburger GP-Gesellschaft (oft S.à r.l.)
- Kommanditäre: LP-Investoren
- AIFM: Luxemburger Alternative Investment Fund Manager
- Advisor: Schweizer AG mit FINIG-Lizenz, beratend tätig
- Anlegerkreis: qualifizierte EU- und Drittland-Anleger
Vorteile
- EU-Passport für Vertrieb in EU
- Tax-Transparenz auf LP-Ebene
- Etablierte Service-Industrie in Luxemburg
- Hohe Akzeptanz bei internationalen LPs
Nachteile
- Höhere Strukturkosten (Luxemburger und Schweizer Strukturierung)
- Reise- und Koordinationsaufwand zwischen Schweizer GP und Luxemburger Service-Provider
- Substanz-Anforderungen in Luxemburg
Geeignet für
- Fonds mit dominantem EU-LP-Anteil
- Fondsvolumen ab CHF 75 Mio.
- Strukturen mit längerfristigem internationalen Wachstumsplan
Andere Schweizer Vehikel
SICAV (Société d'Investissement à Capital Variable)
- Investmentgesellschaft mit variablem Kapital nach KAG
- Hauptsächlich für offene Anlagefonds (Liquid Securities, Hedge Fund-Strukturen)
- Selten bei klassischen VC/PE-Fonds
SICAF (Société d'Investissement à Capital Fixe)
- Investmentgesellschaft mit fixem Kapital
- Geschlossener Fonds, börsenkotiert oder privat
- Selten genutzt
Vertraglicher Anlagefonds
- Anlegerverhältnis durch Fondsvertrag mit Fondsleitung
- Hauptsächlich für offene Publikumsfonds
- Nicht typisch für VC/PE
Investment-Holding (AG)
- Klassische Schweizer Holding-AG mit Anlagestrategie
- Eignet sich für Family-Office-Strukturen ohne Drittinvestoren
- Beteiligungsabzug nach Art. 69 ff. DBG
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Vehikel-Wahl: Entscheidungs-Matrix
| Kriterium | SCmK | AG mit Anlagereglement | Luxemburger SCSp |
|---|---|---|---|
| Fondsvolumen | ab CHF 30 Mio. | CHF 5 bis 30 Mio. | ab CHF 75 Mio. |
| LP-Profil | institutionell Schweiz | Family Office, vermögende Privatpersonen | EU-institutionell, international |
| Aufsicht | FINMA (KAG plus FINIG) | meist keine (private Struktur) | Luxemburger CSSF (AIFM) plus Schweizer FINMA (Advisor) |
| Steuerliche Transparenz | Ja | Nein (AG-Ebene) | Ja |
| Strukturkosten Jahr 1 | CHF 200k bis 500k | CHF 80k bis 200k | CHF 300k bis 800k |
| Laufende Kosten | 0.5 bis 1.0 Prozent NAV | 0.3 bis 0.6 Prozent NAV | 0.8 bis 1.5 Prozent NAV |
| EU-Vertriebslizenz | Nein | Nein | Ja (EU-Passport) |
| Strukturierungsaufwand | hoch | mittel | sehr hoch |
Strukturkosten-Vergleich: Beispielfonds CHF 50 Mio.
SCmK Jahr 1
- FINMA-Bewilligung Fondsmanager: CHF 60'000 bis 120'000
- Komplementär-GmbH (Gründung, Verträge): CHF 30'000 bis 50'000
- LPA und Side Letters: CHF 80'000 bis 180'000
- Notar für notarielle Beurkundungen: CHF 5'000 bis 15'000
- Strukturierungs-Steuer-Ruling ESTV: CHF 15'000 bis 60'000
- Total Jahr 1: CHF 190'000 bis 425'000
SCmK Laufende Kosten (jährlich)
- Fondsmanager-Aufsichts-Reporting FINMA: CHF 15'000 bis 30'000
- Audit (Swiss GAAP FER): CHF 30'000 bis 60'000
- Treuhand und Buchhaltung: CHF 40'000 bis 80'000
- Depotbank-Gebühren: 0.1 bis 0.3 Prozent NAV
- Compliance und MLI: CHF 15'000 bis 30'000
- Total laufend: CHF 100'000 bis 200'000 plus 0.1 bis 0.3 Prozent NAV
AG mit Anlagereglement Jahr 1
- AG-Gründung mit notarieller Beurkundung: CHF 5'000 bis 8'000
- Aktionärsbindungsvertrag und Anlagereglement: CHF 40'000 bis 80'000
- Steuer-Ruling: CHF 10'000 bis 30'000
- Total Jahr 1: CHF 55'000 bis 118'000
Luxemburger SCSp plus Schweizer Advisor Jahr 1
- Luxemburger Strukturierung (Komplementär, AIFM, LPA): CHF 150'000 bis 350'000
- Schweizer Advisor-AG (FINIG): CHF 60'000 bis 150'000
- Substanz-Strukturierung Luxemburg: CHF 40'000 bis 80'000
- Steuer-Ruling Schweiz und Luxemburg: CHF 50'000 bis 100'000
- Total Jahr 1: CHF 300'000 bis 680'000
FINMA-Bewilligung: Vorgehen
Für SCmK-Fonds ist die FINMA-Bewilligung des Fondsmanagers (Verwalter kollektiver Vermögen) zwingend.
Phasen
- Pre-Filing-Gespräche mit FINMA (typisch 4 bis 8 Wochen): informelle Klärung der Struktur
- Bewilligungsantrag (typisch 100 bis 200 Seiten plus Anhänge): Geschäftsplan, Organisation, Compliance-Konzept, Geschäftsleitung, Aktionärsstruktur
- FINMA-Prüfung (typisch 6 bis 12 Monate): Rückfragen, Nachbesserungen, finale Bewilligung
- Aufnahme des Geschäftsbetriebs: Bewilligung erteilt, Erstmandat möglich
Anforderungen
- Mindestkapital CHF 200'000 (Verwalter kollektiver Vermögen)
- Mindestens 2 qualifizierte Geschäftsleiter (Banking/Investment-Erfahrung, Schweizer Wohnsitz)
- Geschäftsorganisation mit Risk-, Compliance- und Audit-Funktionen
- Schriftlicher Geschäftsplan
- Bewilligte Geschäftsräume in der Schweiz
Steuer-Strukturierung der Fondsvehikel
Schweizer Fondsvehikel (SCmK)
- Auf Stufe Fondsvehikel: steuerlich transparent, keine Gewinnsteuer
- Auf Stufe LP: Erträge als Wertschriftenerträge oder Beteiligungserträge steuerbar
- Verrechnungssteuer: 35 Prozent auf Schweizer Dividenden, mit DBA-Rückerstattung
- Mehrwertsteuer: Fondsmanagement typisch steuerbefreit
AG mit Anlagereglement
- Auf Stufe AG: Gewinnsteuer plus Verrechnungssteuer auf Ausschüttungen
- Beteiligungsabzug nach Art. 69 ff. DBG bei Beteiligungen ab 10 Prozent oder CHF 1 Mio.
- Doppelbesteuerung kann durch Holding-Strukturierung gemildert werden
Luxemburger SCSp
- Auf Stufe SCSp: steuerlich transparent (Luxemburger Recht)
- Auf Stufe Schweizer LP: Erträge als ausländische Investitions-Erträge steuerbar
- Verrechnungssteuer-Behandlung gemäss Schweiz-Luxemburg-DBA
Häufige Fehler bei der Fondsstrukturierung
Falsche Vehikel-Wahl für die LP-Basis
Eine SCmK mit überwiegend EU-LPs leidet unter mangelhafter EU-Akzeptanz; eine Luxemburger SCSp mit überwiegend Schweizer LPs verursacht unnötige Kosten und Komplexität.
FINMA-Bewilligungsprozess unterschätzt
Die Bewilligung dauert 6 bis 12 Monate. Wer ohne Bewilligung Fondraising betreibt, riskiert Aufsichtsverfahren.
Substanz-Anforderungen ignoriert
Sowohl die Schweizer Beteiligungs-AG für Carry als auch die Luxemburger SCSp verlangen echte Substanz (Büros, Mitarbeiter, lokale Geschäftsleitung). «Letter-Box-Strukturen» werden von der ESTV und CSSF erkannt.
Side Letters zu generös
Most-Favored-Nation-Klauseln in mehreren Side Letters können später nicht mehr harmonisiert werden. Vorab klare Hierarchie und Quoren festlegen.
Falsche steuerliche Annahmen
Carry-Strukturierung ohne ESTV-Ruling, Anwendung Beteiligungsabzug ohne Substanznachweis, falsche Verrechnungssteuer-Annahmen: alles häufige Fehler, die im Audit oder bei der ersten Distribution auffallen.
Weiterführende Ressourcen
- Venture Capital Struktur Schweiz
- Carry-Strukturierung Schweiz
- GP/LP-Struktur Schweiz
- Venture Capital Schweiz Überblick
- VC-Anwaltskanzleien Schweiz
- Schweizer VC-Markt 2025
- Banklizenz Schweiz
- Schweiz vs Deutschland und UK Fundraising
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Haeufige Fragen
Welche Fondsstruktur eignet sich für einen Schweizer VC-Fonds?
Was ist eine SCmK?
Brauche ich eine FINMA-Lizenz für einen Schweizer Fonds?
Was sind die Strukturkosten eines Schweizer Fonds?
Was ist der Unterschied zwischen SCmK und KGK?
Wann lohnt sich Luxemburg statt Schweiz?
Was ist FINIG und wann gilt es?
Sarah Brunner
Steuer- und Sozialversicherungsrecht
Sarah Brunner schreibt zu MWST, AHV und der direkten Bundessteuer. Sie hat einen Abschluss in Steuerrecht und mehrere Jahre Beratungspraxis.