Finanzierung
Kapitaleinzahlungskonto GmbH Schweiz 2026: Banken, Kosten und Fristen im Vergleich
Das Wichtigste in Kürze
- Das Kapitaleinzahlungskonto (Sperrkonto) ist Voraussetzung für die notarielle Beurkundung der GmbH und muss CHF 20'000 Stammkapital aufnehmen.
- Schweizer Universal- und Kantonalbanken verlangen typisch CHF 100 bis 400 Einmalgebühr. Neobanken wie neon Business und Radicant bieten das Kapitaleinzahlungskonto teils gratis.
- Die Eröffnung dauert digital zwei bis fünf Arbeitstage, in der Filiale zwei bis vier Wochen. Ohne Bankbestätigung verzögert sich der Notartermin entsprechend.
- Statutenentwurf, Ausweis aller Gesellschafter, Form A nach VSB 20 und ein Herkunftsnachweis der Mittel sind die wichtigsten Pflichtdokumente.
- Nach SHAB-Publikation wandelt die Bank das Sperrkonto entweder in ein reguläres Geschäftskonto um oder das Stammkapital wird auf ein neues Konto bei einer anderen Bank transferiert.
- Wer das günstigste Schweizer Geschäftskonto sucht, sollte das Sperrkonto bewusst trennen, da die Sperrkonto-Konditionen meist nicht den besten Geschäftskonto-Tarifen entsprechen.
Das Kapitaleinzahlungskonto, in der Schweizer Praxis oft schlicht «Sperrkonto» genannt, ist eine technische, aber zwingende Voraussetzung jeder GmbH-Gründung. Ohne Einzahlungsbestätigung der Bank beurkundet kein Notar den Gründungsakt; ohne Notar kein Handelsregistereintrag; ohne Eintrag keine GmbH. Wer den Prozess beschleunigen will, fängt mit der Bank an, nicht mit dem Notar.
Dieser Guide ordnet ein, welche Schweizer Banken das Kapitaleinzahlungskonto anbieten, was es kostet, welche Unterlagen verlangt werden und wie die Umwandlung in das spätere Geschäftskonto abläuft. Stand 2026.
Rechtlicher Hinweis
Die Schweizer Banken interpretieren die Vorschriften zur Geldwäschereiprävention (VSB 20, GwG) unterschiedlich streng. Konkrete Dokumentanforderungen und Bearbeitungszeiten variieren. Der hier dargestellte Prozess ist eine typische Marktbeobachtung, kein verbindliches Verfahren der einzelnen Bank.
Was ist ein Kapitaleinzahlungskonto?
Das Kapitaleinzahlungskonto ist ein zweckgebundenes Sperrkonto, auf dem die Gründer einer Schweizer GmbH das gesetzlich vorgeschriebene Stammkapital von mindestens CHF 20'000 hinterlegen. Bei der AG sind es analog mindestens CHF 50'000 (20 % von CHF 100'000 Mindestkapital). Die Mittel sind ab dem Zeitpunkt der Einzahlung blockiert: Auszahlungen, Belastungen oder Überträge sind während der Sperrphase nicht möglich.
Die Sperrphase endet mit der Bestätigung des kantonalen Handelsregisteramts über den Gründungseintrag. Erst danach steht das Stammkapital der neu gegründeten Gesellschaft als Eigenkapital zur Verfügung. Rechtlich gehört das Kapital ab Beurkundung der Gesellschaft, faktisch verfügbar wird es ab Freigabe durch die Bank.
Drei Funktionen vereint das Kapitaleinzahlungskonto:
- Nachweis der Kapitaleinlage für den Notar bei der öffentlichen Beurkundung (Art. 777c OR für die GmbH)
- Schutz vor missbräuchlicher Kapitalrückzahlung vor dem Handelsregistereintrag
- Compliance-Schleuse im Sinn der Geldwäschereiprävention: die Bank prüft die Identität der wirtschaftlich Berechtigten und die Herkunft der Mittel, bevor die GmbH überhaupt existiert
Welche Banken eröffnen ein Kapitaleinzahlungskonto in der Schweiz?
Praktisch alle Schweizer Universal- und Kantonalbanken bieten das Kapitaleinzahlungskonto an. Die Konditionen unterscheiden sich aber deutlich nach Bank, Eröffnungsweg und Bündel-Logik (Sperrkonto plus späteres Geschäftskonto).
| Bank | Einmalgebühr Sperrkonto | Eröffnung | Anschluss-Geschäftskonto |
|---|---|---|---|
| UBS | CHF 250 bis 400 | Filiale, teils digital | Ja, eigenes Angebot |
| ZKB | CHF 100 bis 300 | Filiale, teils digital | Ja |
| Kantonalbanken (BEKB, LUKB, BCV) | CHF 100 bis 300 | Filiale, teils digital | Ja |
| Raiffeisen | CHF 150 bis 300 | Filiale | Ja |
| PostFinance | CHF 100 bis 200 | Digital oder Filiale | Ja |
| Valiant | CHF 150 bis 250 | Filiale | Ja |
| Bank Cler | CHF 150 bis 250 | Digital oder Filiale | Ja |
| neon Business | CHF 0 bis 100 | Digital | Ja, bei Bündelung |
| Radicant | CHF 0 bis 100 | Digital | Ja |
Die genannten Preise sind Einmalgebühren für die Eröffnung und Verwaltung des Sperrkontos bis zur Freigabe. Sie verstehen sich exklusive allfälliger laufender Kontoführungsgebühren des späteren Geschäftskontos.
Welche Unterlagen verlangt die Bank?
Für die Eröffnung eines Kapitaleinzahlungskontos verlangt die Bank typischerweise sieben Dokumente. Wer alles vorbereitet hat, eröffnet bei digitalen Banken innerhalb von zwei bis fünf Arbeitstagen.
1. Statutenentwurf
Die Bank will sehen, was sie finanziert: Firma, Sitz, Zweck der Gesellschaft, Höhe des Stammkapitals, Aufteilung der Stammanteile. Der Entwurf muss nicht final sein; eine Arbeitsfassung mit den wesentlichen Eckpunkten genügt.
2. Ausweisdokumente aller Gesellschafter
Personalausweis oder Reisepass jeder natürlichen Person, die als Gesellschafter oder Geschäftsführer auftritt. Bei juristischen Personen als Gründer: zusätzlich Handelsregisterauszug der gründenden Gesellschaft.
3. Form A nach VSB 20
Die Vereinbarung über die Standesregeln zur Sorgfaltspflicht der Banken (VSB 20) verlangt eine schriftliche Bestätigung darüber, wer wirtschaftlich Berechtigter an der Kapitaleinlage ist. Bei Einpersonen-GmbH ist das in der Regel der Gesellschafter selbst; bei komplexeren Strukturen können das andere Personen sein.
4. Herkunftsnachweis der Mittel
Die Bank muss nachvollziehbar dokumentieren, woher die CHF 20'000 stammen. Akzeptierte Belege sind Lohnabrechnungen der letzten 6 bis 12 Monate, Steuerunterlagen mit Vermögensausweis, Erbschaftsbescheinigung, Verkaufsbestätigung einer Liegenschaft oder eines Anlagegutes. Bei grösseren Beträgen über CHF 50'000 wird die Dokumentation deutlich umfangreicher.
5. Erklärung zum Geschäftszweck
Eine kurze Beschreibung der geplanten Geschäftstätigkeit. Bei regulierten Branchen (Finanzdienstleistungen, Krypto, Edelmetalle) verlangt die Bank zusätzliche Compliance-Unterlagen.
6. Beschluss über die Geschäftsführung
Welche Personen werden Geschäftsführer? Wer hat Einzelzeichnungsrecht, wer Kollektivunterschrift? Wer ist die in der Schweiz wohnhafte Person nach Art. 814 Abs. 3 OR?
7. Kontaktangaben und Domiziladresse
Die GmbH braucht eine Sitzadresse in der Schweiz. Die Bank dokumentiert die Adresse für den späteren Handelsregistereintrag und die Steuerveranlagung.
Häufiger Fehler
Gründer eröffnen das Kapitaleinzahlungskonto zu spät und blockieren damit den Notartermin. Die Bankbestätigung ist Pflichtdokument für die notarielle Beurkundung. Eröffnung mindestens zwei Wochen vor dem geplanten Notartermin einplanen, bei reinen Filial-Eröffnungen drei bis vier Wochen.
Wie läuft die Eröffnung Schritt für Schritt ab?
Der Prozess unterscheidet sich nach Bank-Typ. Die folgende Skizze entspricht dem Vorgehen bei einer typischen Schweizer Universalbank oder Kantonalbank mit Filialprozess.
Schritt 1: Terminvereinbarung mit der Bank
Online-Termin buchen oder telefonisch reservieren. Bei Universalbanken wird der Termin mit einem Firmenkundenberater geführt; bei Neobanken erfolgt der ganze Prozess digital, oft per Video-Identifikation.
Schritt 2: Identifikation und Dokumentenprüfung
Persönliche Identifikation aller Gesellschafter mit Ausweis. Bei Video-Identifikation: Aufnahme über die Bank-App. Die Bank prüft die Statuten, den Geschäftszweck und die wirtschaftliche Berechtigung.
Schritt 3: Eröffnung des Sperrkontos
Die Bank eröffnet ein zweckgebundenes Konto mit eigener IBAN. Sie erhalten eine Mitteilung über die Kontonummer und die Einzahlungsmodalitäten. Ab diesem Zeitpunkt können Sie das Stammkapital überweisen.
Schritt 4: Einzahlung des Stammkapitals
Die CHF 20'000 (oder mehr) werden überwiesen, üblicherweise per Inland-Überweisung. Bareinzahlungen in dieser Höhe sind möglich, aber bei vielen Banken wegen der Geldwäschereiprävention mit zusätzlichen Belegen verbunden.
Schritt 5: Bankbestätigung
Nach Eingang der Mittel stellt die Bank eine schriftliche Einzahlungsbestätigung aus. Dieses Dokument geht an den Notar und ist Pflichtbeilage zur öffentlichen Beurkundung.
Schritt 6: Notartermin und Handelsregistrierung
Mit der Bankbestätigung erfolgt die notarielle Beurkundung. Der Notar reicht die Unterlagen beim kantonalen Handelsregisteramt ein. Bearbeitungszeit fünf bis fünfzehn Arbeitstage.
Schritt 7: Freigabe und Umwandlung
Mit dem beglaubigten Handelsregisterauszug wird das Sperrkonto entsperrt. Die Bank wandelt es entweder in ein reguläres Geschäftskonto um oder die GmbH überweist das Stammkapital auf ein neues Geschäftskonto bei einer anderen Bank.
Brauchen Sie Hilfe bei der Gründung?
Wir vermitteln kostenlos geprüfte Schweizer Experten.
Was passiert, wenn die Gründung scheitert?
In seltenen Fällen wird eine Gründung abgebrochen, etwa weil der Notartermin nicht stattfindet, das Handelsregister die Anmeldung ablehnt oder die Gründer ihre Pläne ändern. Das Stammkapital bleibt dann auf dem Sperrkonto blockiert.
Die Freigabe ohne Handelsregistereintrag verlangt typischerweise:
- Schriftliche Bestätigung aller Gesellschafter über den Abbruch der Gründung
- Notarielle Bescheinigung über das Scheitern oder den Verzicht
- Bei mehreren Gesellschaftern: Beschluss über die Aufteilung der Rückzahlung
Der Rückerstattungsprozess dauert typisch vier bis acht Wochen. Die Bank behält in der Regel die volle Einmalgebühr, auch wenn die Gründung nicht zustande kommt.
Welche Bank passt für welches Setup?
Solopreneure und Einpersonen-GmbH mit Standard-Zweck
Neon Business oder Radicant. Beide bieten das Sperrkonto teils gratis bei späterer Bündelung mit dem Geschäftskonto. Eröffnung digital innerhalb von zwei bis fünf Arbeitstagen.
KMU mit mehreren Gründern und Standard-Branchen
PostFinance, ZKB oder eine Kantonalbank. Solide Geschäftskonto-Konditionen, breites Filialnetz, etabliertes Sperrkonto-Verfahren.
Internationale Gründer mit komplexer wirtschaftlicher Berechtigung
UBS oder eine grössere Kantonalbank. Die Compliance-Anforderungen sind höher, aber das Verfahren ist für komplexe Strukturen ausgelegt. Neobanken lehnen internationale Sachverhalte oft ab oder verzögern wesentlich.
Regulierte Branchen (Finanzdienstleistungen, Krypto, Edelmetalle)
Universalbanken mit dediziertem Compliance-Team. Bank Cler, UBS und einzelne Kantonalbanken haben Erfahrung mit FINMA-relevanten Strukturen.
neon Business
Digitales Geschäftskonto inkl. Kapitaleinzahlungskonto
Sperrkonto ab CHF 0 bei Bündelung
PostFinance
Schweizer Universalbank mit etabliertem Sperrkonto-Verfahren
Einmalgebühr CHF 100 bis 200
ZKB
Zürcher Kantonalbank, etablierter Sperrkonto-Partner
Einmalgebühr CHF 100 bis 300
Was kommt nach dem Sperrkonto?
Nach der Freigabe ist die GmbH bankseitig voll handlungsfähig. Drei nächste Schritte sind in den ersten Wochen relevant.
Geschäftskonto wählen oder bei der Sperrkonto-Bank weiterführen
Wenn die Sperrkonto-Bank günstige Geschäftskonto-Konditionen hat, lohnt sich die Bündelung. Wenn nicht: Stammkapital auf ein neues Geschäftskonto überweisen und beim Sperrkonto-Anbieter kündigen.
Lohnzahlungssystem und ISO-20022-Schnittstelle einrichten
Spätestens ab dem ersten Mitarbeitenden braucht die GmbH eine ISO-20022-Schnittstelle zur Buchhaltungssoftware. Alle gängigen Schweizer Banken unterstützen camt.053 und camt.054 nativ.
MWST- und AHV-Anmeldung
Sobald der Handelsregisterauszug vorliegt, kann die MWST-Anmeldung bei der ESTV (bei Überschreiten der CHF 100'000 Umsatzschwelle) und der AHV-Anschluss bei der zuständigen Ausgleichskasse beantragt werden.
Wer den vollständigen Gründungsprozess inklusive Notar, Handelsregister und Kapitaleinzahlung in einem Überblick sucht, findet die Schritt-für-Schritt-Anleitung im GmbH-Gründungsguide.
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Haeufige Fragen
Was ist ein Kapitaleinzahlungskonto?
Welche Banken eröffnen ein Kapitaleinzahlungskonto in der Schweiz?
Wie lange dauert die Eröffnung eines Kapitaleinzahlungskontos?
Welche Unterlagen verlangt die Bank?
Was kostet ein Kapitaleinzahlungskonto?
Was passiert nach dem Handelsregistereintrag?
Kann ich das Kapitaleinzahlungskonto vor der notariellen Beurkundung schliessen?
David Mueller
Banking und Buchhaltungs-Tools
David Mueller vergleicht Geschäftskonten, Buchhaltungssoftware und SaaS-Tools für Schweizer KMU. Er ist selbst Gründer und CFO.