Finanzierung

Venture Capital Struktur Schweiz 2026: Fonds-Modelle, Kapitalstruktur und LP/GP-Mechanik

19. Mai 20267 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Schweizer VC-Markt ist überwiegend nach dem Closed-End-Modell organisiert: Fondslaufzeit 10 Jahre mit 4 bis 5 Jahren Investment-Period und 5 bis 6 Jahren Holding-Period.
  • Die typische GP-Vergütung folgt dem 2-und-20-Modell: 2 Prozent jährliche Management-Fee auf zugesagtes Kapital und 20 Prozent Carried Interest auf den Gewinn nach Rückzahlung der LP-Einlagen.
  • Eine LP-Hurdle-Rate von typischerweise 6 bis 8 Prozent pro Jahr muss erreicht sein, bevor das GP-Team in den Carried Interest eintritt.
  • Schweizer VC-Fonds sind häufig als SCmK (Société en commandite de placements collectifs) oder als Schweizer Aktiengesellschaft (KKK) strukturiert; alternativ Luxemburger SCSp für institutionelle LPs.
  • Der Carried Interest auf Stufe natürlicher Personen unterliegt in der Schweiz steuerlich der Einkommenssteuer; Strukturierungen über Holdings oder Beteiligungsabzug nach Art. 69 ff. DBG sind etabliert.

Die Struktur eines Venture-Capital-Fonds entscheidet darüber, wie Investoren (Limited Partners, LPs) und Fondsmanager (General Partners, GPs) Risiken, Erträge und Kontrolle teilen. Für Schweizer Startup-Gründer, die mit VC-Fonds verhandeln, und für Schweizer LP-Investoren, die in einen Fonds einsteigen wollen, ist das Verständnis der Mechanik zentral. Diese Anleitung erklärt die typische Schweizer VC-Fonds-Architektur, das 2-und-20-Modell, die Hurdle-Rate-Mechanik, den Waterfall und das steuerliche Umfeld.

Wann ist die Struktur entscheidend?

Für Gründer, die mit einem VC-Fonds Term-Sheet-Verhandlungen führen, ist die Fondsstruktur indirekt relevant: ein Fonds gegen Ende seiner Investment-Period drückt auf schnellere Exits, ein junger Fonds investiert geduldiger. Für LP-Investoren bestimmt die Struktur direkt Rendite und Liquidität: Management-Fee-Höhe, Carry-Modus und Hurdle-Rate sind die Hebel.

VC-Fonds-Anatomie: die wichtigsten Bausteine

Limited Partners (LPs)

Die Kapitalgeber. In der Schweiz typischerweise:

  • Pensionskassen (zunehmend mit Quoten für Private Equity / Venture Capital nach BVV2-Quoten)
  • Schweizer Family Offices
  • Versicherungen (begrenzte VC-Allokationen wegen Solvency-Regulierung)
  • Vermögende Privatpersonen (qualifizierte Anleger nach KAG)
  • Strategische Industrie-LPs (Corporate Venture)
  • Innosuisse über das Förderinstrument Bridge oder als indirekter Investor in Fonds-of-Funds-Strukturen

LPs zeichnen ein Commitment (z.B. CHF 5 Mio.), das nicht sofort einbezahlt wird, sondern schrittweise per Capital Calls abgerufen wird, sobald der Fonds Investments tätigt.

General Partner (GP) und Management Company

Das Management des Fonds. In Schweizer Strukturen sind GP und Management Company oft formal getrennt:

  • Der GP ist die Komplementärin der Fondsgesellschaft mit unbeschränkter Haftung
  • Die Management Company berät und führt das operative Geschäft, bezahlt die Mitarbeitenden und stellt die Investment-Plattform
  • Beide Einheiten werden vom Investment-Team kontrolliert (Partner und Principals)

Investment-Period und Holding-Period

PhaseDauerAktivität
Fundraising12 bis 24 Monate vor dem ersten ClosingLP-Akquise, First Close, Final Close
Investment-PeriodJahr 1 bis 5Neue Investments, Follow-On-Reserven aufbauen
Holding-PeriodJahr 5 bis 10Begleitung Portfolio-Companies, Follow-On-Investitionen, Exit-Vorbereitung
RealisierungJahr 7 bis 12Trade Sales, IPOs, Secondary-Verkäufe, Rückzahlungen an LPs
LiquidationJahr 10 plus ExtensionRestanteile abwickeln, finale Ausschüttungen

Das 2-und-20-Modell

Die Vergütungsstruktur eines VC-Fonds ist die wichtigste Verhandlungsachse zwischen LPs und GPs.

Management-Fee (2 Prozent)

Jährliche Vergütung der Management Company. Berechnungsbasis:

  • Während Investment-Period: auf zugesagtes Kapital (Commitment)
  • Nach Investment-Period: auf investiertes Kapital (NAV oder Cost Basis)
  • Schweizer Variationen: 1.5 Prozent bei sehr grossen institutionellen Fonds, bis 2.5 Prozent bei spezialisierten Seed-Fonds

Carried Interest (20 Prozent)

Beteiligung am Gewinn nach Rückzahlung des LP-Kapitals und Erreichen der Hurdle-Rate. Standardstruktur:

  1. LPs erhalten ihr eingezahltes Kapital zurück (Return of Capital)
  2. LPs erhalten die Hurdle-Rate (typisch 8 Prozent jährlich verzinst)
  3. GP-Catch-up: GP erhält bevorzugt einen Anteil bis die Verteilung 80/20 LP/GP entspricht
  4. Verbleibender Gewinn wird 80/20 (LP/GP) verteilt

Hurdle-Rate (8 Prozent)

Mindestrendite für LPs vor Carry-Aktivierung. Üblich:

  • 6 Prozent in Schweizer Wachstums- und Late-Stage-Fonds
  • 8 Prozent in Schweizer Seed- und Early-Stage-Fonds
  • Keine Hurdle in Top-Tier-Brand-Fonds (selten, aber vorkommend)

Beispiel-Waterfall: ein Schweizer VC-Fonds

Szenario: CHF 100 Mio. Commitment, vollständig investiert, Exits ergeben CHF 250 Mio. Brutto, 10-Jahres-Laufzeit, 2-und-20-Modell mit 8 Prozent Hurdle.

SchrittWerBetrag
1. Management Fee total (10 Jahre durchschnittlich)Management Companyca. CHF 18 Mio.
2. Netto-Erlös für VerteilungFondsCHF 232 Mio.
3. Rückzahlung LP-KapitalLPsCHF 100 Mio.
4. Hurdle-Rate (8 Prozent über 10 Jahre, vereinfachte Annuität)LPsca. CHF 56 Mio.
5. GP-Catch-up bis 80/20-Verhältnis erreichtGPca. CHF 14 Mio.
6. Verbleibender Gewinn (80/20 LP/GP)CHF 62 Mio.
7. davon LPsLPsCHF 49.6 Mio.
8. davon GP (Carry)GPCHF 12.4 Mio.
Total LPsCHF 205.6 Mio. (2.06x DPI)
Total GP-CarryCHF 26.4 Mio.

Die effektive LP-Multiple liegt bei 2.06x, der GP erhält neben der Management-Fee zusätzlich CHF 26.4 Mio. Carry. Die Werte sind illustrativ; realer Waterfall hängt von der vertraglichen Catch-up-Regelung, der Hurdle-Methode (einfache vs. compounded) und Verteilungsfristen ab.

Schweizer Vehikel-Strukturen

SCmK (Société en commandite de placements collectifs)

Schweizer Spezialfonds-Vehikel nach KAG, gegründet als Kommanditgesellschaft mit der GmbH als Komplementärin und LPs als Kommanditären. Vorteile:

  • Schweizer FINMA-Aufsicht und etabliertes Rechtsumfeld
  • Steuerliche Transparenz auf Investorenebene
  • Geeignet für institutionelle Schweizer LPs

Nachteile:

  • Aufwendige Strukturierung mit FINMA-Bewilligung des Fondsmanagers
  • Höhere Fixkosten als private Strukturen

Aktiengesellschaft mit Anlagereglement

Klassische Schweizer AG-Struktur mit einem privaten Anlagereglement statt KAG-Lizenz. Häufig bei kleineren Fonds und Family-Office-Strukturen. Vorteile: niedrigere Strukturkosten, flexiblere Governance. Nachteile: keine Transparenz-Privilegien wie bei SCmK, eingeschränkter LP-Kreis.

Luxemburger SCSp (Société en commandite spéciale)

Internationale Standard-Struktur für VC-Fonds mit europäischen LPs. Schweizer GPs nutzen die SCSp häufig in Kombination mit einer Schweizer Investment-Advisor-Gesellschaft. Vorteile: tax-transparent, EU-Passport, hohe Akzeptanz bei internationalen LPs. Nachteile: Strukturkomplexität, Luxemburger Servicekosten.

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Steuerumfeld in der Schweiz

Carried Interest auf Stufe natürlicher Personen

Schweizer Steuerpraxis qualifiziert Carried Interest mehrheitlich als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit. Folge: voller Einkommenssteuersatz plus AHV-Pflicht. In gewissen Fällen (z.B. wenn der Carry über eine eigene Beteiligungs-AG mit substanziellem Risikokapital und längeren Bindungsfristen strukturiert wird) kann der Beteiligungsabzug nach Art. 69 ff. DBG greifen.

Steuer-Ruling im Voraus. Die ESTV erteilt zu komplexeren Carry-Strukturen schriftliche Vorbescheide. Ein Ruling vor dem Fondsstart ist branchenüblich und reduziert das Steuerrisiko erheblich.

LP-Investoren

Für Schweizer LP-Investoren ist die steuerliche Behandlung abhängig von der Vehikel-Struktur:

  • SCmK: steuerlich transparent, Erträge fliessen direkt zur LP
  • AG-Fonds: Beteiligungsabzug auf Stufe LP für ausgeschüttete Dividenden
  • Luxemburger SCSp: tax-transparent, Schweizer LP versteuert wie Direktbeteiligung an Portfolio-Companies

Schweizer Verrechnungssteuer

Bei AG-Strukturen ist die Schweizer Verrechnungssteuer (35 Prozent) bei Dividenden relevant. Internationale LPs müssen Rückerstattungsanträge nach DBA stellen.

GP-Commitment und Skin in the Game

Schweizer LPs erwarten von GPs ein Eigeninvestment von typischerweise 1 bis 3 Prozent des Fondsvolumens. Dieses GP-Commitment signalisiert Skin in the Game und wird nicht aus der Management-Fee finanziert. Für die GP-Partner ist das oft eine substanzielle persönliche Investition; in der Schweiz steuerlich als Beteiligung im Privatvermögen relevant.

Investment-Strategie und Portfoliokonstruktion

Schweizer VC-Fonds folgen meist einer von drei Strategien:

StrategieTypische Ticket-GrösseAnzahl Investments
Seed-FondsCHF 250'000 bis CHF 2 Mio.25 bis 40 Portfolio-Companies
Series-A/B-FondsCHF 2 bis 10 Mio.15 bis 25 Portfolio-Companies
Growth-FondsCHF 10 bis 50 Mio.8 bis 15 Portfolio-Companies

Die Reserven für Follow-On-Runden (typisch 50 bis 70 Prozent des Fondsvolumens) sind zentral: nur etwa 30 Prozent des Fonds gehen in Erstinvestments, der Rest in Folgerunden bei den Gewinnern.

Reporting und Governance

Schweizer LPs erwarten von GPs:

  • Quartalsweise Reports mit NAV, Portfolio-Updates und Audited Financials
  • Jährliche LP-Meetings mit Strategiediskussion
  • Investment-Komitee oder LP-Advisory-Board für Konflikt-Geschäfte
  • Klare Konfliktregeln zwischen Funds (z.B. nicht zwei Fonds desselben GPs in dasselbe Startup investieren ohne LP-Zustimmung)

Häufige Verhandlungsthemen LP/GP

Management Fee Step-Down

Nach der Investment-Period sinkt die Fee oft von 2.0 auf 1.5 Prozent oder wechselt die Basis von Commitment auf NAV. Bei längeren Fondslaufzeiten relevant.

Carry-Definition

Whole-Fund-Carry (Carry erst nach Gesamtfonds-Rückzahlung) ist LP-freundlicher als Deal-by-Deal-Carry (Carry pro Exit, mit Clawback). Der Schweizer Standard ist Whole-Fund-Carry.

Key-Person-Clause

Wenn ein definiertes Schlüsselmitglied des GP-Teams den Fonds verlässt, wird die Investment-Period suspended. LPs verhandeln Liste, Schwellen und Heilungsfristen.

No-Fault-Divorce

LP-Quorum (oft 75 Prozent) kann den GP ohne triftigen Grund entlassen oder die Investment-Period beenden. Bei kleineren Fonds typisch ausgeschlossen, bei grösseren Standard.

Co-Investment-Rechte

LPs verhandeln das Recht, in einzelne Portfolio-Companies direkt zu co-investieren (ohne zusätzliche Fees). Für institutionelle LPs ein wichtiges Renditeoptimierungs-Tool.

Für Gründer relevante Implikationen

Wer mit einem VC-Fonds verhandelt, sollte die Struktur seines Gegenübers verstehen:

Fund-Lebenszyklus prüfen. Ein Fonds im Jahr 7 mit drei verbleibenden Investments will schnell Exits sehen, das beeinflusst Ihre Exit-Diskussion. Ein neuer Fonds im Jahr 1 ist geduldiger.

Reserven-Kapazität klären. Hat der Fonds noch Mittel für Follow-On-Runden bei Ihnen, oder schöpfen Sie das Reserve-Budget aus?

LP-Reporting-Druck. Ein Fonds mit institutionellen LPs hat Reporting-Pflichten, die sich auf Sie als Portfolio-Company übersetzen (Quartals-Reports, Audit-Anforderungen).

Konfliktinvestments. Hat der Fonds Wettbewerbsinvestments? Vor Term-Sheet die Portfolio-Übersicht prüfen.

Weiterführende Ressourcen

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Haeufige Fragen

Wie ist ein typischer Schweizer VC-Fonds strukturiert?
Der Standardfall ist ein Closed-End-Fonds mit 10 Jahren Laufzeit (verlängerbar um zwei Jahre), 4 bis 5 Jahren Investment-Period (in der neue Beteiligungen gemacht werden) und 5 bis 6 Jahren Holding- und Realisierungsphase. LPs (Investoren) zeichnen ein Commitment, das schrittweise per Capital Calls abgerufen wird; das GP-Team (Management) trifft die Investitionsentscheide. Schweizer Strukturen nutzen meist eine SCmK, eine Aktiengesellschaft mit Anlagereglement oder eine Luxemburger SCSp.
Was bedeutet das 2-und-20-Modell?
Das 2-und-20-Modell ist die klassische Vergütungsstruktur für VC-Fonds: 2 Prozent jährliche Management-Fee auf zugesagtes Kapital (oder nach Investment-Period auf investiertes Kapital) und 20 Prozent Carried Interest auf den Gewinn nach Rückzahlung der LP-Einlagen plus Hurdle-Rate. In der Schweiz sind Variationen üblich: 1.5 bis 2.5 Prozent Fee, 15 bis 25 Prozent Carry.
Was ist eine Hurdle-Rate bei einem VC-Fonds?
Die Hurdle-Rate (auch Preferred Return genannt) ist die Mindestrendite, die LP-Investoren erhalten müssen, bevor das GP-Team in den Carried Interest eintritt. Typische Sätze: 6 bis 8 Prozent pro Jahr auf das eingezahlte LP-Kapital. Erst wenn LPs ihre Einlage plus Hurdle zurückerhalten haben, beginnt der Carried Interest des GP-Teams nach dem vereinbarten Waterfall.
Wie wird Carried Interest in der Schweiz besteuert?
Carried Interest auf Stufe natürlicher Personen wird in der Schweiz mehrheitlich als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit qualifiziert und unterliegt der Einkommens- und AHV-Pflicht. Eine Strukturierung über eine Beteiligungs-AG mit Beteiligungsabzug nach Art. 69 ff. DBG ist zulässig, sofern die Strukturanforderungen erfüllt sind. Die Einzelfallprüfung mit ESTV-Vorbescheid (Ruling) ist Standard.
Wer kann in einen Schweizer VC-Fonds investieren?
Schweizer VC-Fonds sind kollektive Anlagen, die typischerweise nur qualifizierten Anlegern nach KAG (Kollektivanlagengesetz) offenstehen: institutionelle Anleger (Pensionskassen, Versicherungen, Banken), Family Offices sowie vermögende Privatpersonen (typischerweise ab CHF 500'000 freie Vermögenswerte oder Opting-In-Erklärung). Retail-Anleger können nur über öffentlich angebotene Strukturen (selten) oder über sekundäre Vehikel investieren.
Welche Vehikel-Strukturen sind in der Schweiz für VC-Fonds üblich?
Drei Hauptstrukturen: erstens die Schweizer SCmK (Société en commandite de placements collectifs) als Schweizer Spezialfonds-Vehikel unter FINMA-Aufsicht; zweitens die klassische Aktiengesellschaft mit Anlagereglement (oft für kleinere Fonds); drittens die Luxemburger SCSp (Société en commandite spéciale) für internationale LPs, oft mit einer Schweizer Beratergesellschaft als Investment Advisor.
Wie lange dauert ein VC-Fonds-Lebenszyklus?
Klassischerweise 10 Jahre, häufig mit zwei Verlängerungsoptionen von je einem Jahr. In den ersten 4 bis 5 Jahren (Investment-Period) werden neue Beteiligungen gemacht; danach folgen 5 bis 6 Jahre Holding und Realisierung. Schweizer Evergreen-Strukturen (ohne Laufzeitende) sind eine Ausnahme, kommen aber in Family-Office-Kontexten vor.
Sarah Brunner

Sarah Brunner

Steuer- und Sozialversicherungsrecht

Sarah Brunner schreibt zu MWST, AHV und der direkten Bundessteuer. Sie hat einen Abschluss in Steuerrecht und mehrere Jahre Beratungspraxis.