Finanzierung

Die 20 grössten Schweizer Finanzierungsrunden 2025: Mega-Deals und Lehren für Gründer

14. Mai 20266 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Die fünf grössten Schweizer Finanzierungsrunden 2025 sammelten zusammen rund CHF 880 Mio. ein und stehen für fast 30 Prozent des gesamten Schweizer VC-Volumens.
  • Climate Tech und Cleantech dominieren die Top 20 mit 8 von 20 Mega-Deals, Biotech mit 6, ICT/AI mit 4, Fintech und Crypto mit je 1.
  • Internationale VCs führen 14 der 20 Top-Runden; Schweizer Lead-Investoren waren primär in Series A und kleineren Series-B-Runden aktiv.
  • Drei Lehren: hohe Forschungsanbindung (ETH, EPFL, Hochschulen), klare globale Skalierungsthese und 5+ Jahre Vorlaufzeit vor der ersten Mega-Runde.
  • Verschiebungseffekt aus 2024: mehrere der 2025er-Mega-Runden waren ursprünglich für 2024 geplant, wurden aber wegen damaliger Marktlage verschoben.

Die fünf grössten Schweizer Finanzierungsrunden 2025 sammelten zusammen fast CHF 880 Mio. ein, mehr als das Volumen aller Schweizer Pre-Seed- und Seed-Runden zusammen. Mega-Runden über CHF 100 Mio. sind selten, aber sie zeigen, was im Schweizer Markt strukturell funktioniert: tiefe Forschungsanbindung, globale Skalierungsthese und hochkapitalintensive Sektoren.

Dieser Beitrag listet die 20 grössten Schweizer Finanzierungsrunden 2025 mit Lead-Investoren, Bewertung und konkreten Lehren für Gründer.

Datengrundlage

Quellen: Startupticker Venture Capital Report 2025, SECA-Statistik 2025, Companies Pressemitteilungen, Bloomberg, Reuters. Reihenfolge nach Rundenvolumen. Bewertungen wo verfügbar.

Top 5: die Mega-Runden über CHF 100 Mio.

1. Energy Vault: USD 350 Mio. (rund CHF 310 Mio.) Schweizer Cleantech-Player mit Sitz in Lugano und US-Listing. Späte Wachstumsfinanzierung für die Skalierung der Gravity-Storage-Technologie. Lead: SoftBank Investment Advisers, Saudi Public Investment Fund. Lehre: Schweizer Tech mit globaler Skalierung findet trotz Schweizer Sitz Zugang zu globalem Late-Stage-Kapital.

2. Windward Bio (Basel): CHF 180 Mio. Series B Basel-basiertes Biotech-Startup mit Fokus auf Immunologie und Inflammation. Lead: OrbiMed mit Beteiligung von Forbion und Bain Capital Life Sciences. Lehre: Schweizer Biotech-Spin-offs aus dem Basler Cluster sind weiterhin Magnet für spezialisierte internationale Biotech-Investoren.

3. Distalmotion (Lausanne): CHF 130 Mio. Series E EPFL-Spin-off mit Sitz in Renens, entwickelt die Dexter-Roboter-Plattform für minimalinvasive Chirurgie. Lead: Andera Partners (Frankreich) mit Beteiligung Wellington Partners. Lehre: MedTech mit klinischer Validierung und CE-Zulassung in Europa findet auch in späten Phasen Schweizer Sitz-Vorteile (Steuern, Talent, Hochschulnähe).

4. Climeworks (Zürich): CHF 120 Mio. Ergänzungsrunde ETH-Spin-off, direkter CO2-Capture-Pionier. Lead: Equinor Ventures, GIC, Partners Group. Lehre: Schweizer Climate-Tech-Pioniere mit langer Vorlaufzeit ziehen Strategic-Investor-Konstellationen mit Industrie-Treuhandgeber an (Equinor) und Sovereign-Wealth-Funds (GIC).

5. GlycoEra (Basel): CHF 100 Mio. Series A Basel-basiertes Biotech-Spin-off, Plattform für gezielte Protein-Degradation. Lead: 5AM Ventures, Forbion. Lehre: Series A in Schweizer Biotech kann bei klinischer Plattformbasis und starkem Team direkt im dreistelligen Millionenbereich starten, ohne klassische Pre-Seed/Seed-Pfade.

Rang 6 bis 10: die starke Mittelklasse

6. Beam Therapeutics Switzerland AG (Basel): CHF 85 Mio. Series C Basel-Niederlassung des US-Mutterhauses. Investments in Base-Editing-Therapien. Lehre: US-Mutterhäuser etablieren oft Basel-Niederlassungen für regulatorische Flexibilität und Zugang zu europäischen klinischen Studien.

7. ANYbotics (Zürich): CHF 78 Mio. Series C ETH-Spin-off, vierbeiniges Inspektionsroboter ANYmal. Lead: NGP Capital. Lehre: Schweizer Robotik mit klar industriellem Use Case (Öl-und-Gas-Inspektion, Energie-Infrastruktur) findet Spätfinanzierung trotz langer Vorlaufzeit.

8. Neutral Fuels Switzerland (Zürich): CHF 72 Mio. Series B Cleantech-Player im Bereich Bio-Diesel und Industriegase-Dekarbonisierung. Lead: Just Climate. Lehre: Industrie-Dekarbonisierung zieht neue Climate-Tech-Investoren mit grossen Tickets an, auch in vermeintlich unspektakulären Subsektoren.

9. Sygnum Bank (Zürich/Singapur): CHF 65 Mio. Series C Crypto-Valley-Schwergewicht mit FINMA-Banklizenz für Digital Assets. Lead: Azimut Group. Lehre: Regulierte Crypto-Infrastruktur mit Banklizenz hat Schweizer Standortvorteil; Late-Stage-Crypto-Investments kehren mit Fokus auf Compliance zurück.

10. Climaze (Lausanne): CHF 58 Mio. Series B EPFL-Spin-off, Smart-Building-Energie-Management. Lehre: SaaS-Anwendungen mit klarer Hardware/Industrie-Verbindung erreichen Schweizer Series B; reine Generic-SaaS bleibt schwieriger.

Rang 11 bis 15: Series A und kleinere Series B

11. Cybermind AG (Zürich): CHF 52 Mio. Series A AI-Plattform für Cybersecurity-Threat-Intelligence. Lead: Atomico mit Beteiligung Schweizer Top-Tier-VCs. Lehre: Schweizer AI-Anwendungen mit klarem Vertical-Fokus (hier: Cybersecurity) finden internationale Lead-Investoren bereits in Series A.

12. PhytoTec (Lausanne): CHF 48 Mio. Series B AgriTech-Spin-off der EPFL, Präzisions-Pflanzenschutz mit AI. Lehre: AgriTech mit Schweizer Forschungsbasis und globaler Anwendung erreicht Series-B-Niveau; Schweiz als Heimatmarkt unbedeutend, EU und Nordamerika als Hauptmärkte.

13. Verisure Schweiz (Zürich-Niederlassung): CHF 45 Mio. Wachstumsrunde Sicherheits-Service-Spinoff; Skalierung in der Schweiz und in Deutschland.

14. Neuroception AI (Zürich): CHF 42 Mio. Series A ETH-Spin-off, AI für Psychiatrie und Psychotherapie. Lehre: Healthcare-AI mit klinischer Validierung und regulatorischem Pfad zieht Series-A-Kapital im hohen zweistelligen Millionenbereich.

15. Onlinedoc Schweiz (Zürich): CHF 40 Mio. Series C Schweizer Telemedizin-Plattform. Lead: Redalpine mit internationalen Co-Investoren. Lehre: Schweizer B2C-Healthcare findet stabile Spätphase-Tickets; Redalpine als Schweizer Lead-Investor weiterhin aktiv bei Schweizer Konsumenten-Healthcare.

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Rang 16 bis 20: kleinere Series B und grosse Series A

16. Aktionariat AG (Zug): CHF 38 Mio. Series B Crypto-Valley-Player, Tokenisierung von Aktien für Schweizer KMU. Lead: Pictet Wealth Management. Lehre: Klassische Schweizer Finanzinstitute investieren in Tokenisierungs-Infrastruktur als strategische Beteiligung.

17. Lab43 Swiss AG (Zürich): CHF 35 Mio. Series B Insurance-Tech-Plattform für Schweizer KMU. Lead: Mobiliar Venture. Lehre: Schweizer Corporate Venture (Mobiliar, Helvetia, Swiss Re) sind aktive Lead-Investoren in Insurance-Tech mit Schweizer Markt-Fokus.

18. Bcomp (Fribourg): CHF 32 Mio. Series B Natürliche Faser-Composite-Materialien als Carbon-Ersatz für die Automobilindustrie und den Wintersport. Lehre: Material-Tech aus Schweizer Hochschulen findet Late-Series-A- bis Series-B-Tickets, oft mit strategischen Industrie-Investoren.

19. Caterva Switzerland (Bern): CHF 30 Mio. Series A Bern-basiertes MedTech für orthopädische Implantate mit Bio-Resorbierbarkeit. Lead: spezialisierter MedTech-Fonds. Lehre: Bern als kleinerer Standort produziert weiterhin spezialisierte MedTech-Startups mit Series-A-Tickets über CHF 25 Mio.

20. Polypoint Suisse (St. Gallen): CHF 28 Mio. Series B Spital-Software-Spezialist für Personalplanung. Lead: international. Lehre: Vertikales SaaS für regulierte Schweizer Branchen (hier: Spital-Personalplanung) hält stabile Late-Series-A- bis Series-B-Tickets.

Sektor-Verteilung der Top 20

SektorAnzahl in Top 20Anteil Volumen
Climate Tech und Cleantech838%
Biotech und MedTech630%
ICT und AI412%
Crypto und Tokenisierung18%
Insurance-Tech14%
AgriTech14%
Verisure (Wachstum)13%

Climate Tech als Lokomotive. 8 von 20 Top-Runden, fast 40 Prozent des Top-20-Volumens. Treiber: Industrie-Dekarbonisierung, Energiewende, regulatorischer Druck weltweit auf Emissionsreduktion.

Biotech weiter stark. 6 Top-Runden, alle aus Basel oder EPFL. Schweizer Biotech bleibt globaler Standort für klinische Pipelines und MedTech-Plattformen.

ICT und AI nur 4 Top-Runden. Generic SaaS ist 2025 unterrepräsentiert; AI-Anwendungen mit klarer Vertical-These ziehen die wenigen ICT-Mega-Tickets.

Drei Lehren für Schweizer Gründer aus den Top 20

Lehre 1: Forschungsanbindung beschleunigt Late-Stage-Zugang Von den 20 Top-Runden 2025 sind 17 entweder direkte Hochschul-Spin-offs oder haben langjährige Forschungskooperationen mit Schweizer Universitäten. ETH und EPFL stellen zusammen 9 der 20. Wer Mega-Runden anstrebt, sollte frühzeitig Forschungs-Pipelines aufbauen, auch wenn das Produkt am Markt anders aussehen wird.

Lehre 2: Globale Skalierungsthese ist nicht-verhandelbar Schweizer Heimatmarkt ist für die meisten Mega-Runden-Themen zu klein. Distalmotion verkauft global, Climeworks operiert auf mehreren Kontinenten, Energy Vault zielt auf US- und Asien-Märkte. Wer eine Mega-Runde anstrebt, muss die globale These vom ersten Tag bauen, nicht nachrüsten.

Lehre 3: 5 bis 10 Jahre Vorlaufzeit sind die Regel, nicht die Ausnahme Climeworks wurde 2009 gegründet, Distalmotion 2012, Energy Vault 2017, Windward Bio 2019. Die Mega-Runden 2025 sind das Ergebnis von 5 bis 15 Jahren systematischer Forschung, mehrerer kleinerer Vorrunden und schrittweisem Aufbau. Schnelle Mega-Runden im Stil von "Pre-Seed in Jahr 1, Series C in Jahr 5" sind in der Schweiz die Ausnahme, nicht die Regel.

Verschiebungseffekt: 2024 versus 2025

Mehrere der 2025er-Mega-Runden waren ursprünglich für 2024 geplant, wurden aber wegen schwacher Marktlage verschoben. Distalmotion, Climeworks und GlycoEra hatten 2024 begonnen, in Spätphasen-Investoren-Gespräche zu treten, schlossen die Runden aber erst 2025 nach Verbesserung der Bewertungs- und Term-Sheet-Bedingungen. Das erklärt einen Teil des starken Plus-24-Prozent-Reboundsignals 2025: ein Aufholeffekt aus aufgestauten Mega-Deals.

Implikation für 2026: Der Aufholeffekt ist weitgehend ausgeschöpft. 2026 dürfte etwas tiefer liegen als 2025, sofern nicht neue Mega-Pipelines aus 2026 selbst entstehen. Plus-Minus 2 bis 3 Mrd. CHF wird das neue Normal, mit jährlichen Mega-Runden-Schwankungen.

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Haeufige Fragen

Wie repräsentativ sind die Top-Runden für den Schweizer VC-Markt?
Die Top 20 stehen für rund 60 Prozent des Schweizer VC-Volumens 2025, aber nur etwa 7 Prozent der Anzahl Runden. Sie sind also nicht repräsentativ für das typische Schweizer Startup-Erlebnis, sondern zeigen das obere Ende. Median-Series-A in der Schweiz liegt bei rund CHF 12 Mio., also einem Bruchteil der Mega-Runden. Wer typische Gründer-Lehren sucht, sollte zusätzlich die Median-Runden ansehen.
Was zeichnet die Schweizer Mega-Runden 2025 inhaltlich aus?
Drei Gemeinsamkeiten: erstens tiefe Forschungsanbindung, oft Hochschul-Spin-off mit 10+ Jahren akademischer Vorarbeit; zweitens klare globale Skalierungsthese, Schweizer Markt zu klein als Hauptmarkt; drittens hochkapitalintensive Sektoren wie Climate Tech und Biotech, in denen Wagnisse hoch und Kapitalbedarfe gross sind. Standard-SaaS-Skalierung kommt unter den Top 20 selten vor.
Welche Schweizer Universität hat 2025 die meisten Spin-off-Mega-Runden produziert?
ETH Zürich mit fünf von 20 Top-Runden, EPFL Lausanne mit vier. Die Universitäten Basel, Zürich und Genf stellen je ein bis zwei Top-Runden, primär im Life-Sciences-Bereich. Universitäten ausserhalb dieser fünf sind in den Top 20 nicht vertreten. Das illustriert die starke Forschungsanbindung erfolgreicher Schweizer Startups.
Lassen sich diese Mega-Runden direkt auf das eigene Startup übertragen?
Direkt nicht. Mega-Runden sind das Ergebnis von 5 bis 10 Jahren Vorarbeit, mehreren erfolgreichen Vorrunden und einer Marktlage, die globale Wachstumsfonds ins Spiel bringt. Für Gründer in Pre-Seed oder Seed sind die Lehren strategisch: welche Sektoren ziehen institutionelles Kapital an, welche Investoren engagieren sich in welcher Phase, welche Hochschulanbindung lohnt sich für welches Thema. Operativ gelten für Median-Schweizer-Startups andere Massstäbe.
Wie unterscheiden sich Schweizer Mega-Runden von deutschen oder britischen?
Schweizer Mega-Runden sind im Schnitt sektoral konzentrierter (Climate Tech, Biotech), während deutsche und britische Mega-Runden breiter gestreut sind über Fintech, Logistik und Consumer-Tech. Schweizer Top-Runden sind häufiger von US-amerikanischen Lead-Investoren geführt als deutsche; britische Runden haben mehr internationales Tier-1-Equity bereits in früheren Phasen. Schweizer Late-Stage profitiert von der globalen Wahrnehmung als Standort für Tech-Excellence trotz kleinem Heimatmarkt.
Sarah Brunner

Sarah Brunner

Steuer- und Sozialversicherungsrecht

Sarah Brunner schreibt zu MWST, AHV und der direkten Bundessteuer. Sie hat einen Abschluss in Steuerrecht und mehrere Jahre Beratungspraxis.