Finanzierung
Bundesbudget 2026 und Innovationsförderung: Welche Programme der Sparwelle weichen
Das Wichtigste in Kürze
- Das Entlastungspaket 27 sieht jährliche Kürzungen im Bildungs-, Forschungs- und Innovationsbereich von über CHF 460 Mio. vor; die scharfen Schnitte greifen ab 2027/2028.
- Der SNF Spark ist mindestens bis Ende 2027 ausgesetzt, SPIRIT bis Ende 2028; Project Funding bewilligt weniger Gesuche.
- Innosuisse verliert nach ursprünglich CHF 30 Mio. (10%) im parlamentarischen Verlauf rund 5% pro Jahr; etwa 60 Innovationsprojekte werden jährlich nicht mehr finanziert.
- Das BFE Pilot- und Demonstrationsprogramm vergibt seit 2025 keine neuen Beiträge; das Programm wird ab 2027, allenfalls schon 2026, aufgehoben.
- Das BFI-Budget 2026 wächst nominell um CHF 667 Mio., getrieben durch den Horizon-Europe-Pflichtbeitrag von CHF 611 Mio.; die Kürzungen treffen die nationalen Förderlinien.
Das Schweizer Bundesbudget 2026 zeigt ein paradoxes Bild der Innovationsförderung. Nominell wächst der Bildungs-, Forschungs- und Innovations-Bereich (BFI) um CHF 667 Mio., getrieben durch den Horizon-Europe-Pflichtbeitrag von CHF 611 Mio. Gleichzeitig hat der Bundesrat im Entlastungspaket 27 jährliche BFI-Kürzungen von über CHF 460 Mio. ab 2027 vorgesehen, mit antizipierenden Massnahmen bereits 2026.
Dieser Artikel zeigt, welche Förderinstrumente konkret betroffen sind, welche Beträge gestrichen werden und welche strategischen Konsequenzen Schweizer Startups daraus ziehen sollten.
Zwei separate Vorgänge nicht verwechseln
Das Budget 2026 (vom Parlament in der Wintersession 2025 verabschiedet) enthält die grossen Kürzungen noch nicht. Diese stecken im Entlastungspaket 27, das ein separater Sparbeschluss ist und die Bildungs-, Forschungs- und Innovations-Botschaft 2025 bis 2028 nachträglich beschneidet. 2026 ist Übergangsjahr mit ersten antizipierenden Massnahmen.
Worum es geht: Entlastungspaket 27 in Zahlen
Der Bundesrat eröffnete am 29. Januar 2025 die Vernehmlassung zum Entlastungspaket 27. Im BFI-Bereich summieren sich die geplanten Kürzungen auf über CHF 460 Mio. pro Jahr. Hauptbetroffene:
| Empfänger | Geplante Kürzung pro Jahr | Status der parlamentarischen Beratung |
|---|---|---|
| Schweizerischer Nationalfonds (SNF) | 10% (2027), 11% (2028) | Vom SNF antizipiert, mehrere Instrumente bereits ausgesetzt |
| Innosuisse | Ursprünglich CHF 30 Mio. (10%), reduziert auf ca. 5% | Finale Höhe Frühjahrssession 2026 |
| ETH-Bereich | CHF 78 Mio. ab 2027 (3% des Bundesbeitrags) | Zusätzlich zu CHF 100 Mio. Selbstbeitrag ab 2026 |
| BFE Pilot- und Demonstrationsprogramm | Vollständige Aufhebung | Keine neuen Gesuche seit 2025 |
Quellen: SNF Faktenblatt Sparmassnahmen, Innosuisse-Communiqué, ETH-Rat Budgetbericht 2026, BAFU/BFE-Communiqués. Stand Mai 2026.
SNF: Spark pausiert, SPIRIT eingestellt, weniger Project Funding
Der Schweizerische Nationalfonds hat im Vorgriff auf die zu erwartenden Kürzungen die Förderung umfassend angepasst. Beschlossen für 2026:
Ausgesetzte Instrumente
- Spark (unkonventionelle, risikoreiche Ideen): mindestens bis Ende 2027 keine Calls. Spark war für Startup-nahe Forschende interessant, weil die Beträge bis CHF 100'000 mit minimaler Begründungslast vergeben wurden.
- SPIRIT (Schweizer Programme für internationale Forschungs- und Innovationszusammenarbeit): keine Calls bis Ende 2028.
- Implementation Networks: nach der Pilotphase nicht fortgeführt.
Reduzierte Instrumente
- Project Funding und Career Funding: deutlich tieferer Bewilligungsanteil. Der SNF spricht von rund 700 wissenschaftlich exzellenten Projekten, die abgewiesen werden müssen, und rund 2'000 Nachwuchsstellen, die entfallen.
- Europäische Partnerschaften: Budget um 25% gekürzt.
- COST (European Cooperation in Science and Technology): keine neuen SNF-Calls; die Teilnahme an internationalen COST-Aktionen läuft weiter.
Der SNF beziffert die Gesamtkürzung mit CHF 270 Mio. (Faktenblatt vom Februar 2025) und kritisiert sie öffentlich.
Was Startups das praktisch sagt
Für Hochschul-Spin-offs, die bisher Spark als Sprungbrett nutzten, fällt diese Option 2026 und 2027 weg. Innosuisse Innovationsmentoring und Venture Kick werden zur naheliegenden Alternative; beide haben aber kleinere Tickets und striktere Marktreife-Kriterien.
Innosuisse: Kürzung im Parlament gemildert, aber nicht verhindert
Der ursprüngliche Bundesratsvorschlag sah bei Innosuisse eine Kürzung des Bundesbeitrags um mehr als CHF 30 Mio. pro Jahr vor, was rund 10% entspricht. In der parlamentarischen Beratung 2025 reduzierte der Ständerat den Schnitt auf rund 5%. Die Schlussabstimmung folgt in der Frühjahrssession 2026.
Operative Folgen
Selbst bei der reduzierten Kürzung rechnet Innosuisse damit, dass jährlich über 60 wissenschaftsbasierte Innovationsprojekte nicht mehr finanziert werden können. Im parlamentarischen Verlauf wurde zudem ein Teil der FIFG-Revisions-Agilisierungen zurückgenommen, was die Flexibilität bei Start-up- und Innovationsprojekten teilweise wieder einschränkt.
Was 2026 funktioniert
Anträge bei Innovationsprojekten mit oder ohne Umsetzungspartner, Start-up Coaching und Innovationsmentoring werden weiterhin bearbeitet. Die Erfolgsquote dürfte jedoch um 3 bis 5 Prozentpunkte sinken; die Ausarbeitung muss entsprechend gründlicher sein. Konkrete Empfehlungen für den Antrag finden Sie in unserem Innosuisse-Ratgeber.
BFE Pilot- und Demonstrationsprogramm: faktisch eingefroren
Das Bundesamt für Energie hat bereits 2025 entschieden, im Rahmen des Pilot- und Demonstrationsprogramms (P+D) keine neuen finanziellen Beiträge mehr zu vergeben. Eingereichte Gesuche werden bis auf Weiteres nicht mehr berücksichtigt. Die offizielle Aufhebung ist für 2027 vorgesehen, kann aber bereits 2026 vollzogen werden.
Das P+D war eines der zentralen Cleantech-Förderinstrumente in der Pilotphase vor Marktreife. Mit dem Wegfall klafft eine Lücke zwischen Innosuisse-finanzierter Forschung und dem Technologiefonds-Bürgschaftsmechanismus für die Kommerzialisierung. Wie der Technologiefonds 2026 weiter funktioniert, beschreiben wir in einem separaten Artikel.
Cleantech-Förderlücke 2026
Startups in der Pilot- und Demonstrationsphase haben 2026 weder Zugang zum BFE-P+D-Programm noch (noch nicht) zu vollen Eigenumsätzen für den Technologiefonds. Alternativen: kantonale Cleantech-Förderung (Zürich, Basel-Stadt, Waadt), Climate-Tech-Fonds wie Climentum oder das EIC-Pathfinder-Instrument.
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ETH-Bereich: doppelte Belastung
Der ETH-Bereich (ETH Zürich, EPFL, PSI, Empa, Eawag, WSL) trägt 2026 schon einen Eigenbeitrag von rund CHF 100 Mio. an die Haushaltsentlastung; dieser folgt auf CHF 200 Mio. im Jahr 2025. Das Entlastungspaket 27 sieht zusätzlich CHF 78 Mio. jährliche Kürzung ab 2027 vor, was rund 3% des Bundesbeitrags entspricht.
Der ETH-Rat-Budgetbericht 2026 weist ein Gesamtbudget von CHF 2'768,2 Mio. mit einer Finanzierungslücke von CHF 0,6 Mio. aus. Personalstopps und Investitionsverschiebungen sind angekündigt; ETH-Spin-offs sollten frühzeitig prüfen, wie sich das auf Technologietransfer-Büros, Pioneer-Fellowships und Lab-Zugang auswirkt.
Was nicht gekürzt wird
Drei Posten sind politisch oder rechtlich geschützt:
- Horizon-Europe-Pflichtbeitrag (CHF 611 Mio. allein 2026): Staatsvertraglich fixiert, nicht verhandelbar.
- Erasmus+-Beitrag (ab 2027): Im EU-Programm-Abkommen vom 10. November 2025 mitgeregelt; Parlament muss die Finanzierung noch bewilligen.
- Pflichtbeitrag an ITER (Fusionsforschung) ab 2026: Vom Bundesrat als völkerrechtliche Verpflichtung eingestuft.
Damit zahlt der Bund 2026 nominell mehr für internationale Programme und kürzt im selben Atemzug bei nationalen Förderlinien. Aus Startup-Perspektive ist das EU-Geld zugänglicher als nationale Förderung, allerdings mit deutlich höherem Antragsaufwand und niedrigeren Erfolgsquoten beim EIC Accelerator.
Strategische Konsequenzen für Schweizer Startups 2026
| Bisheriges Förderpfad | 2026-Konsequenz | Empfohlene Alternative |
|---|---|---|
| SNF Spark für Hochschul-Spin-offs | Kein Call | Venture Kick, Innosuisse Innovationsprojekt ohne Umsetzungspartner |
| SNF SPIRIT für internationale Forschung | Kein Call bis 2028 | Eurostars-3 über Innosuisse, EIC Pathfinder |
| BFE P+D für Cleantech-Piloten | Keine neuen Bewilligungen | Kantonale Cleantech-Programme, EIC Pathfinder, Stiftungen |
| Innosuisse Innovationsprojekte | 3 bis 5 Prozentpunkte tiefere Erfolgsquote | Antragsqualität erhöhen, ggf. Mentoring vorschalten |
| Swiss Accelerator | Pausiert 2026 (siehe Vergleich) | EIC Accelerator (Horizon Europe) |
| ETH Pioneer Fellowships | Voraussichtlich weiter, aber selektiver | Frühe Bewerbung, klare Marktrelevanz |
Wann das Bild sich klärt
Drei Termine 2026 entscheiden, wie die Förderlandschaft 2027 aussieht:
- Frühjahrssession 2026 (März/April): Schlussabstimmung Entlastungspaket 27.
- Mitte 2026: Detaillierte Kommunikation des SNF zu den ausgesetzten Instrumenten 2028.
- Wintersession 2026: Budget 2027, das die Sparmassnahmen erstmals voll wirksam macht.
Wer eine Bewerbung 2026 plant, sollte vor Einreichung den aktuellen Status auf den Webseiten von Innosuisse, SNF und SBFI verifizieren. Die Programmlandschaft verändert sich quartalsweise.
SBFI
Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation
Offizielle Informationen kostenlos
Innosuisse
Hauptanlaufstelle trotz Kürzungen
Förderbeiträge bis CHF 500'000 pro Innovationsprojekt
EIC Accelerator
Wichtigster EU-Ersatz für gekürzte nationale Linien
Bis EUR 2,5 Mio. Grant plus EUR 10 Mio. Equity
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Haeufige Fragen
Was ist das Entlastungspaket 27 und wann tritt es in Kraft?
Verliert Innosuisse 2026 wirklich CHF 30 Mio.?
Welche SNF-Instrumente sind betroffen?
Warum wächst das BFI-Budget 2026 trotzdem?
Wirkt sich die Sparwelle auf den Horizon-Europe-Zugang aus?
Was sollten Startups 2026 strategisch beachten?
Michael Bauer
Startup-Finanzierung und Investoren
Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.