Finanzierung
Swiss Accelerator vs. EIC Accelerator: Warum Innosuisse 2026 keinen Call fährt
Das Wichtigste in Kürze
- Innosuisse hat 2026 keine neue Ausschreibung für den Swiss Accelerator publiziert; das Instrument ruht seit der vollen Horizon-Europe-Assoziierung am 1. Januar 2025.
- Der Swiss Accelerator vergab 2022 und 2023 zusammen über CHF 172 Mio. an 86 Schweizer Late-Stage-Deep-Tech-Unternehmen.
- Der EIC Accelerator bietet bis EUR 2,5 Mio. Grant plus bis EUR 10 Mio. Equity; Innosuisse verweist Antragstellende explizit dorthin.
- Der Swiss Accelerator hatte 2022 eine Erfolgsquote von rund 7 Prozent; beim EIC liegt die Step-2-Quote im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
- Falls die Horizon-Europe-Assoziierung politisch scheitert, könnte der Bund den Swiss Accelerator als Notmassnahme reaktivieren; eine Rechtsgrundlage besteht weiterhin.
Innosuisse hat 2026 keine neue Ausschreibung für den Swiss Accelerator publiziert. Das Förderinstrument, das 2022 als Übergangsmassnahme während des Schweizer Ausschlusses aus Horizon Europe lanciert wurde, ruht seit der vollen Wiederassoziierung am 1. Januar 2025. Bundesrat und Innosuisse verweisen Late-Stage-Deep-Tech-Startups stattdessen direkt auf den EIC Accelerator der Europäischen Innovationsagentur.
Dieser Artikel erklärt, was der Swiss Accelerator leistete, wie er sich vom EIC Accelerator unterscheidet, warum die Pausierung politisch konsequent ist und welche nationalen Instrumente 2026 für vergleichbare Vorhaben zur Verfügung stehen.
Stand Mai 2026
Innosuisse schreibt auf der Programmseite zum Swiss Accelerator wörtlich: "Derzeit ist keine Projektausschreibung für den Swiss Accelerator geplant." Eine Re-Aktivierung ist möglich, sollte die Horizon-Europe-Assoziierung scheitern, aktuell aber nicht vorgesehen.
Was der Swiss Accelerator war
Der Bundesrat lancierte den Swiss Accelerator im April 2022 als nationale Antwort auf den Ausschluss der Schweiz von zentralen Teilen des Rahmenprogramms Horizon Europe. Ziel war es, Schweizer KMU und Startups mit ausgereiften Innovationen den Zugang zu vergleichbaren Mitteln zu sichern, wie ihn EU-Konkurrenten über den EIC Accelerator hatten.
Die Rahmenparameter des Programms blieben über beide Ausschreibungsrunden konstant:
- Maximale Fördersumme von CHF 2,5 Mio. pro Gesuch
- Förderquote von 70% der anrechenbaren Projektkosten, 30% Eigenleistung
- Typische Laufzeit von zwei Jahren
- Einzelne Antragstellende; Konsortien waren ausgeschlossen
- Antragstellung in Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch
Adressaten waren in der Schweiz domizilierte Unternehmen mit weniger als 250 Vollzeitstellen, die bereits am Markt etabliert waren. Vor-Markt-Startups und reine Forschungsprojekte fielen ausdrücklich nicht in den Förderbereich.
Ergebnisse der beiden Calls 2022 und 2023
| Kennzahl | Call 2022 | Call 2023 |
|---|---|---|
| Kurzgesuche | 752 | 373 |
| Vollgesuche | 128 | k. A. |
| Pitches | 64 | k. A. |
| Bewilligte Projekte | 53 | 33 |
| Fördervolumen | CHF 112 Mio. | CHF 60,4 Mio. |
| Erfolgsquote ab Kurzgesuch | ~7% | ~9% |
Quelle: Innosuisse-Communiqués vom August 2022 und Februar 2024. Die zwei Calls vergaben zusammen über CHF 172 Mio. an 86 Schweizer Late-Stage-Deep-Tech-Unternehmen.
Warum 2026 keine Ausschreibung läuft
Die Schweiz ist seit dem 1. Januar 2025 rückwirkend wieder an Horizon Europe assoziiert; das EU-Programm-Abkommen wurde am 10. November 2025 in Bern von Bundesrat Guy Parmelin und EU-Kommissarin Ekaterina Zaharieva unterzeichnet. Schweizer Unternehmen können seither vollumfänglich als Begünstigte am EIC Accelerator teilnehmen, ohne dass der Bund einen Backup-Mechanismus über das SBFI aktivieren muss.
Damit fällt die Existenzberechtigung des Swiss Accelerators weg. Eine parallele nationale Ausschreibung mit derselben Zielgruppe würde Mittel von schlankeren Innosuisse-Instrumenten abziehen, ohne EU-konformen Mehrwert zu schaffen. Im Kontext des Entlastungspakets 27, das den Bundesbeitrag an Innosuisse mittelfristig kürzt, ist die Pausierung haushaltspolitisch zwingend.
Pausiert ist nicht abgeschafft
Die Innosuisse-Verordnung sieht den Swiss Accelerator weiterhin als zulässiges Förderinstrument vor. Sollte die Horizon-Europe-Assoziierung an einer Volksabstimmung scheitern oder von der EU einseitig ausgesetzt werden, kann Innosuisse das Instrument relativ rasch reaktivieren. Eine politische Reserve, aber kein realistisches Szenario für 2026.
EIC Accelerator: Struktur und Unterschiede
Der EIC Accelerator ist das Pendant des Swiss Accelerators auf EU-Ebene, mit deutlich grösserem Budget und einer Equity-Komponente.
Direkter Vergleich der Eckwerte
| Merkmal | Swiss Accelerator (2022/23) | EIC Accelerator 2026 |
|---|---|---|
| Maximaler Zuschuss | CHF 2,5 Mio. | EUR 2,5 Mio. |
| Equity-Komponente | Keine | Bis EUR 10 Mio. via EIC Fund |
| Förderquote auf F&E-Kosten | 70% | Bis 70% |
| Eigenleistung | 30% | 30% |
| Sprache | DE, FR, IT, EN | Englisch |
| Antragstellende | Einzelunternehmen | Einzelunternehmen (KMU) |
| Typische Laufzeit Projekt | 24 Monate | 24 bis 36 Monate |
| Cut-offs pro Jahr | 1 Hauptrunde | 6 Step-2-Cut-offs |
| Erfolgsquote | ~7% (2022) | Niedrige einstellige Prozentwerte |
| Entscheidungsgremium | Innosuisse Innovation Council | EIC Jury (Brüssel, international) |
Der zentrale Unterschied: Der Swiss Accelerator vergab reine Zuschüsse. Der EIC Accelerator kombiniert Grant und Equity (Blended Finance), wobei die Equity-Komponente vom EIC Fund unter Verwaltung von Alter Domus Management Company in Luxemburg gehalten wird. Wer keine EU-Beteiligung am Eigenkapital wünscht, muss das in der Antragsstrategie explizit machen, andernfalls verliert er beim "Equity-only"-Modell den interessanteren Grant-Anteil.
Was das für Schweizer Startups operativ bedeutet
- Höheres Sprachniveau: Der EIC verlangt englischsprachige Anträge, Pitch-Videos und Interviews. Native-level-Coaching ist faktisch Pflicht.
- Härtere Selektion: Die Erfolgsquote über alle drei Stufen lag in den letzten Cut-offs bei unter fünf Prozent. Wer beim Swiss Accelerator durchgekommen ist, hat damit keine Garantie für den EIC.
- Längere Equity-Due-Diligence: Vom Interview-Erfolg bis zum tatsächlichen Eingang der Equity-Tranche vergehen 12 bis 18 Monate; nationale Co-Investoren müssen das überbrücken.
- Sechs statt einer Einreichungsrunde: Schweizer Startups können 2026 sechsmal Vollanträge platzieren statt einmal pro Jahr.
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Was Innosuisse 2026 alternativ anbietet
Für Schweizer Startups, deren Profil nicht zum EIC passt, deckt Innosuisse weiterhin einen Grossteil der Phasen ab, allerdings mit kleineren Tickets:
Innovationsprojekte ohne Umsetzungspartner
Das 2023 eingeführte Instrument finanziert Schweizer Startups direkt, ohne dass ein Forschungspartner involviert sein muss. Es deckt bis zu 70% der Projektkosten und richtet sich an Innovationen mit klarem Marktpfad. Vier Bewertungsrunden pro Jahr.
Innovationsprojekte mit Umsetzungspartner
Das klassische Hauptinstrument von Innosuisse. Förderbeitrag fliesst an den akkreditierten Forschungspartner (Hochschule oder Forschungsinstitut), das Unternehmen erbringt mindestens 40% Eigenleistung. Detaillierte Erklärung in unserem Innosuisse-Ratgeber.
Start-up Coaching
| Stufe | Maximalbetrag | Phase |
|---|---|---|
| Initial Coaching | CHF 10'000 | Idee bis Frühphase |
| Core Coaching | CHF 50'000 | Frühphase bis Validierung |
| Scale-up Coaching | CHF 75'000 | Skalierung |
Quelle: Innosuisse-Programmseiten Start-up Coaching, Stand Mai 2026.
Innovationsmentoring
Gutschrift von bis zu CHF 6'000 (entsprechend rund 30 Stunden) für die Strukturierung einer Projektidee und die Suche nach einem geeigneten Forschungspartner. Sinnvoll als Vorstufe zu einem Innovationsprojekt.
BRIDGE Proof of Concept
Gemeinsames Programm von Innosuisse und Schweizerischem Nationalfonds (SNF). Bis CHF 130'000 über zwölf Monate für junge Forschende, deren Ergebnisse direkten Anwendungsbezug haben. Nicht zu verwechseln mit BRIDGE Discovery, das für etablierte Forschende mit deutlich grösseren Beträgen offen ist.
Häufiger Irrtum
In Medienberichten taucht gelegentlich ein "BRIDGE Proof of Scale" auf. Diese Bezeichnung findet sich in den offiziellen Programmunterlagen 2026 nicht. Die zwei aktiven BRIDGE-Linien sind Proof of Concept (Innosuisse-Anteil) und Discovery (SNF-lastig).
Entscheidungshilfe für 2026
Welche Förderung passt zu welchem Profil? Eine pragmatische Heuristik:
| Profil | Empfehlung 2026 |
|---|---|
| Deep-Tech-Scale-up, TRL 6 bis 8, internationaler Markt, > CHF 5 Mio. Kapitalbedarf | EIC Accelerator (Blended Finance) |
| Deep-Tech-Scale-up, EU-Equity unerwünscht | EIC Accelerator Grant-only oder Innovationsprojekt ohne Umsetzungspartner plus Schweizer Equity-Runde |
| F&E-intensive Innovation mit Hochschulpartner | Innosuisse Innovationsprojekt mit Umsetzungspartner |
| Startup-Idee in Validierungsphase | Innosuisse Innovationsprojekt ohne Umsetzungspartner plus Core Coaching |
| Forschende mit anwendungsnaher Idee | BRIDGE Proof of Concept |
| Vorbereitung eines grösseren Antrags | Innovationsmentoring vor dem Vollantrag |
Verbindungen zu anderen Förderlinien
Der EIC Accelerator ist mit nationalen Innosuisse-Instrumenten kombinierbar, sofern keine Doppelfinanzierung derselben Arbeitspakete vorliegt. In der Praxis sind drei Stacking-Muster typisch:
- EIC Accelerator plus Bürgschaft für KMU: Die Bürgschaftsgenossenschaften (BG Mitte, BG Ost-Süd, Cautionnement Romand) bürgen für bankfinanzierte Working-Capital-Tranchen, während EIC Forschung und Markteintritt deckt.
- EIC Accelerator plus Technologiefonds: Für Cleantech-Startups, deren Bankkredit vom Bundes-Technologiefonds bis CHF 3 Mio. besichert wird.
- EIC Step 1 Ablehnung plus Innovationsmentoring: Ablehnungen im Kurzantrag können mit Innovationsmentoring strukturell aufgearbeitet werden, bevor ein neuer EIC-Versuch oder ein Innosuisse-Innovationsprojekt angesetzt wird.
Innosuisse Innovationsmentoring
Gutschrift bis CHF 6'000 für Antrags-Coaching
Bis CHF 6'000, max. 30 Stunden
EIC Accelerator
EU-Förderung für Deep-Tech-Scale-ups
Bis EUR 2,5 Mio. Grant + EUR 10 Mio. Equity
Euresearch
Schweizer Beratungsstelle für EU-Forschungsprogramme
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Haeufige Fragen
Was ist der Innosuisse Swiss Accelerator und wer konnte sich bewerben?
Warum fährt Innosuisse 2026 keinen Swiss Accelerator Call?
Wie unterscheiden sich Swiss Accelerator und EIC Accelerator finanziell?
Welche Innosuisse-Instrumente sind 2026 für Late-Stage-Deep-Tech-Startups verfügbar?
Kann der Swiss Accelerator nochmals reaktiviert werden?
Wo reiche ich 2026 als Schweizer Deep-Tech-Startup einen EIC Accelerator Antrag ein?
Michael Bauer
Startup-Finanzierung und Investoren
Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.