Finanzierung
Technologiefonds des Bundes: CHF 3 Mio. Bürgschaft für Cleantech-Startups
Das Wichtigste in Kürze
- Der Technologiefonds bürgt für Bankkredite an Schweizer Cleantech-KMU mit bis zu CHF 3 Mio. pro Unternehmen und max. 60% Deckungsquote.
- Ende 2024 unterstützte der Fonds 143 Unternehmen mit 155 Bürgschaften und einem kumulierten Volumen von CHF 286 Mio.
- Die Bürgschaftsgebühr beträgt 0,9% pro Jahr; das Bürgschaftskomitee verlangt eine quantifizierbare Treibhausgas-Wirkung.
- Voraussetzung ist mindestens CHF 100'000 Umsatz mit der innovativen Technologie und ein kreditbereiter Bankpartner; reine Forschungsprojekte sind ausgeschlossen.
- Das BAFU hat das operative Mandat von Emerald Technology Ventures im November 2025 bis 2030 verlängert.
Der Technologiefonds ist das wichtigste Bundes-Finanzierungsinstrument für Schweizer Cleantech-Startups in der Kommerzialisierungsphase. Er vergibt keine Zuschüsse, sondern bürgt für Bankkredite mit bis zu CHF 3 Mio. pro Unternehmen. Ende 2024 unterstützte er 143 Unternehmen mit einem kumulierten Bürgschaftsvolumen von CHF 286 Mio. (BAFU-Jahresbericht 2024).
Dieser Artikel erklärt die Förderkriterien, den Antragsprozess, die effektiven Kosten und welche Fehler den Antrag scheitern lassen.
Rechtsgrundlage und Trägerschaft
Der Technologiefonds basiert auf Art. 35 des CO2-Gesetzes. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) ist die rechtliche Trägerin. Die operative Geschäftsstelle wird seit 2014 von Emerald Technology Ventures AG (Zürich) geführt, South Pole AG ist Subunternehmerin. Das BAFU hat das Mandat im November 2025 bis 2030 verlängert.
Was der Technologiefonds genau leistet
Der Technologiefonds ist ein Bürgschaftsinstrument, kein Förderprogramm im klassischen Sinn. Das Startup arrangiert einen Kreditvertrag mit einer kreditbereiten Bank oder einem alternativen Finanzierer, der Fonds garantiert anschliessend gegenüber dem Kreditgeber einen Teil des Ausfallrisikos. Die Bank vergibt den Kredit und reduziert ihr Risiko über die Bundesgarantie.
Eckwerte des Instruments
| Position | Wert |
|---|---|
| Maximale Bürgschaft | CHF 3 Mio. pro Unternehmen |
| Minimale Bürgschaft (praktisch) | Ab ca. CHF 500'000 |
| Deckungsquote | Max. 60% des Kreditbetrags |
| Laufzeit | Bis 10 Jahre |
| Bürgschaftsgebühr | 0,9% pro Jahr auf den Bürgschaftsbetrag |
| Eigenfinanzierungsquote | Min. 40% aus anderen Quellen |
| Mindestumsatz mit der Technologie | CHF 100'000 |
Quelle: technologiefonds.ch, Konditionen, Stand Mai 2026.
Was er nicht ist
- Kein Zuschuss: Der Kredit ist voll zurückzuzahlen, samt Zinsen.
- Kein Eigenkapitalersatz: 40% der Gesamtfinanzierung muss aus anderen Quellen stammen (Eigenkapital, Förderbeiträge, andere Darlehen).
- Keine Kreditzusage: Der Fonds bürgt erst, wenn eine Bank den Kredit zugesagt hat. Wer keinen kreditbereiten Bankpartner findet, bekommt auch keine Bürgschaft.
Förderkriterien im Detail
Der Fonds finanziert vier Wirkungsbereiche, alle aus dem CO2-Gesetz abgeleitet:
- Reduktion von Treibhausgasen
- Effiziente Nutzung elektrischer Energie
- Förderung erneuerbarer Energien
- Schonung natürlicher Ressourcen
Quantifizierbarer Klima-Beitrag
Der wichtigste Filter im Antragsprozess: die Treibhausgas-Wirkung muss quantifiziert werden. Eine Lebenszyklusanalyse oder eine CO2-Berechnung gehört zur Antragsdokumentation. Aussagen wie "Wir sind irgendwie nachhaltig" reichen nicht. Geförderte Unternehmen sparten 2024 im Durchschnitt rund 14'000 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr; die kumulierte Wirkung des Programms wird vom BAFU auf 8,4 Mio. Tonnen seit 2015 geschätzt.
Schweizer Sitz und Schweizer Kreditgeber
Sowohl das Unternehmen als auch die kreditgebende Bank müssen ihren Sitz in der Schweiz haben. Auslandsbanken können nicht als bürgschaftsberechtigter Kreditgeber auftreten. Schweizer Tochtergesellschaften internationaler Bankgruppen sind zulässig.
Marktreife und Innovationsgrad
Der Fonds fördert ausdrücklich die Kommerzialisierungsphase, nicht die Forschung. Mindestens CHF 100'000 Umsatz mit der innovativen Technologie ist Voraussetzung. Wer noch im Prototyping ist, wird auf das Pilot- und Demonstrationsprogramm des Bundesamts für Energie verwiesen, das aber selbst von Sparmassnahmen betroffen ist (siehe unseren Bundesbudget-2026-Artikel).
Häufiger Antragsfehler
Viele Cleantech-Startups beantragen die Bürgschaft zu früh. Wer noch keine Verkäufe mit der Technologie generiert oder keinen Bankpartner gefunden hat, wird im Quickcheck abgewiesen. Sinnvoll ist die Antragstellung erst, wenn der Bankkredit grundsätzlich zugesagt ist und der Umsatz mit der innovativen Technologie nachweisbar über CHF 100'000 liegt.
Der Antragsprozess Schritt für Schritt
| Schritt | Aktion | Dauer | Kosten |
|---|---|---|---|
| 1 | Online-Quickcheck auf technologiefonds.ch | Tage | Gratis |
| 2 | Vorprüfung durch Geschäftsstelle | 2 bis 4 Wochen | Gratis |
| 3 | Hauptprüfung (Detailantrag) | 6 bis 10 Wochen | CHF 1'000 |
| 4 | Entscheid Bürgschaftskomitee, BAFU-Verfügung | 4 bis 6 Wochen | CHF 2'000 bei Zusage |
| 5 | Vertragsabschluss mit Bank und Fonds | 2 bis 4 Wochen | Gem. Bankkonditionen |
| Total | Antrag bis Auszahlung | ca. 4 bis 5 Monate | CHF 3'000 plus Bankzins |
Quelle: technologiefonds.ch, Verfahrensbeschrieb, Stand Mai 2026.
Erfolgsquoten
Etwa 60% der eingereichten Anträge bestehen die Vorprüfung. Von den verbleibenden Anträgen erhalten rund 80% einen positiven Bescheid. In Summe wird also rund die Hälfte aller Anträge bewilligt. Das ist deutlich höher als beim EIC Accelerator und liegt im Bereich der besten Innosuisse-Instrumente.
Wer prüft und entscheidet
- Geschäftsstelle (Emerald Technology Ventures plus South Pole): Vorprüfung und inhaltliche Antragsbearbeitung.
- Bürgschaftskomitee: Vertreter Bund und Privatwirtschaft, finaler Förderentscheid.
- BAFU: Formelle Verfügung und Aufsicht über das Programm.
Effektive Kosten am Beispiel CHF 2 Mio. Bürgschaft
Angenommen, ein Schweizer Cleantech-Startup nimmt einen Bankkredit über CHF 3 Mio. auf, davon CHF 2 Mio. mit Technologiefonds-Bürgschaft (60% Deckung des Kredits passt).
| Position | Betrag pro Jahr |
|---|---|
| Bürgschaftsgebühr (0,9% auf CHF 2 Mio.) | CHF 18'000 |
| Bankzins (geschätzt 5% auf CHF 3 Mio.) | CHF 150'000 |
| Total laufende Kosten | CHF 168'000 |
| Vorprüfungsgebühr (einmalig) | CHF 1'000 |
| Bearbeitungsgebühr (einmalig) | CHF 2'000 |
Der Bankzins ist die deutlich grössere Kostenkomponente. Wer den Bürgschaftsmechanismus nicht als "günstiges Geld vom Bund" missversteht, sondern als Risiko-Reduktion für die Bank, kalkuliert realistisch.
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Portfolio-Beispiele
Der Fonds publiziert seine vollständige Portfolio-Liste aus Vertraulichkeitsgründen nicht. Öffentlich kommuniziert wurden unter anderem:
- Designwerk (Winterthur): E-Lkw-Hersteller, mehrfach erwähnt im BAFU-Jahresbericht.
- Ecorobotix (Yverdon): Präzisionslandwirtschaft, Bürgschaft 2022.
- Flux Mobility: E-Transporter, Bürgschaft 2024.
- Modular AG: Webinar-Referenz Oktober 2025.
- qipp AG: Real-Estate-Nachhaltigkeit.
Direct-Air-Capture-Unternehmen wie Climeworks werden in Drittquellen genannt; eine offizielle Bestätigung ist im Portfolio nicht namentlich publiziert.
Schadensfälle und Risikobereitschaft
Der Steuerungsausschuss akzeptiert eine Ausfallquote von 20 bis 30% als programmtypisch. Tatsächlich registrierte das BAFU 2024 26 Schadensfälle bei 23 Unternehmen, was rund 12% der Bürgschaften nach Anzahl und 10% nach Volumen entspricht. Das Programm ist also explizit auf marginale Fälle ausgelegt, nicht auf Mitnahmeeffekte für Unternehmen, die ohnehin Bankkredit erhalten würden.
Kombination mit anderen Förderinstrumenten
| Andere Förderung | Kombinierbarkeit | Bemerkung |
|---|---|---|
| Innosuisse Innovationsprojekt | Ja | Deckt F&E vor der Kommerzialisierung; zeitliche Sequenz typisch |
| EIC Accelerator | Ja | Blended Finance auf EU-Ebene plus Schweizer Bürgschaft für Wachstumskredit |
| Bürgschaft für KMU (BG Mitte, BG Ost-Süd, CRC) | Ja, aber meist auf anderen Kredittranchen | Doppelbürgschaft auf demselben Kredit unüblich |
| BFE Pilot- und Demonstrationsprogramm | Ja, sequenziell | BFE deckt Pilotphase, Technologiefonds Kommerzialisierung |
| Innosuisse Swiss Accelerator | Nicht relevant 2026 | Swiss Accelerator pausiert, siehe unseren Vergleich |
Häufige Missverständnisse
"Das ist Bundesgeld, also unbürokratisch." Falsch. Der Fonds verlangt eine quantifizierbare GHG-Wirkung, einen Bankpartner, eine Eigenfinanzierungsquote von 40% und einen Cashflow-Plan, der die Tilgung über bis zu zehn Jahre trägt. Der Antragsaufwand entspricht einem Bankkreditgesuch plus einer Klimawirkungsanalyse.
"Wir bekommen 100% Deckung." Falsch. Die maximale Deckungsquote beträgt 60% des Kreditbetrags. Die Bank trägt 40% Risiko und prüft das Geschäftsmodell vollumfänglich.
"Verrechnungssteuer fällt an." Falsch. Da es sich um einen Bankkredit handelt und nicht um eine anleihenähnliche Struktur, greift die schweizerische Verrechnungssteuer auf Zinsen nicht (Bank-Privileg gemäss Verrechnungssteuerverordnung). Achtung allerdings bei Konstellationen mit mehr als zehn Gläubigern oder strukturierten Schuldverschreibungen.
"Wir können die Bürgschaft als Quasi-Eigenkapital ausweisen." Falsch. Die Bürgschaft ändert nichts an der Bilanzposition des Kredits. Es bleibt Fremdkapital.
Tilgung muss aus Cashflow kommen
Der Technologiefonds prüft im Antrag den dreijährigen Cashflow-Plan. Wer plant, die Rückzahlung über die nächste Finanzierungsrunde zu finanzieren, hat ein Problem: Bankkredite werden für operative Tilgung vergeben, nicht zur Brückenfinanzierung bis zur Series B.
Zeitliche Sequenz für ein typisches Cleantech-Startup
- Frühphase: Innosuisse Innovationsprojekt mit oder ohne Forschungspartner, dazu Venture Kick oder Stiftungs-Awards.
- Pilot: BFE Pilot- und Demonstrationsprogramm (Status 2026 prüfen, da Sparmassnahmen) oder kantonale Cleantech-Förderung.
- Markteintritt: Erste CHF 100'000 Umsatz, paralleles Anbahnen einer Bankfinanzierung.
- Kommerzialisierung: Technologiefonds-Bürgschaft plus Bankkredit plus Eigenkapital.
- Scale-up: EIC Accelerator für internationale Expansion.
Technologiefonds
Bundes-Bürgschaft für Cleantech-Bankkredite
Bürgschaft bis CHF 3 Mio., Gebühr 0,9% p.a.
BAFU
Bundesamt für Umwelt, Programmaufsicht Technologiefonds
Informationen kostenlos
Innosuisse
Innovationsförderung für die Phase vor dem Technologiefonds
Förderbeiträge bis CHF 500'000 pro Projekt
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Haeufige Fragen
Ist der Technologiefonds ein Zuschuss oder ein Kredit?
Welche Unternehmen können sich bewerben?
Wie hoch sind die Kosten für das Startup?
Wie lange dauert der Antragsprozess?
Kann der Technologiefonds mit Innosuisse, EIC oder Bürgschaften für KMU kombiniert werden?
Welche Cleantech-Unternehmen wurden bisher unterstützt?
Michael Bauer
Startup-Finanzierung und Investoren
Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.