Finanzierung

Technologiefonds des Bundes: CHF 3 Mio. Bürgschaft für Cleantech-Startups

14. Mai 20267 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Technologiefonds bürgt für Bankkredite an Schweizer Cleantech-KMU mit bis zu CHF 3 Mio. pro Unternehmen und max. 60% Deckungsquote.
  • Ende 2024 unterstützte der Fonds 143 Unternehmen mit 155 Bürgschaften und einem kumulierten Volumen von CHF 286 Mio.
  • Die Bürgschaftsgebühr beträgt 0,9% pro Jahr; das Bürgschaftskomitee verlangt eine quantifizierbare Treibhausgas-Wirkung.
  • Voraussetzung ist mindestens CHF 100'000 Umsatz mit der innovativen Technologie und ein kreditbereiter Bankpartner; reine Forschungsprojekte sind ausgeschlossen.
  • Das BAFU hat das operative Mandat von Emerald Technology Ventures im November 2025 bis 2030 verlängert.

Der Technologiefonds ist das wichtigste Bundes-Finanzierungsinstrument für Schweizer Cleantech-Startups in der Kommerzialisierungsphase. Er vergibt keine Zuschüsse, sondern bürgt für Bankkredite mit bis zu CHF 3 Mio. pro Unternehmen. Ende 2024 unterstützte er 143 Unternehmen mit einem kumulierten Bürgschaftsvolumen von CHF 286 Mio. (BAFU-Jahresbericht 2024).

Dieser Artikel erklärt die Förderkriterien, den Antragsprozess, die effektiven Kosten und welche Fehler den Antrag scheitern lassen.

Rechtsgrundlage und Trägerschaft

Der Technologiefonds basiert auf Art. 35 des CO2-Gesetzes. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) ist die rechtliche Trägerin. Die operative Geschäftsstelle wird seit 2014 von Emerald Technology Ventures AG (Zürich) geführt, South Pole AG ist Subunternehmerin. Das BAFU hat das Mandat im November 2025 bis 2030 verlängert.

Was der Technologiefonds genau leistet

Der Technologiefonds ist ein Bürgschaftsinstrument, kein Förderprogramm im klassischen Sinn. Das Startup arrangiert einen Kreditvertrag mit einer kreditbereiten Bank oder einem alternativen Finanzierer, der Fonds garantiert anschliessend gegenüber dem Kreditgeber einen Teil des Ausfallrisikos. Die Bank vergibt den Kredit und reduziert ihr Risiko über die Bundesgarantie.

Eckwerte des Instruments

PositionWert
Maximale BürgschaftCHF 3 Mio. pro Unternehmen
Minimale Bürgschaft (praktisch)Ab ca. CHF 500'000
DeckungsquoteMax. 60% des Kreditbetrags
LaufzeitBis 10 Jahre
Bürgschaftsgebühr0,9% pro Jahr auf den Bürgschaftsbetrag
EigenfinanzierungsquoteMin. 40% aus anderen Quellen
Mindestumsatz mit der TechnologieCHF 100'000

Quelle: technologiefonds.ch, Konditionen, Stand Mai 2026.

Was er nicht ist

  • Kein Zuschuss: Der Kredit ist voll zurückzuzahlen, samt Zinsen.
  • Kein Eigenkapitalersatz: 40% der Gesamtfinanzierung muss aus anderen Quellen stammen (Eigenkapital, Förderbeiträge, andere Darlehen).
  • Keine Kreditzusage: Der Fonds bürgt erst, wenn eine Bank den Kredit zugesagt hat. Wer keinen kreditbereiten Bankpartner findet, bekommt auch keine Bürgschaft.

Förderkriterien im Detail

Der Fonds finanziert vier Wirkungsbereiche, alle aus dem CO2-Gesetz abgeleitet:

  1. Reduktion von Treibhausgasen
  2. Effiziente Nutzung elektrischer Energie
  3. Förderung erneuerbarer Energien
  4. Schonung natürlicher Ressourcen

Quantifizierbarer Klima-Beitrag

Der wichtigste Filter im Antragsprozess: die Treibhausgas-Wirkung muss quantifiziert werden. Eine Lebenszyklusanalyse oder eine CO2-Berechnung gehört zur Antragsdokumentation. Aussagen wie "Wir sind irgendwie nachhaltig" reichen nicht. Geförderte Unternehmen sparten 2024 im Durchschnitt rund 14'000 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr; die kumulierte Wirkung des Programms wird vom BAFU auf 8,4 Mio. Tonnen seit 2015 geschätzt.

Schweizer Sitz und Schweizer Kreditgeber

Sowohl das Unternehmen als auch die kreditgebende Bank müssen ihren Sitz in der Schweiz haben. Auslandsbanken können nicht als bürgschaftsberechtigter Kreditgeber auftreten. Schweizer Tochtergesellschaften internationaler Bankgruppen sind zulässig.

Marktreife und Innovationsgrad

Der Fonds fördert ausdrücklich die Kommerzialisierungsphase, nicht die Forschung. Mindestens CHF 100'000 Umsatz mit der innovativen Technologie ist Voraussetzung. Wer noch im Prototyping ist, wird auf das Pilot- und Demonstrationsprogramm des Bundesamts für Energie verwiesen, das aber selbst von Sparmassnahmen betroffen ist (siehe unseren Bundesbudget-2026-Artikel).

Häufiger Antragsfehler

Viele Cleantech-Startups beantragen die Bürgschaft zu früh. Wer noch keine Verkäufe mit der Technologie generiert oder keinen Bankpartner gefunden hat, wird im Quickcheck abgewiesen. Sinnvoll ist die Antragstellung erst, wenn der Bankkredit grundsätzlich zugesagt ist und der Umsatz mit der innovativen Technologie nachweisbar über CHF 100'000 liegt.

Der Antragsprozess Schritt für Schritt

SchrittAktionDauerKosten
1Online-Quickcheck auf technologiefonds.chTageGratis
2Vorprüfung durch Geschäftsstelle2 bis 4 WochenGratis
3Hauptprüfung (Detailantrag)6 bis 10 WochenCHF 1'000
4Entscheid Bürgschaftskomitee, BAFU-Verfügung4 bis 6 WochenCHF 2'000 bei Zusage
5Vertragsabschluss mit Bank und Fonds2 bis 4 WochenGem. Bankkonditionen
TotalAntrag bis Auszahlungca. 4 bis 5 MonateCHF 3'000 plus Bankzins

Quelle: technologiefonds.ch, Verfahrensbeschrieb, Stand Mai 2026.

Erfolgsquoten

Etwa 60% der eingereichten Anträge bestehen die Vorprüfung. Von den verbleibenden Anträgen erhalten rund 80% einen positiven Bescheid. In Summe wird also rund die Hälfte aller Anträge bewilligt. Das ist deutlich höher als beim EIC Accelerator und liegt im Bereich der besten Innosuisse-Instrumente.

Wer prüft und entscheidet

  • Geschäftsstelle (Emerald Technology Ventures plus South Pole): Vorprüfung und inhaltliche Antragsbearbeitung.
  • Bürgschaftskomitee: Vertreter Bund und Privatwirtschaft, finaler Förderentscheid.
  • BAFU: Formelle Verfügung und Aufsicht über das Programm.

Effektive Kosten am Beispiel CHF 2 Mio. Bürgschaft

Angenommen, ein Schweizer Cleantech-Startup nimmt einen Bankkredit über CHF 3 Mio. auf, davon CHF 2 Mio. mit Technologiefonds-Bürgschaft (60% Deckung des Kredits passt).

PositionBetrag pro Jahr
Bürgschaftsgebühr (0,9% auf CHF 2 Mio.)CHF 18'000
Bankzins (geschätzt 5% auf CHF 3 Mio.)CHF 150'000
Total laufende KostenCHF 168'000
Vorprüfungsgebühr (einmalig)CHF 1'000
Bearbeitungsgebühr (einmalig)CHF 2'000

Der Bankzins ist die deutlich grössere Kostenkomponente. Wer den Bürgschaftsmechanismus nicht als "günstiges Geld vom Bund" missversteht, sondern als Risiko-Reduktion für die Bank, kalkuliert realistisch.

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Portfolio-Beispiele

Der Fonds publiziert seine vollständige Portfolio-Liste aus Vertraulichkeitsgründen nicht. Öffentlich kommuniziert wurden unter anderem:

  • Designwerk (Winterthur): E-Lkw-Hersteller, mehrfach erwähnt im BAFU-Jahresbericht.
  • Ecorobotix (Yverdon): Präzisionslandwirtschaft, Bürgschaft 2022.
  • Flux Mobility: E-Transporter, Bürgschaft 2024.
  • Modular AG: Webinar-Referenz Oktober 2025.
  • qipp AG: Real-Estate-Nachhaltigkeit.

Direct-Air-Capture-Unternehmen wie Climeworks werden in Drittquellen genannt; eine offizielle Bestätigung ist im Portfolio nicht namentlich publiziert.

Schadensfälle und Risikobereitschaft

Der Steuerungsausschuss akzeptiert eine Ausfallquote von 20 bis 30% als programmtypisch. Tatsächlich registrierte das BAFU 2024 26 Schadensfälle bei 23 Unternehmen, was rund 12% der Bürgschaften nach Anzahl und 10% nach Volumen entspricht. Das Programm ist also explizit auf marginale Fälle ausgelegt, nicht auf Mitnahmeeffekte für Unternehmen, die ohnehin Bankkredit erhalten würden.

Kombination mit anderen Förderinstrumenten

Andere FörderungKombinierbarkeitBemerkung
Innosuisse InnovationsprojektJaDeckt F&E vor der Kommerzialisierung; zeitliche Sequenz typisch
EIC AcceleratorJaBlended Finance auf EU-Ebene plus Schweizer Bürgschaft für Wachstumskredit
Bürgschaft für KMU (BG Mitte, BG Ost-Süd, CRC)Ja, aber meist auf anderen KredittranchenDoppelbürgschaft auf demselben Kredit unüblich
BFE Pilot- und DemonstrationsprogrammJa, sequenziellBFE deckt Pilotphase, Technologiefonds Kommerzialisierung
Innosuisse Swiss AcceleratorNicht relevant 2026Swiss Accelerator pausiert, siehe unseren Vergleich

Häufige Missverständnisse

"Das ist Bundesgeld, also unbürokratisch." Falsch. Der Fonds verlangt eine quantifizierbare GHG-Wirkung, einen Bankpartner, eine Eigenfinanzierungsquote von 40% und einen Cashflow-Plan, der die Tilgung über bis zu zehn Jahre trägt. Der Antragsaufwand entspricht einem Bankkreditgesuch plus einer Klimawirkungsanalyse.

"Wir bekommen 100% Deckung." Falsch. Die maximale Deckungsquote beträgt 60% des Kreditbetrags. Die Bank trägt 40% Risiko und prüft das Geschäftsmodell vollumfänglich.

"Verrechnungssteuer fällt an." Falsch. Da es sich um einen Bankkredit handelt und nicht um eine anleihenähnliche Struktur, greift die schweizerische Verrechnungssteuer auf Zinsen nicht (Bank-Privileg gemäss Verrechnungssteuerverordnung). Achtung allerdings bei Konstellationen mit mehr als zehn Gläubigern oder strukturierten Schuldverschreibungen.

"Wir können die Bürgschaft als Quasi-Eigenkapital ausweisen." Falsch. Die Bürgschaft ändert nichts an der Bilanzposition des Kredits. Es bleibt Fremdkapital.

Tilgung muss aus Cashflow kommen

Der Technologiefonds prüft im Antrag den dreijährigen Cashflow-Plan. Wer plant, die Rückzahlung über die nächste Finanzierungsrunde zu finanzieren, hat ein Problem: Bankkredite werden für operative Tilgung vergeben, nicht zur Brückenfinanzierung bis zur Series B.

Zeitliche Sequenz für ein typisches Cleantech-Startup

  1. Frühphase: Innosuisse Innovationsprojekt mit oder ohne Forschungspartner, dazu Venture Kick oder Stiftungs-Awards.
  2. Pilot: BFE Pilot- und Demonstrationsprogramm (Status 2026 prüfen, da Sparmassnahmen) oder kantonale Cleantech-Förderung.
  3. Markteintritt: Erste CHF 100'000 Umsatz, paralleles Anbahnen einer Bankfinanzierung.
  4. Kommerzialisierung: Technologiefonds-Bürgschaft plus Bankkredit plus Eigenkapital.
  5. Scale-up: EIC Accelerator für internationale Expansion.

Technologiefonds

Bundes-Bürgschaft für Cleantech-Bankkredite

Bürgschaft bis CHF 3 Mio., Gebühr 0,9% p.a.

Technologiefonds aufrufen

BAFU

Bundesamt für Umwelt, Programmaufsicht Technologiefonds

Informationen kostenlos

BAFU Technologiefonds aufrufen

Innosuisse

Innovationsförderung für die Phase vor dem Technologiefonds

Förderbeiträge bis CHF 500'000 pro Projekt

Innosuisse aufrufen

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Haeufige Fragen

Ist der Technologiefonds ein Zuschuss oder ein Kredit?
Weder noch. Der Technologiefonds ist eine Bürgschaft (Garantie) des Bundes für einen Bankkredit. Das Unternehmen muss zuerst (oder parallel) einen Kreditvertrag mit einer Schweizer Bank, einem Venture-Debt-Geber, einem Mezzanine-Investor oder Business-Angel-Investor abschliessen. Der Bund haftet danach gegenüber dem Kreditgeber für bis zu 60% des Kreditbetrags, maximal CHF 3 Mio. Das Startup zahlt den Kredit normal zurück, samt Bankzins und Bürgschaftsgebühr.
Welche Unternehmen können sich bewerben?
Schweizer KMU mit operativem Sitz in der Schweiz, die in der Kommerzialisierungsphase sind. Das Produkt muss bereits am Markt sein; mindestens CHF 100'000 Umsatz mit der innovativen Technologie ist Voraussetzung. Reine Forschungs- oder Pilotprojekte sind ausgeschlossen. Mindestens 40% der Gesamtinvestition müssen aus anderen Quellen finanziert sein.
Wie hoch sind die Kosten für das Startup?
Die Bürgschaftsgebühr beträgt 0,9% pro Jahr des Bürgschaftsbetrags. Hinzu kommt eine einmalige Vorprüfungsgebühr von CHF 1'000 und bei Zusage eine Bearbeitungsgebühr von CHF 2'000. Der Bankzins liegt typischerweise zwischen 3 und 6% pro Jahr, abhängig von Bonität und Sicherheiten. Bei einer Bürgschaft von CHF 2 Mio. entstehen also rund CHF 18'000 jährliche Bürgschaftsgebühr plus den Bankzins auf den Kredit.
Wie lange dauert der Antragsprozess?
Etwa vier bis fünf Monate vom Antrag bis zum Entscheid. Der Prozess umfasst einen Online-Quickcheck, eine Vorprüfung durch die Geschäftsstelle (Emerald Technology Ventures und South Pole), die Hauptprüfung sowie den Entscheid durch das Bürgschaftskomitee und das BAFU. Rund 60% der Anträge bestehen die Vorprüfung, davon erhalten rund 80% einen positiven Bescheid.
Kann der Technologiefonds mit Innosuisse, EIC oder Bürgschaften für KMU kombiniert werden?
Ja. Innosuisse vergibt Förderbeiträge für Forschung und Entwicklung; der Technologiefonds bürgt für Marktfinanzierung. Beide Programme adressieren unterschiedliche Phasen und sind grundsätzlich kompatibel. Eine Kombination mit Bürgschaften für KMU der regionalen Bürgschaftsgenossenschaften ist möglich, betrifft in der Praxis aber unterschiedliche Kredittranchen. EIC Accelerator (Grant plus Equity) und Technologiefonds (Kreditbürgschaft) können nebeneinander laufen.
Welche Cleantech-Unternehmen wurden bisher unterstützt?
Die Bandbreite reicht von Direct-Air-Capture-Spezialisten über Elektromobilitäts-Hersteller bis zu Präzisionslandwirtschaft. Öffentlich kommunizierte Portfolio-Unternehmen sind unter anderem Designwerk (E-Trucks), Ecorobotix (Precision Agriculture), Flux Mobility (E-Transporter), Modular AG und qipp AG. Eine vollständige Liste publiziert der Fonds aus Vertraulichkeitsgründen nicht.
Michael Bauer

Michael Bauer

Startup-Finanzierung und Investoren

Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.