Finanzierung

Bundesbudget 2026 und Innovationsförderung: Welche Programme der Sparwelle weichen

14. Mai 20267 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Entlastungspaket 27 sieht jährliche Kürzungen im Bildungs-, Forschungs- und Innovationsbereich von über CHF 460 Mio. vor; die scharfen Schnitte greifen ab 2027/2028.
  • Der SNF Spark ist mindestens bis Ende 2027 ausgesetzt, SPIRIT bis Ende 2028; Project Funding bewilligt weniger Gesuche.
  • Innosuisse verliert nach ursprünglich CHF 30 Mio. (10%) im parlamentarischen Verlauf rund 5% pro Jahr; etwa 60 Innovationsprojekte werden jährlich nicht mehr finanziert.
  • Das BFE Pilot- und Demonstrationsprogramm vergibt seit 2025 keine neuen Beiträge; das Programm wird ab 2027, allenfalls schon 2026, aufgehoben.
  • Das BFI-Budget 2026 wächst nominell um CHF 667 Mio., getrieben durch den Horizon-Europe-Pflichtbeitrag von CHF 611 Mio.; die Kürzungen treffen die nationalen Förderlinien.

Das Schweizer Bundesbudget 2026 zeigt ein paradoxes Bild der Innovationsförderung. Nominell wächst der Bildungs-, Forschungs- und Innovations-Bereich (BFI) um CHF 667 Mio., getrieben durch den Horizon-Europe-Pflichtbeitrag von CHF 611 Mio. Gleichzeitig hat der Bundesrat im Entlastungspaket 27 jährliche BFI-Kürzungen von über CHF 460 Mio. ab 2027 vorgesehen, mit antizipierenden Massnahmen bereits 2026.

Dieser Artikel zeigt, welche Förderinstrumente konkret betroffen sind, welche Beträge gestrichen werden und welche strategischen Konsequenzen Schweizer Startups daraus ziehen sollten.

Zwei separate Vorgänge nicht verwechseln

Das Budget 2026 (vom Parlament in der Wintersession 2025 verabschiedet) enthält die grossen Kürzungen noch nicht. Diese stecken im Entlastungspaket 27, das ein separater Sparbeschluss ist und die Bildungs-, Forschungs- und Innovations-Botschaft 2025 bis 2028 nachträglich beschneidet. 2026 ist Übergangsjahr mit ersten antizipierenden Massnahmen.

Worum es geht: Entlastungspaket 27 in Zahlen

Der Bundesrat eröffnete am 29. Januar 2025 die Vernehmlassung zum Entlastungspaket 27. Im BFI-Bereich summieren sich die geplanten Kürzungen auf über CHF 460 Mio. pro Jahr. Hauptbetroffene:

EmpfängerGeplante Kürzung pro JahrStatus der parlamentarischen Beratung
Schweizerischer Nationalfonds (SNF)10% (2027), 11% (2028)Vom SNF antizipiert, mehrere Instrumente bereits ausgesetzt
InnosuisseUrsprünglich CHF 30 Mio. (10%), reduziert auf ca. 5%Finale Höhe Frühjahrssession 2026
ETH-BereichCHF 78 Mio. ab 2027 (3% des Bundesbeitrags)Zusätzlich zu CHF 100 Mio. Selbstbeitrag ab 2026
BFE Pilot- und DemonstrationsprogrammVollständige AufhebungKeine neuen Gesuche seit 2025

Quellen: SNF Faktenblatt Sparmassnahmen, Innosuisse-Communiqué, ETH-Rat Budgetbericht 2026, BAFU/BFE-Communiqués. Stand Mai 2026.

SNF: Spark pausiert, SPIRIT eingestellt, weniger Project Funding

Der Schweizerische Nationalfonds hat im Vorgriff auf die zu erwartenden Kürzungen die Förderung umfassend angepasst. Beschlossen für 2026:

Ausgesetzte Instrumente

  • Spark (unkonventionelle, risikoreiche Ideen): mindestens bis Ende 2027 keine Calls. Spark war für Startup-nahe Forschende interessant, weil die Beträge bis CHF 100'000 mit minimaler Begründungslast vergeben wurden.
  • SPIRIT (Schweizer Programme für internationale Forschungs- und Innovationszusammenarbeit): keine Calls bis Ende 2028.
  • Implementation Networks: nach der Pilotphase nicht fortgeführt.

Reduzierte Instrumente

  • Project Funding und Career Funding: deutlich tieferer Bewilligungsanteil. Der SNF spricht von rund 700 wissenschaftlich exzellenten Projekten, die abgewiesen werden müssen, und rund 2'000 Nachwuchsstellen, die entfallen.
  • Europäische Partnerschaften: Budget um 25% gekürzt.
  • COST (European Cooperation in Science and Technology): keine neuen SNF-Calls; die Teilnahme an internationalen COST-Aktionen läuft weiter.

Der SNF beziffert die Gesamtkürzung mit CHF 270 Mio. (Faktenblatt vom Februar 2025) und kritisiert sie öffentlich.

Was Startups das praktisch sagt

Für Hochschul-Spin-offs, die bisher Spark als Sprungbrett nutzten, fällt diese Option 2026 und 2027 weg. Innosuisse Innovationsmentoring und Venture Kick werden zur naheliegenden Alternative; beide haben aber kleinere Tickets und striktere Marktreife-Kriterien.

Innosuisse: Kürzung im Parlament gemildert, aber nicht verhindert

Der ursprüngliche Bundesratsvorschlag sah bei Innosuisse eine Kürzung des Bundesbeitrags um mehr als CHF 30 Mio. pro Jahr vor, was rund 10% entspricht. In der parlamentarischen Beratung 2025 reduzierte der Ständerat den Schnitt auf rund 5%. Die Schlussabstimmung folgt in der Frühjahrssession 2026.

Operative Folgen

Selbst bei der reduzierten Kürzung rechnet Innosuisse damit, dass jährlich über 60 wissenschaftsbasierte Innovationsprojekte nicht mehr finanziert werden können. Im parlamentarischen Verlauf wurde zudem ein Teil der FIFG-Revisions-Agilisierungen zurückgenommen, was die Flexibilität bei Start-up- und Innovationsprojekten teilweise wieder einschränkt.

Was 2026 funktioniert

Anträge bei Innovationsprojekten mit oder ohne Umsetzungspartner, Start-up Coaching und Innovationsmentoring werden weiterhin bearbeitet. Die Erfolgsquote dürfte jedoch um 3 bis 5 Prozentpunkte sinken; die Ausarbeitung muss entsprechend gründlicher sein. Konkrete Empfehlungen für den Antrag finden Sie in unserem Innosuisse-Ratgeber.

BFE Pilot- und Demonstrationsprogramm: faktisch eingefroren

Das Bundesamt für Energie hat bereits 2025 entschieden, im Rahmen des Pilot- und Demonstrationsprogramms (P+D) keine neuen finanziellen Beiträge mehr zu vergeben. Eingereichte Gesuche werden bis auf Weiteres nicht mehr berücksichtigt. Die offizielle Aufhebung ist für 2027 vorgesehen, kann aber bereits 2026 vollzogen werden.

Das P+D war eines der zentralen Cleantech-Förderinstrumente in der Pilotphase vor Marktreife. Mit dem Wegfall klafft eine Lücke zwischen Innosuisse-finanzierter Forschung und dem Technologiefonds-Bürgschaftsmechanismus für die Kommerzialisierung. Wie der Technologiefonds 2026 weiter funktioniert, beschreiben wir in einem separaten Artikel.

Cleantech-Förderlücke 2026

Startups in der Pilot- und Demonstrationsphase haben 2026 weder Zugang zum BFE-P+D-Programm noch (noch nicht) zu vollen Eigenumsätzen für den Technologiefonds. Alternativen: kantonale Cleantech-Förderung (Zürich, Basel-Stadt, Waadt), Climate-Tech-Fonds wie Climentum oder das EIC-Pathfinder-Instrument.

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ETH-Bereich: doppelte Belastung

Der ETH-Bereich (ETH Zürich, EPFL, PSI, Empa, Eawag, WSL) trägt 2026 schon einen Eigenbeitrag von rund CHF 100 Mio. an die Haushaltsentlastung; dieser folgt auf CHF 200 Mio. im Jahr 2025. Das Entlastungspaket 27 sieht zusätzlich CHF 78 Mio. jährliche Kürzung ab 2027 vor, was rund 3% des Bundesbeitrags entspricht.

Der ETH-Rat-Budgetbericht 2026 weist ein Gesamtbudget von CHF 2'768,2 Mio. mit einer Finanzierungslücke von CHF 0,6 Mio. aus. Personalstopps und Investitionsverschiebungen sind angekündigt; ETH-Spin-offs sollten frühzeitig prüfen, wie sich das auf Technologietransfer-Büros, Pioneer-Fellowships und Lab-Zugang auswirkt.

Was nicht gekürzt wird

Drei Posten sind politisch oder rechtlich geschützt:

  • Horizon-Europe-Pflichtbeitrag (CHF 611 Mio. allein 2026): Staatsvertraglich fixiert, nicht verhandelbar.
  • Erasmus+-Beitrag (ab 2027): Im EU-Programm-Abkommen vom 10. November 2025 mitgeregelt; Parlament muss die Finanzierung noch bewilligen.
  • Pflichtbeitrag an ITER (Fusionsforschung) ab 2026: Vom Bundesrat als völkerrechtliche Verpflichtung eingestuft.

Damit zahlt der Bund 2026 nominell mehr für internationale Programme und kürzt im selben Atemzug bei nationalen Förderlinien. Aus Startup-Perspektive ist das EU-Geld zugänglicher als nationale Förderung, allerdings mit deutlich höherem Antragsaufwand und niedrigeren Erfolgsquoten beim EIC Accelerator.

Strategische Konsequenzen für Schweizer Startups 2026

Bisheriges Förderpfad2026-KonsequenzEmpfohlene Alternative
SNF Spark für Hochschul-Spin-offsKein CallVenture Kick, Innosuisse Innovationsprojekt ohne Umsetzungspartner
SNF SPIRIT für internationale ForschungKein Call bis 2028Eurostars-3 über Innosuisse, EIC Pathfinder
BFE P+D für Cleantech-PilotenKeine neuen BewilligungenKantonale Cleantech-Programme, EIC Pathfinder, Stiftungen
Innosuisse Innovationsprojekte3 bis 5 Prozentpunkte tiefere ErfolgsquoteAntragsqualität erhöhen, ggf. Mentoring vorschalten
Swiss AcceleratorPausiert 2026 (siehe Vergleich)EIC Accelerator (Horizon Europe)
ETH Pioneer FellowshipsVoraussichtlich weiter, aber selektiverFrühe Bewerbung, klare Marktrelevanz

Wann das Bild sich klärt

Drei Termine 2026 entscheiden, wie die Förderlandschaft 2027 aussieht:

  • Frühjahrssession 2026 (März/April): Schlussabstimmung Entlastungspaket 27.
  • Mitte 2026: Detaillierte Kommunikation des SNF zu den ausgesetzten Instrumenten 2028.
  • Wintersession 2026: Budget 2027, das die Sparmassnahmen erstmals voll wirksam macht.

Wer eine Bewerbung 2026 plant, sollte vor Einreichung den aktuellen Status auf den Webseiten von Innosuisse, SNF und SBFI verifizieren. Die Programmlandschaft verändert sich quartalsweise.

SBFI

Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation

Offizielle Informationen kostenlos

SBFI aufrufen

Innosuisse

Hauptanlaufstelle trotz Kürzungen

Förderbeiträge bis CHF 500'000 pro Innovationsprojekt

Innosuisse aufrufen

EIC Accelerator

Wichtigster EU-Ersatz für gekürzte nationale Linien

Bis EUR 2,5 Mio. Grant plus EUR 10 Mio. Equity

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Haeufige Fragen

Was ist das Entlastungspaket 27 und wann tritt es in Kraft?
Das Entlastungspaket 27 ist ein Sparpaket des Bundesrats, das ab 2027 strukturelle Kürzungen über den gesamten Bundeshaushalt vornimmt. Im Bildungs-, Forschungs- und Innovationsbereich (BFI) belaufen sich die geplanten jährlichen Kürzungen auf über CHF 460 Mio. Die parlamentarische Beratung läuft 2025/2026; die Schlussabstimmung ist für die Frühjahrssession 2026 vorgesehen. Erste antizipierende Massnahmen greifen schon 2026 (z.B. SNF-Spark-Aussetzung).
Verliert Innosuisse 2026 wirklich CHF 30 Mio.?
Der ursprüngliche Bundesratsvorschlag sah eine Kürzung um über CHF 30 Mio. pro Jahr vor, was rund 10% des Innosuisse-Bundesbeitrags entspricht. Im parlamentarischen Verlauf 2025 wurde dieser Wert auf rund 5% reduziert. Die finale Höhe wird in der Frühjahrssession 2026 beschlossen. Innosuisse schätzt, dass selbst bei der reduzierten Kürzung jährlich über 60 wissenschaftsbasierte Innovationsprojekte nicht mehr finanziert werden können.
Welche SNF-Instrumente sind betroffen?
Konkret beschlossen für 2026: Spark (unkonventionelle Ideen) ausgesetzt bis mindestens Ende 2027, SPIRIT (internationale Zusammenarbeit) ausgesetzt bis Ende 2028, Implementation Networks nach der Pilotphase eingestellt, COST keine neuen SNF-Calls, europäische Partnerschaften um 25% reduziert. Project Funding und Career Funding bewilligen weniger Gesuche. Der SNF rechnet mit rund 700 abgewiesenen Projekten und 2'000 entfallenden Nachwuchsstellen.
Warum wächst das BFI-Budget 2026 trotzdem?
Der Horizon-Europe-Pflichtbeitrag von CHF 611 Mio. ist staatsvertraglich fixiert und nicht verhandelbar. Er wird im Budget 2026 erstmals voll abgebildet, was nominal zu einer Aufstockung des BFI-Budgets um CHF 667 Mio. gegenüber 2025 führt. Die Sparmassnahmen greifen primär auf der Ausgabenseite der nationalen Förderlinien (SNF, Innosuisse, ETH-Bereich, BFE), nicht beim EU-Beitrag.
Wirkt sich die Sparwelle auf den Horizon-Europe-Zugang aus?
Nein. Der Schweizer Beitrag an Horizon Europe ist im EU-Programm-Abkommen vom 10. November 2025 verbindlich festgeschrieben. Schweizer Unternehmen behalten den vollen Zugang zu EIC, ERC, Cluster-Calls und Eurostars-3. Die Schweiz finanziert die EU-Teilnahme also weiter, kürzt aber an den nationalen Begleitinstrumenten.
Was sollten Startups 2026 strategisch beachten?
Erstens: Anträge bei SNF Spark, SPIRIT und BFE P+D sind nicht mehr aussichtsreich; alternative Förderquellen identifizieren. Zweitens: Innosuisse-Anträge werden 2026 selektiver bewertet, der Eigenleistungsanteil und die Marktanalyse müssen überzeugen. Drittens: Der EIC Accelerator gewinnt an relativer Bedeutung. Viertens: Stiftungen und Cantonal-Programme können einspringen, gewinnen aber selbst kein zusätzliches Budget.
Michael Bauer

Michael Bauer

Startup-Finanzierung und Investoren

Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.