Finanzierung

Startup investieren Schweiz 2026: Wie Privatpersonen und KMU in Schweizer Startups investieren

17. Mai 20269 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Schweizer Privatpersonen können ab CHF 1'000 (Crowdinvesting) bis CHF 25'000+ (Business Angel) in Startups investieren. Die Risiko-Rendite-Erwartung folgt einer Power-Law-Verteilung.
  • Business-Angel-Netzwerke wie StartAngels, BAS und Go Beyond bieten kuratierten Deal-Flow für Schweizer Privatinvestoren mit Mindestbeteiligungen ab CHF 25'000 pro Runde.
  • Crowdinvesting-Plattformen wie Crowd4Cash, Conda und Investiere ermöglichen Einstieg ab CHF 1'000; Auswahl ist breiter, Due Diligence durch die Plattform jedoch oberflächlicher.
  • Wandeldarlehen sind in Schweizer Pre-Seed-Runden Standard: Investition wird bei einer späteren Equity-Runde in Aktien umgewandelt, mit Bewertungsrabatt von typisch 20 Prozent.
  • Schweizer Startup-Investments sind privat steuerlich relativ vorteilhaft: Kapitalgewinne aus privatem Vermögen sind steuerfrei, sofern keine gewerbsmässige Tätigkeit vorliegt.
  • Realistische Renditeerwartung: 80 Prozent der Pre-Seed-Investments verlieren ganz oder teilweise, 15 Prozent bringen 2- bis 5-fache, 5 Prozent bringen 10-fache oder mehr Rendite.

In Schweizer Startups zu investieren wird mit Crowdinvesting-Plattformen, Business-Angel-Netzwerken und Tokenisierungs-Projekten immer zugänglicher. Aber die Risiken bleiben hoch: 60 bis 80 Prozent der Pre-Seed-Investments verlieren den vollen oder einen grossen Teil des Einsatzes. Wer dennoch in den Schweizer Startup-Markt investieren will, braucht ein Konzept für Deal-Sourcing, Due Diligence, Vertragsgestaltung und steuerliche Strukturierung.

Dieser Guide richtet sich an Schweizer Privatpersonen und KMU, die in Startups investieren wollen, sei es als Business Angel, über Crowdinvesting, mit Wandeldarlehen oder als Teil eines VC-Fonds.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel informiert allgemein über Schweizer Startup-Investments und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Investments in Startups sind hochriskant; Verluste des vollen Einsatzes sind realistisch. Vor jedem Investment eine individuelle Risikobewertung und steuerliche Prüfung vornehmen.

Welche Wege es gibt, in Schweizer Startups zu investieren

Schweizer Privatpersonen und KMU haben fünf grundsätzliche Wege, um in Startups zu investieren. Sie unterscheiden sich nach Mindestbetrag, Diversifikationsgrad und persönlichem Engagement.

WegMindestbetragDiversifikationAufwand
CrowdinvestingCHF 500 bis 1'000 pro DealHoch (viele Deals möglich)Niedrig
Wandeldarlehen direktCHF 10'000 bis 50'000MittelMittel
Business AngelCHF 25'000 bis 250'000 pro DealMittel (1 bis 10 Deals pro Jahr)Hoch
VC-Fonds-BeteiligungCHF 100'000 bis 1 Mio.Sehr hoch (Fonds streut über 20 bis 40 Startups)Niedrig
Direktbeteiligung über StrukturierungCHF 500'000+NiedrigSehr hoch

Crowdinvesting: Einstieg ab CHF 1'000

Crowdinvesting-Plattformen ermöglichen den breitesten Zugang zu Schweizer Startup-Investments. Sie sammeln Kapital von vielen Einzelinvestoren und investieren es gebündelt in ein Startup.

Modelle

  • Equity-Crowdinvesting: Investoren erhalten Aktien des Startups (proportional zur Einlage). Auszahlung erst bei Exit oder Dividendenausschüttung.
  • Debt-Crowdinvesting (Crowdlending): Investoren erhalten Zinsen (typisch 5 bis 12 Prozent pro Jahr) plus Rückzahlung des Kapitals.
  • Reward-Crowdinvesting: Investoren erhalten Produktvorteile, keine finanzielle Beteiligung. Streng genommen kein Investment.

Schweizer Plattformen

PlattformModellMindestbetragSchwerpunkt
Crowd4CashDebtCHF 100KMU-Kredite, Konsumkredite
CondaEquityCHF 500 bis 1'000KMU und Startups
InvestiereEquityCHF 10'000Schweizer Tech-Startups, akkreditierte Investoren
SwisspeersDebtCHF 1'000KMU-Bankkredit-Alternative

Was bei Crowdinvesting zu beachten ist

  • Due Diligence der Plattform: Crowdinvesting-Plattformen prüfen Startups vor der Aufnahme, aber die Tiefe variiert. Investoren sollten die Due-Diligence-Berichte und das Pitch Deck selbst lesen, nicht nur dem Plattform-Rating folgen.
  • Liquidität: Crowdinvesting-Beteiligungen sind weitgehend illiquide. Ein Sekundärmarkt existiert nur eingeschränkt. Rechnen mit 7 bis 10 Jahren Bindungsdauer ohne Auszahlung.
  • Anteilsmehrheit: Crowdinvestoren halten meist sehr kleine Beteiligungen ohne wirksame Mitsprache. Bei späteren Finanzierungsrunden werden sie typisch verwässert.

Business Angel werden: kuratierter Deal-Flow ab CHF 25'000

Business Angels sind erfahrene Schweizer Privatinvestoren, die in der Frühphase (Pre-Seed bis Seed) direkt in Startups investieren. Mindestbeträge pro Deal liegen typisch bei CHF 25'000 bis CHF 100'000; Profil-Angels investieren auch CHF 250'000 oder mehr pro Deal.

Schweizer Business-Angel-Netzwerke

  • StartAngels Network: das grösste Schweizer Angel-Netzwerk mit Sitz in Zürich, monatliche Pitch-Events, breite Branchen-Abdeckung
  • Business Angels Schweiz (BAS): Verband mit regionalen Chaptern (Zürich, Bern, Romandie)
  • Go Beyond Investing: Mitgliederbasiertes Netzwerk mit strukturierter Due Diligence und Co-Investment-Modell
  • SICTIC: ICT-fokussiert, mit Sitz in Zürich, sehr aktiv im DeepTech-Bereich
  • A3 Angels: Aargau-Solothurn-Romandie-Netzwerk

Was Angel-Investments von Crowdinvesting unterscheidet

  • Aktive Due Diligence: Angels prüfen Startups selbst (oder gemeinsam im Netzwerk), nicht nur die Plattform
  • Term-Sheet-Verhandlung: Angels haben Mitsprache bei Bewertung, Schutzklauseln, Cap-Table-Struktur
  • Coaching und Netzwerk: Erfolgreiche Angels bringen Branchen-Expertise und Kunden-Zugang
  • Folgeinvestments: In erfolgreichen Beteiligungen folgen Angels oft den nächsten Runden, um Verwässerung zu reduzieren

Voraussetzungen, um Angel zu werden

Formal keine: Jede Schweizer Privatperson kann als Business Angel investieren. Sinnvoll sind:

  • Finanzielle Kapazität: 5 bis 10 Prozent des liquiden Vermögens für Startup-Investments reserviert; Verlustverkraftbarkeit über 7 bis 10 Jahre
  • Branchen-Expertise: Mehrwert über reines Kapital hinaus, in der eigenen Branchenerfahrung
  • Zeitaufwand: 5 bis 15 Stunden pro Monat für Deal-Flow, Due Diligence und Beteiligungsbegleitung
  • Mindestportfolio: 10 bis 20 Beteiligungen für ausreichende Diversifikation; bei CHF 25'000 pro Deal also CHF 250'000 bis 500'000 verfügbares Kapital

StartAngels Network

Grösstes Schweizer Business-Angel-Netzwerk: kuratierter Deal-Flow und monatliche Pitch-Events

Mitgliedschaft mit Jahresbeitrag

StartAngels aufrufen

Wandeldarlehen: Pre-Seed-Standard in der Schweiz

Wandeldarlehen (Convertible Note) sind in Schweizer Pre-Seed-Runden Standard. Der Investor gibt dem Startup ein Darlehen, das bei der nächsten Equity-Runde in Aktien umgewandelt wird.

Kernparameter eines Wandeldarlehens

  • Darlehensbetrag: Zwischen CHF 25'000 und CHF 500'000 pro Investor
  • Zinssatz: Üblich 2 bis 6 Prozent pro Jahr; aufgelaufene Zinsen werden bei Wandlung mit in die Equity-Position eingerechnet
  • Bewertungsrabatt (Discount): Bei Wandlung erhält der Investor Aktien zu einem Preis unter der Bewertung der Equity-Runde, typisch 15 bis 25 Prozent Rabatt
  • Bewertungsobergrenze (Cap): Maximale Bewertung, bei der die Wandlung erfolgt; schützt den Investor bei sehr hohen späteren Bewertungen
  • Laufzeit: 18 bis 36 Monate; bei Ablauf entweder Equity-Wandlung, Rückzahlung oder Verlängerung
  • Trigger: Equity-Runde ab einem definierten Mindestvolumen (z. B. CHF 1 Mio.) löst die Wandlung aus

Vorteile gegenüber direkter Aktien-Beteiligung

  • Keine Bewertung nötig: Die Bewertung des Startups wird bei der späteren Equity-Runde festgelegt; das vereinfacht die Frühphasen-Verhandlung
  • Geringerer Vertragsaufwand: Wandeldarlehens-Verträge sind 5 bis 15 Seiten lang, Aktien-Beteiligungs-Verträge oft 50 bis 100 Seiten
  • Niedriger Bewertungsabschlag: Mit dem Discount erhält der frühe Investor eine bessere Bewertung als spätere Investoren

Nachteile

  • Kein sofortiges Stimmrecht: Wandeldarlehens-Geber sind Gläubiger, nicht Aktionäre, bis zur Wandlung
  • Komplexität bei Wandlung: Die Berechnung der erhaltenen Aktien (mit Discount, Cap, Zinsen) erfordert sorgfältige Vertragsformulierung
  • Steuerliche Behandlung: Zinsen sind als Ertrag steuerpflichtig; bei Wandlung kann eine steuerliche Realisation entstehen

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VC-Fonds: institutionelle Beteiligung

Schweizer VC-Fonds investieren bündeln das Kapital institutioneller und privater Investoren und investieren in ein Portfolio von 20 bis 40 Startups. Beteiligung an einem VC-Fonds streut das Risiko über viele Beteiligungen.

Schweizer VC-Fonds mit Zugang für Privatanleger

  • Redalpine: einer der bekanntesten Schweizer VC-Fonds, Sitz in Zürich, Fokus auf DeepTech und HealthTech
  • Lakestar: globaler Tech-Fonds mit Schweizer Wurzeln
  • Wingman Ventures: Schweizer Frühphasen-Fonds, Pre-Seed bis Seed
  • btov Partners: ICT-Spezialist mit Schweizer und deutschem Footprint
  • Verve Ventures: für akkreditierte Investoren, breites Schweizer Startup-Portfolio

Wie eine VC-Fonds-Beteiligung funktioniert

  • Capital Commitment: Investor verpflichtet sich zu einem Gesamtbetrag (z. B. CHF 250'000)
  • Capital Call: Fonds ruft das Kapital in Tranchen ab, typisch über 3 bis 5 Jahre
  • Management Fee: Jährliche Verwaltungsgebühr von 2 bis 2,5 Prozent auf das committed Capital
  • Carried Interest: Bei Erfolg erhält der Fonds-Manager 20 bis 25 Prozent des Gewinns
  • Distribution: Auszahlungen erfolgen bei Exits aus dem Portfolio, typisch ab Jahr 5 bis Jahr 10

Mindestbeträge

VC-Fonds-Beteiligungen liegen typisch bei CHF 100'000 bis 1 Mio. Mindestkapital. Einige Fonds richten sich nur an «akkreditierte Investoren» nach Schweizer Regulierung (mit Nachweis von Vermögen oder Einkommen).

Steuern auf Startup-Investments in der Schweiz

Die Schweizer Steuerregeln für Startup-Investments sind im Vergleich zu Deutschland und Frankreich relativ vorteilhaft, aber komplex.

Kapitalgewinne

Kapitalgewinne aus privatem Vermögen sind in der Schweiz steuerfrei (Art. 16 Abs. 3 DBG). Ein Verkauf von Startup-Aktien mit Gewinn zieht keine Steuer nach sich, sofern keine gewerbsmässige Wertschriftenhandel-Tätigkeit angenommen wird.

Gewerbsmässiger Wertschriftenhandel

Die Steuerverwaltung kann eine Person als gewerbsmässigen Wertschriftenhändler einstufen, wenn folgende Kriterien zutreffen (Kreisschreiben Nr. 36 der ESTV):

  • Häufigkeit der Transaktionen (mehrere pro Jahr)
  • Hoher Anteil fremdfinanzierter Investitionen
  • Investments stehen in engem Bezug zur Berufstätigkeit
  • Beteiligungen werden kurzfristig gehalten (unter 6 bis 12 Monate)
  • Derivate werden eingesetzt

Wer als gewerbsmässig eingestuft wird, versteuert Kapitalgewinne als Einkommen und kann Verluste abziehen.

Dividendenausschüttungen

Dividenden sind als Einkommen steuerpflichtig. Bei qualifizierten Beteiligungen (über 10 Prozent am Stammkapital) gilt die Teilbesteuerung: nur 60 bis 70 Prozent der Dividende sind steuerpflichtig (kantonal unterschiedlich). Verrechnungssteuer von 35 Prozent wird beim Empfänger gutgeschrieben, sofern korrekt deklariert.

Strukturierung über eine Holding

Schweizer Business Angels strukturieren ihre Beteiligungen häufig über eine eigene Holding-GmbH oder Holding-AG. Vorteile:

  • Konsolidierte Bewirtschaftung mehrerer Beteiligungen
  • Verlustausgleich zwischen Beteiligungen
  • Teilbesteuerung von Dividenden auf Ebene der Holding
  • Klare Trennung zwischen privatem und investorenmässigem Vermögen

Nachteile: Doppelte Buchführungspflicht, AHV-rechtliche Behandlung des Geschäftsführer-Lohns, höherer administrativer Aufwand.

Realistische Renditeerwartung

Die Renditeerwartung von Startup-Investments folgt einer Power-Law-Verteilung. Die meisten Investments bringen wenig oder nichts, einzelne bringen sehr hohe Multiples.

Verteilungs-Faustregel für Pre-Seed-Portfolios

  • 50 bis 60 Prozent der Investments: Totalverlust oder unter 0,5-fach Rückkehr
  • 20 bis 30 Prozent: 0,5- bis 1,5-fach
  • 10 bis 15 Prozent: 2- bis 5-fach
  • 3 bis 7 Prozent: 5- bis 10-fach
  • 1 bis 3 Prozent: über 10-fach (die «Home Runs»)

Was das für die Portfolio-Konstruktion bedeutet

  • Diversifikation ist Pflicht: Mindestens 10 bis 20 Beteiligungen, um statistisch die Power-Law-Verteilung abzudecken
  • Realistische Gesamtrendite: 2- bis 4-fach über 7 bis 10 Jahre, also ca. 10 bis 18 Prozent jährliche Rendite (IRR) bei einem gut diversifizierten Schweizer Pre-Seed-Portfolio
  • Zeitfenster: Liquide Auszahlungen ab Jahr 5 bis 10; vorher ist Kapital gebunden
  • Korrelation: Schweizer Startup-Markt korreliert mit US-VC-Markt (verzögert um 12 bis 18 Monate); Marktdips reduzieren auch Schweizer Renditen

Häufige Fehler beim Investieren in Schweizer Startups

Zu wenig diversifizieren

Wer mit 2 oder 3 Investments anfängt, hat statistisch eine hohe Wahrscheinlichkeit, Geld zu verlieren. Diversifikation über mindestens 10 Beteiligungen reduziert das Konzentrationsrisiko erheblich.

Bewertung zu hoch akzeptieren

In heissen Märkten fragen Startups oft überzogene Bewertungen. Wer in der Pre-Seed bei einer Bewertung von CHF 10 Mio. einsteigt, braucht eine Exit-Bewertung von CHF 100 Mio., um 10-fach zurückzukommen, nach Verwässerung in späteren Runden ist das selten.

Auf das Marketing statt auf die Substanz schauen

Pitch Decks sind Marketing-Dokumente. Vor einem Investment müssen die harten Fakten geprüft werden: Cap Table, Finanzplanung, Kundenverträge, IP-Position, Wettbewerbsanalyse. Wer nur dem Pitch glaubt, investiert ohne Substanz-Check.

Keine Schutzklauseln vereinbaren

Schweizer Pre-Seed-Verträge enthalten oft keine Mitverkaufs-, Vorkaufs-, Drag-Along- und Tag-Along-Klauseln. Bei späteren Investorenrunden ohne Schutzklauseln können Frühinvestoren überstimmt und zwangsverkauft werden, ohne Mitsprache.

Steuerliche Strukturierung zu spät prüfen

Wer als Privatperson über mehrere Jahre 10 oder mehr Beteiligungen aufbaut, riskiert die Einstufung als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler. Eine Holding-Struktur sollte vor dem Aufbau eines grösseren Portfolios geprüft werden.

Den Zeithorizont unterschätzen

Startup-Investments sind 7- bis 10-Jahres-Investitionen. Wer in 3 Jahren Liquidität braucht, sollte nicht in Startups investieren, selbst wenn der Deal-Flow gut aussieht.

Weiterführende Ressourcen

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Haeufige Fragen

Ab wann kann ich in Schweizer Startups investieren?
Crowdinvesting-Plattformen erlauben Einstiegsinvestitionen ab CHF 1'000. Business-Angel-Netzwerke arbeiten mit Mindestbeträgen pro Deal von CHF 25'000 bis 100'000. VC-Fonds für Privatanleger gibt es in der Schweiz nur eingeschränkt; institutionelle Beteiligung an Schweizer VC-Fonds setzt typisch CHF 250'000 bis 1 Mio. Mindestkapital voraus.
Wie hoch ist das Risiko bei Schweizer Startup-Investments?
Sehr hoch. Internationale Statistiken zeigen, dass 60 bis 80 Prozent der Pre-Seed-Investments den vollen Einsatz verlieren oder nur teilweise zurückbringen. Die Schweizer Statistik ist ähnlich. Wer Startups investiert, sollte nur Mittel einsetzen, deren Verlust er finanziell und emotional verkraftet. Diversifikation über mindestens 10 bis 20 Beteiligungen reduziert das Konzentrationsrisiko.
Welche Schweizer Plattformen gibt es für Startup-Investments?
Crowdinvesting: Crowd4Cash, Conda, Investiere, Swisspeers (Debt). Business-Angel-Netzwerke: StartAngels, BAS (Business Angels Schweiz), Go Beyond, SICTIC (ICT-fokussiert), A3 Angels. VC-Fonds mit Schweizer Privatanleger-Zugang: Redalpine, Lakestar, Wingman Ventures, btov Partners, Verve Ventures (für akkreditierte Investoren).
Wie wird ein Startup-Investment in der Schweiz besteuert?
Kapitalgewinne aus privatem Vermögen sind in der Schweiz steuerfrei (Art. 16 Abs. 3 DBG), sofern keine gewerbsmässige Wertschriftenhandel-Tätigkeit vorliegt. Dividendenausschüttungen sind als Einkommen steuerpflichtig, mit Teilbesteuerung bei qualifizierten Beteiligungen (über 10 Prozent) von 60 bis 70 Prozent. Verluste aus privatem Vermögen sind steuerlich nicht abzugsfähig. Bei Business Angels mit professioneller Strukturierung (mehrere Beteiligungen, regelmässige Tätigkeit, eigene Holding-Gesellschaft) kann gewerbsmässiger Wertschriftenhandel angenommen werden, mit anderen Steuerregeln.
Was ist der Unterschied zwischen einer Aktien- und einer Wandeldarlehens-Beteiligung?
Eine Aktien-Beteiligung erfolgt sofort: Sie zeichnen Aktien (bei AG) oder Stammanteile (bei GmbH), erhalten Stimmrechte und Dividendenrechte, werden Miteigentümer. Ein Wandeldarlehen ist ein Kredit an das Startup, der bei einer späteren Equity-Runde in Aktien umgewandelt wird. Vorteil Wandeldarlehen: keine Bewertung des Startups nötig (die folgt in der späteren Runde), oft Bewertungsrabatt von 20 Prozent und Zinsen während der Laufzeit. Nachteil: kein sofortiges Stimmrecht, höherer Vertragsaufwand bei der späteren Umwandlung.
Welche Renditeerwartung ist realistisch?
Die Renditeerwartung folgt einer Power-Law-Verteilung: Die meisten Investments bringen wenig oder nichts, einzelne Investments bringen hohe Multiples. Für ein gut diversifiziertes Portfolio von 20 Pre-Seed-Investments ist eine Gesamtrendite von 2- bis 4-fach über 7 bis 10 Jahre ein realistisches Ziel, mit hoher Streuung. Wer mit 1 oder 2 Investments anfängt, hat statistisch eine Chance von weniger als 50 Prozent, überhaupt sein Kapital zurückzubekommen.
Wie finde ich gute Schweizer Startup-Deals?
Drei Kanäle dominieren: Business-Angel-Netzwerke (kurierter Deal-Flow, mehrere Investments pro Monat), Crowdinvesting-Plattformen (breite Auswahl, oberflächlichere Due Diligence) und direktes Networking (Pitch Events, Branchenkonferenzen, Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld). Für Erstinvestoren empfiehlt sich der Einstieg über ein Angel-Netzwerk: gemeinsame Due Diligence, Lerneffekt durch andere Investoren, geringeres Konzentrationsrisiko.
Michael Bauer

Michael Bauer

Startup-Finanzierung und Investoren

Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.