Finanzierung

Swiss Accelerator vs. EIC Accelerator: Warum Innosuisse 2026 keinen Call fährt

14. Mai 20267 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Innosuisse hat 2026 keine neue Ausschreibung für den Swiss Accelerator publiziert; das Instrument ruht seit der vollen Horizon-Europe-Assoziierung am 1. Januar 2025.
  • Der Swiss Accelerator vergab 2022 und 2023 zusammen über CHF 172 Mio. an 86 Schweizer Late-Stage-Deep-Tech-Unternehmen.
  • Der EIC Accelerator bietet bis EUR 2,5 Mio. Grant plus bis EUR 10 Mio. Equity; Innosuisse verweist Antragstellende explizit dorthin.
  • Der Swiss Accelerator hatte 2022 eine Erfolgsquote von rund 7 Prozent; beim EIC liegt die Step-2-Quote im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
  • Falls die Horizon-Europe-Assoziierung politisch scheitert, könnte der Bund den Swiss Accelerator als Notmassnahme reaktivieren; eine Rechtsgrundlage besteht weiterhin.

Innosuisse hat 2026 keine neue Ausschreibung für den Swiss Accelerator publiziert. Das Förderinstrument, das 2022 als Übergangsmassnahme während des Schweizer Ausschlusses aus Horizon Europe lanciert wurde, ruht seit der vollen Wiederassoziierung am 1. Januar 2025. Bundesrat und Innosuisse verweisen Late-Stage-Deep-Tech-Startups stattdessen direkt auf den EIC Accelerator der Europäischen Innovationsagentur.

Dieser Artikel erklärt, was der Swiss Accelerator leistete, wie er sich vom EIC Accelerator unterscheidet, warum die Pausierung politisch konsequent ist und welche nationalen Instrumente 2026 für vergleichbare Vorhaben zur Verfügung stehen.

Stand Mai 2026

Innosuisse schreibt auf der Programmseite zum Swiss Accelerator wörtlich: "Derzeit ist keine Projektausschreibung für den Swiss Accelerator geplant." Eine Re-Aktivierung ist möglich, sollte die Horizon-Europe-Assoziierung scheitern, aktuell aber nicht vorgesehen.

Was der Swiss Accelerator war

Der Bundesrat lancierte den Swiss Accelerator im April 2022 als nationale Antwort auf den Ausschluss der Schweiz von zentralen Teilen des Rahmenprogramms Horizon Europe. Ziel war es, Schweizer KMU und Startups mit ausgereiften Innovationen den Zugang zu vergleichbaren Mitteln zu sichern, wie ihn EU-Konkurrenten über den EIC Accelerator hatten.

Die Rahmenparameter des Programms blieben über beide Ausschreibungsrunden konstant:

  • Maximale Fördersumme von CHF 2,5 Mio. pro Gesuch
  • Förderquote von 70% der anrechenbaren Projektkosten, 30% Eigenleistung
  • Typische Laufzeit von zwei Jahren
  • Einzelne Antragstellende; Konsortien waren ausgeschlossen
  • Antragstellung in Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch

Adressaten waren in der Schweiz domizilierte Unternehmen mit weniger als 250 Vollzeitstellen, die bereits am Markt etabliert waren. Vor-Markt-Startups und reine Forschungsprojekte fielen ausdrücklich nicht in den Förderbereich.

Ergebnisse der beiden Calls 2022 und 2023

KennzahlCall 2022Call 2023
Kurzgesuche752373
Vollgesuche128k. A.
Pitches64k. A.
Bewilligte Projekte5333
FördervolumenCHF 112 Mio.CHF 60,4 Mio.
Erfolgsquote ab Kurzgesuch~7%~9%

Quelle: Innosuisse-Communiqués vom August 2022 und Februar 2024. Die zwei Calls vergaben zusammen über CHF 172 Mio. an 86 Schweizer Late-Stage-Deep-Tech-Unternehmen.

Warum 2026 keine Ausschreibung läuft

Die Schweiz ist seit dem 1. Januar 2025 rückwirkend wieder an Horizon Europe assoziiert; das EU-Programm-Abkommen wurde am 10. November 2025 in Bern von Bundesrat Guy Parmelin und EU-Kommissarin Ekaterina Zaharieva unterzeichnet. Schweizer Unternehmen können seither vollumfänglich als Begünstigte am EIC Accelerator teilnehmen, ohne dass der Bund einen Backup-Mechanismus über das SBFI aktivieren muss.

Damit fällt die Existenzberechtigung des Swiss Accelerators weg. Eine parallele nationale Ausschreibung mit derselben Zielgruppe würde Mittel von schlankeren Innosuisse-Instrumenten abziehen, ohne EU-konformen Mehrwert zu schaffen. Im Kontext des Entlastungspakets 27, das den Bundesbeitrag an Innosuisse mittelfristig kürzt, ist die Pausierung haushaltspolitisch zwingend.

Pausiert ist nicht abgeschafft

Die Innosuisse-Verordnung sieht den Swiss Accelerator weiterhin als zulässiges Förderinstrument vor. Sollte die Horizon-Europe-Assoziierung an einer Volksabstimmung scheitern oder von der EU einseitig ausgesetzt werden, kann Innosuisse das Instrument relativ rasch reaktivieren. Eine politische Reserve, aber kein realistisches Szenario für 2026.

EIC Accelerator: Struktur und Unterschiede

Der EIC Accelerator ist das Pendant des Swiss Accelerators auf EU-Ebene, mit deutlich grösserem Budget und einer Equity-Komponente.

Direkter Vergleich der Eckwerte

MerkmalSwiss Accelerator (2022/23)EIC Accelerator 2026
Maximaler ZuschussCHF 2,5 Mio.EUR 2,5 Mio.
Equity-KomponenteKeineBis EUR 10 Mio. via EIC Fund
Förderquote auf F&E-Kosten70%Bis 70%
Eigenleistung30%30%
SpracheDE, FR, IT, ENEnglisch
AntragstellendeEinzelunternehmenEinzelunternehmen (KMU)
Typische Laufzeit Projekt24 Monate24 bis 36 Monate
Cut-offs pro Jahr1 Hauptrunde6 Step-2-Cut-offs
Erfolgsquote~7% (2022)Niedrige einstellige Prozentwerte
EntscheidungsgremiumInnosuisse Innovation CouncilEIC Jury (Brüssel, international)

Der zentrale Unterschied: Der Swiss Accelerator vergab reine Zuschüsse. Der EIC Accelerator kombiniert Grant und Equity (Blended Finance), wobei die Equity-Komponente vom EIC Fund unter Verwaltung von Alter Domus Management Company in Luxemburg gehalten wird. Wer keine EU-Beteiligung am Eigenkapital wünscht, muss das in der Antragsstrategie explizit machen, andernfalls verliert er beim "Equity-only"-Modell den interessanteren Grant-Anteil.

Was das für Schweizer Startups operativ bedeutet

  • Höheres Sprachniveau: Der EIC verlangt englischsprachige Anträge, Pitch-Videos und Interviews. Native-level-Coaching ist faktisch Pflicht.
  • Härtere Selektion: Die Erfolgsquote über alle drei Stufen lag in den letzten Cut-offs bei unter fünf Prozent. Wer beim Swiss Accelerator durchgekommen ist, hat damit keine Garantie für den EIC.
  • Längere Equity-Due-Diligence: Vom Interview-Erfolg bis zum tatsächlichen Eingang der Equity-Tranche vergehen 12 bis 18 Monate; nationale Co-Investoren müssen das überbrücken.
  • Sechs statt einer Einreichungsrunde: Schweizer Startups können 2026 sechsmal Vollanträge platzieren statt einmal pro Jahr.

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Was Innosuisse 2026 alternativ anbietet

Für Schweizer Startups, deren Profil nicht zum EIC passt, deckt Innosuisse weiterhin einen Grossteil der Phasen ab, allerdings mit kleineren Tickets:

Innovationsprojekte ohne Umsetzungspartner

Das 2023 eingeführte Instrument finanziert Schweizer Startups direkt, ohne dass ein Forschungspartner involviert sein muss. Es deckt bis zu 70% der Projektkosten und richtet sich an Innovationen mit klarem Marktpfad. Vier Bewertungsrunden pro Jahr.

Innovationsprojekte mit Umsetzungspartner

Das klassische Hauptinstrument von Innosuisse. Förderbeitrag fliesst an den akkreditierten Forschungspartner (Hochschule oder Forschungsinstitut), das Unternehmen erbringt mindestens 40% Eigenleistung. Detaillierte Erklärung in unserem Innosuisse-Ratgeber.

Start-up Coaching

StufeMaximalbetragPhase
Initial CoachingCHF 10'000Idee bis Frühphase
Core CoachingCHF 50'000Frühphase bis Validierung
Scale-up CoachingCHF 75'000Skalierung

Quelle: Innosuisse-Programmseiten Start-up Coaching, Stand Mai 2026.

Innovationsmentoring

Gutschrift von bis zu CHF 6'000 (entsprechend rund 30 Stunden) für die Strukturierung einer Projektidee und die Suche nach einem geeigneten Forschungspartner. Sinnvoll als Vorstufe zu einem Innovationsprojekt.

BRIDGE Proof of Concept

Gemeinsames Programm von Innosuisse und Schweizerischem Nationalfonds (SNF). Bis CHF 130'000 über zwölf Monate für junge Forschende, deren Ergebnisse direkten Anwendungsbezug haben. Nicht zu verwechseln mit BRIDGE Discovery, das für etablierte Forschende mit deutlich grösseren Beträgen offen ist.

Häufiger Irrtum

In Medienberichten taucht gelegentlich ein "BRIDGE Proof of Scale" auf. Diese Bezeichnung findet sich in den offiziellen Programmunterlagen 2026 nicht. Die zwei aktiven BRIDGE-Linien sind Proof of Concept (Innosuisse-Anteil) und Discovery (SNF-lastig).

Entscheidungshilfe für 2026

Welche Förderung passt zu welchem Profil? Eine pragmatische Heuristik:

ProfilEmpfehlung 2026
Deep-Tech-Scale-up, TRL 6 bis 8, internationaler Markt, > CHF 5 Mio. KapitalbedarfEIC Accelerator (Blended Finance)
Deep-Tech-Scale-up, EU-Equity unerwünschtEIC Accelerator Grant-only oder Innovationsprojekt ohne Umsetzungspartner plus Schweizer Equity-Runde
F&E-intensive Innovation mit HochschulpartnerInnosuisse Innovationsprojekt mit Umsetzungspartner
Startup-Idee in ValidierungsphaseInnosuisse Innovationsprojekt ohne Umsetzungspartner plus Core Coaching
Forschende mit anwendungsnaher IdeeBRIDGE Proof of Concept
Vorbereitung eines grösseren AntragsInnovationsmentoring vor dem Vollantrag

Verbindungen zu anderen Förderlinien

Der EIC Accelerator ist mit nationalen Innosuisse-Instrumenten kombinierbar, sofern keine Doppelfinanzierung derselben Arbeitspakete vorliegt. In der Praxis sind drei Stacking-Muster typisch:

  • EIC Accelerator plus Bürgschaft für KMU: Die Bürgschaftsgenossenschaften (BG Mitte, BG Ost-Süd, Cautionnement Romand) bürgen für bankfinanzierte Working-Capital-Tranchen, während EIC Forschung und Markteintritt deckt.
  • EIC Accelerator plus Technologiefonds: Für Cleantech-Startups, deren Bankkredit vom Bundes-Technologiefonds bis CHF 3 Mio. besichert wird.
  • EIC Step 1 Ablehnung plus Innovationsmentoring: Ablehnungen im Kurzantrag können mit Innovationsmentoring strukturell aufgearbeitet werden, bevor ein neuer EIC-Versuch oder ein Innosuisse-Innovationsprojekt angesetzt wird.

Innosuisse Innovationsmentoring

Gutschrift bis CHF 6'000 für Antrags-Coaching

Bis CHF 6'000, max. 30 Stunden

Innosuisse Innovationsmentoring aufrufen

EIC Accelerator

EU-Förderung für Deep-Tech-Scale-ups

Bis EUR 2,5 Mio. Grant + EUR 10 Mio. Equity

EIC Accelerator aufrufen

Euresearch

Schweizer Beratungsstelle für EU-Forschungsprogramme

Kostenlos für Schweizer Antragstellende

Euresearch aufrufen

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Haeufige Fragen

Was ist der Innosuisse Swiss Accelerator und wer konnte sich bewerben?
Der Swiss Accelerator war eine 2022 lancierte Übergangsmassnahme von Innosuisse, weil die Schweiz im Rahmenprogramm Horizon Europe als nicht-assoziierter Drittstaat keinen Zugang zum EIC Accelerator hatte. Bewerben konnten sich Schweizer KMU und Startups mit weniger als 250 Vollzeitstellen, die bereits am Markt etabliert waren. Konsortien und Vor-Markt-Startups waren ausgeschlossen.
Warum fährt Innosuisse 2026 keinen Swiss Accelerator Call?
Die Schweiz ist rückwirkend zum 1. Januar 2025 wieder voll an Horizon Europe assoziiert; Schweizer Unternehmen können seither vollumfänglich am EIC Accelerator teilnehmen. Damit entfällt die Hauptbegründung für eine nationale Parallelmassnahme. Innosuisse kommuniziert auf der Programmseite explizit, dass aktuell keine Projektausschreibung geplant ist.
Wie unterscheiden sich Swiss Accelerator und EIC Accelerator finanziell?
Der Swiss Accelerator vergab maximal CHF 2,5 Mio. als reine Förderung (70% der Projektkosten, 30% Eigenleistung). Der EIC Accelerator bietet eine Grant-Komponente bis EUR 2,5 Mio. plus eine optionale Equity-Komponente bis EUR 10 Mio. (Blended Finance). Wer kein EU-Equity möchte, hat 2026 auf Bundesebene kein direktes Pendant zum reinen Grant-Modell des Swiss Accelerators.
Welche Innosuisse-Instrumente sind 2026 für Late-Stage-Deep-Tech-Startups verfügbar?
Innovationsprojekte mit oder ohne Umsetzungspartner, Start-up Coaching (Initial bis CHF 10'000, Core bis CHF 50'000, Scale-up bis CHF 75'000), Innovationsmentoring (Gutschrift bis CHF 6'000) und BRIDGE Proof of Concept (max. CHF 130'000 über 12 Monate). Keines dieser Instrumente erreicht die Grössenordnung des Swiss Accelerators.
Kann der Swiss Accelerator nochmals reaktiviert werden?
Ja. Die Rechtsgrundlage über die Innosuisse-Verordnung besteht weiter, das Instrument ist nur ausgesetzt. Eine Re-Lancierung wäre vor allem dann wahrscheinlich, wenn das Schweizer EU-Programm-Abkommen scheitern oder rückwirkend ausgesetzt würde. Für 2026 plant der Bund das nicht.
Wo reiche ich 2026 als Schweizer Deep-Tech-Startup einen EIC Accelerator Antrag ein?
Über das EU Funding & Tenders Portal der Europäischen Kommission. Die Cut-off-Daten für die Vollanträge 2026 sind 7. Januar, 4. März, 6. Mai, 8. Juli, 2. September und 4. November. Der Kurzantrag (Step 1) kann jederzeit eingereicht werden und wird monatlich gebatcht. Euresearch und Venturelab unterstützen Schweizer Antragstellende kostenlos.
Michael Bauer

Michael Bauer

Startup-Finanzierung und Investoren

Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.