Venture Kick vs. EU Horizon EIC: Schweizer Startup-Wettbewerb gegen europäisches Förderflaggschiff (2026)
Das Wichtigste in Kürze
- Venture Kick richtet sich an Frühphasen-Startups aus Schweizer Hochschulen: bis CHF 150'000 Preisgeld, Bootcamp-Coaching und direkter Investorenzugang in der Schweiz.
- Der EIC Accelerator (EU Horizon) richtet sich an marktreife Startups mit internationaler Skalierungsperspektive: bis EUR 2,5 Mio. Zuschuss und optional bis EUR 15 Mio. Eigenkapitalinvestition durch den EIC-Fonds.
- Die EIC-Erfolgsquote liegt unter 5%; der Antragsprozess dauert 6 bis 12 Monate. Venture-Kick-Entscheide erfolgen innerhalb von Wochen.
- Die Programme sind für unterschiedliche Phasen konzipiert: Venture Kick ist eine Frühphasenbrücke, der EIC Accelerator setzt Technologiereifegrad TRL 5 bis 8 voraus.
- Viele Schweizer Deep-Tech-Startups nutzen beide Programme sequenziell: Venture Kick in der Frühphase, EIC Accelerator nach erfolgter Marktvalidierung.
Venture Kick und der EIC Accelerator (EU Horizon Europe) lösen unterschiedliche Probleme. Venture Kick ist ein privater Schweizer Wettbewerb für Frühphasen-Startups aus Hochschulen: schnell, netzwerkstark, mit Bootcamp-Coaching. Der EIC Accelerator ist das grösste europäische Förderinstrument für marktreife Deep-Tech-Startups: sehr hohe Fördersummen, sehr hoher Aufwand, sehr selektiv. Wer beide Programme vergleicht, plant in der Regel keine Entscheidung zwischen ihnen, sondern will verstehen, wann welches Instrument sinnvoll ist.
Kurze Antwort
Venture Kick in der Frühphase (Vorgründung bis Seed) für akademische Spin-offs aus der Schweiz. EIC Accelerator, sobald das Produkt marktreif ist (TRL 5 bis 8) und eine internationale Skalierungsperspektive besteht. Viele Schweizer Deep-Tech-Startups nutzen beide Programme sequenziell.
Auf einen Blick: Venture Kick vs. EIC Accelerator
| Kriterium | Venture Kick | EIC Accelerator (EU Horizon) |
|---|---|---|
| Trägerschaft | Private Schweizer Stiftung | Europäische Union (EIC-Fonds) |
| Förderhöhe | Bis CHF 150'000 (3 Phasen) | Bis EUR 2,5 Mio. Zuschuss + EUR 15 Mio. Eigenkapital |
| Finanzierungsart | Wettbewerbspreis (nicht rückzahlbar) | Zuschuss (nicht rückzahlbar) + optionales Eigenkapital |
| Anteile | Nein | Nein (Zuschuss); Minderheitsanteil (optional, Eigenkapitalteil) |
| Zugangsvoraussetzung | Herkunft aus Schweizer Hochschule/Forschungsinstitut | KMU, TRL 5–8, internationale Marktperspektive |
| Bewerbungssprache | Englisch | Englisch |
| Antragsdauer | Wochen (Phase 1), Monate (Kicker) | 6 bis 12 Monate gesamt |
| Erfolgsquote | Selektiv (genaue Quoten nicht publiziert) | Unter 5% |
| Netzwerkwert | Sehr hoch (Schweizer Investoren-Community) | Hoch (EU-Netzwerk, EIC-Community) |
| Zielphase | Frühphase (Vorgründung bis Seed) | Mittlere bis späte Phase (TRL 5+) |
| Geographischer Fokus | Schweiz | EU und assoziierte Länder |
Venture Kick: Frühphasen-Beschleuniger für Schweizer Hochschul-Startups
Venture Kick wurde von Schweizer Unternehmern und Stiftungen gegründet, um die Gründungsrate und Qualität akademischer Spin-offs in der Schweiz zu erhöhen. Das Programm nimmt keine Anteile, verlangt keine Rückzahlung und hat keine kommerziellen Eigeninteressen an den geförderten Startups.
Phase 1 (CHF 10'000 + Kicky-Bootcamp): Bewerbung mit Executive Summary, Pitch-Deck und Team-Profil. Jurierung durch erfahrene Unternehmer und Investoren. Entscheid innerhalb weniger Wochen. Eintägiges Bootcamp fokussiert auf Geschäftsmodell und Pitch.
Phase 2 (CHF 20'000 + Startup Camp): Vertiefter Pitch mit Marktvalidierung und Kundengesprächen. Zweitägiges Startup Camp mit intensivem Einzelfeedback von Mentoren. Direkte Vorbereitung für den Venture Kicker.
Venture Kicker (bis CHF 130'000 + Finale): Jährlicher Hauptwettbewerb. Finale vor grossem Jury- und Investorenpublikum. Der Kicker-Abend ist gleichzeitig der grösste Schweizer Startup-Netzwerkanlass des Jahres.
Was Venture Kick auszeichnet:
- Schneller Prozess: In Wochen, nicht Monaten zu ersten Mitteln
- Bootcamps mit echten Unternehmern und Investoren als Mentoren
- Signalwirkung: Venture-Kick-Preis als Qualitätssignal für Investoren
- Direkter Zugang zum Schweizer VC- und Angel-Ökosystem
Was Venture Kick nicht leistet:
- Keine Finanzierung für die Hochschul-F&E-Arbeit (das ist Innosuisse-Terrain)
- Kein Kapital in einer Grössenordnung, die eine Series-A-Runde ersetzt
- Keine EU-Vernetzung oder internationale Marktöffnung
EIC Accelerator: Europäisches Flaggschiff für marktreife Innovationen
Der EIC Accelerator ist das bekannteste Instrument des Europäischen Innovationsrats (EIC) innerhalb von Horizon Europe. Er richtet sich an einzelne Unternehmen (keine Konsortien) mit technologisch differenzierten Produkten, die auf eine EU- oder globale Marktperspektive zielen.
Förderhöhe:
- Zuschuss: bis EUR 2,5 Mio. (nicht rückzahlbar; für F&E, Prototyping, Markteintritt)
- Eigenkapitalinvestition: optional bis EUR 15 Mio. durch den EIC-Fonds (EIC wird Minderheitsaktionär)
- Blended Finance: Kombination aus Zuschuss und Eigenkapital möglich
Technologiereifegrad (TRL): Der EIC Accelerator ist für Produkte mit TRL 5 bis TRL 8 konzipiert, also für Innovationen, die über den reinen Proof-of-Concept hinaus sind und auf die Markteinführung hinarbeiten. Frühphasen-Konzepte unter TRL 5 sollten zuerst andere Instrumente (Innosuisse, Venture Kick) nutzen.
Der dreistufige Antragsprozess:
Step 1 (Kurzbewerbung): Online-Formular mit Pitch-Deck (10 Folien), Video-Pitch (3 Minuten) und strukturierten Fragen. Automatisierte Vorauswahl. Entscheid in 4 bis 6 Wochen.
Step 2 (Vollantrag): Umfangreiches Dokument (ca. 30 Seiten auf Englisch) mit Technologie-, Markt- und Businessplan-Beschreibung. Externe Gutachter. Entscheid in 3 bis 4 Monaten.
Step 3 (Interview): Persönliches Pitch-Interview in Brüssel (ca. 30 Minuten Pitch, 30 Minuten Q&A) vor einer interdisziplinären Jury aus Unternehmern, Investoren und Wissenschaftlern. Dies ist die selektivste Stufe.
Gesamterfolgsquote: Unter 5% der eingereichten Vollanträge erhalten Förderung. Das ist einer der härtesten Selektionsprozesse im europäischen Fördersystem.
Was der EIC Accelerator auszeichnet:
- Förderhöhen, die keine andere nicht-dilutive Quelle in Europa erreicht
- Eigenkapitaloption für Startups, die VC-Kapital noch nicht gefunden haben oder ergänzen wollen
- EIC-Community mit Zugang zu europäischen Investoren, strategischen Partnern und Exportmärkten
- Euresearch prüft Anträge kostenlos vor der Einreichung
Was der EIC Accelerator kostet:
- Enormer Zeitaufwand: 6 bis 12 Monate vom ersten Antrag bis zum Entscheid
- Sehr hohe Ablehnungsrate: Auch sehr gute Projekte scheitern
- Antrag auf Englisch, ca. 30 Seiten; professionelle Antragsvorbereitung fast zwingend nötig
- Eigenkapitalteil ist dilutiv: EIC-Fonds wird Minderheitsaktionär
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Assoziierungsstatus der Schweiz: Was das bedeutet
Die Beteiligung der Schweiz an Horizon Europe ist abhängig vom Stand der bilateralen Abkommen und kann sich ändern. Im Rahmen der Bilateralen III wurden neue Grundlagen geschaffen; den aktuellen Status prüft man direkt bei Euresearch (euresearch.ch). Vor dem Start der Antragsvorbereitung sollte der aktuelle Teilnahmestatus für das jeweilige EIC-Programm verifiziert werden.
Assoziierungsstatus vor Antragsbeginn prüfen
Der genaue Umfang der Schweizer Beteiligung an einzelnen EIC-Programmen hängt vom Stand der bilateralen Abkommen ab. Prüfen Sie den aktuellen Status immer direkt bei Euresearch (euresearch.ch), bevor Sie mit der Antragsvorbereitung beginnen.
Wer sollte welches Programm wählen?
Venture Kick ist die richtige Wahl, wenn:
- Das Startup aus einer Schweizer Hochschule oder Forschungsinstitution stammt
- Das Team in der Frühphase ist (Vorgründung bis Seed)
- Schnelles Kapital, Coaching und Schweizer Investorennetzwerk Priorität haben
- TRL noch unter 5 liegt und das Produkt noch nicht marktreif ist
- Der Hauptmarkt vorerst die Schweiz ist
EIC Accelerator ist die richtige Wahl, wenn:
- Das Startup ein marktreifes Produkt hat (TRL 5 bis 8)
- Eine klare EU- oder globale Marktperspektive besteht
- Grosse Finanzierungsvolumina benötigt werden, die Venture Kick nicht liefert
- Das Startup keine akademische Hochschulherkunft hat (Venture Kick wäre nicht zugänglich)
- Eine nicht-dilutive Alternative zu VC-Kapital für die Wachstumsphase gesucht wird
Sequenzielle Nutzung: Venture Kick zuerst, EIC danach
Viele der erfolgreichsten Schweizer Deep-Tech-Startups der letzten Jahre haben beide Programme in Sequenz genutzt. Das typische Muster:
| Phase | Instrument | Zweck |
|---|---|---|
| Vorgründung bis 12 Monate | Venture Kick Phase 1 und 2 | Startkapital, Coaching, Pitch-Qualität verbessern |
| 12 bis 24 Monate | Venture Kicker + Seed-Runde | Kapitalbasis, Investorenzugang |
| 24 bis 48 Monate | EIC Accelerator (Step 1 bis 3) | Grosse Wachstumsfinanzierung, EU-Markteintritt |
Venture Kick baut die Qualität des Teams, des Pitches und des Netzwerks auf. Diese Grundlage macht den deutlich aufwändigeren EIC-Antrag besser vorbereitet und glaubwürdiger.
Euresearch: Die wichtigste Ressource für den EIC-Antrag
Wer einen EIC-Accelerator-Antrag vorbereitet, sollte Euresearch frühzeitig kontaktieren. Euresearch ist die nationale Kontaktstelle der Schweiz für Horizon Europe und bietet:
- Kostenlose Prüfung des Antrags vor der Einreichung (Step 1 und Step 2)
- Feedback zu Technologie-Narrativ, Marktkapitel und Teamdarstellung
- Vermittlung von Kontakten zu EU-Projektpartnern für Konsortialprojekte
- Regionale Büros in Bern, Zürich, Lausanne, Basel und Lugano
- Aktuelle Informationen zum Schweizer Assoziierungsstatus
Ein EIC-Antrag ohne vorherige Euresearch-Beratung ist deutlich risikoreicher; die kostenlose Prüfung hat für viele Schweizer Startups erheblich zur Antragserfolgsrate beigetragen.
Venture Kick
Dreiphasiger Wettbewerb für akademische Schweizer Spin-offs: bis CHF 150'000 Preisgeld, Bootcamp-Coaching und direkter Zugang zum Schweizer Investoren-Ökosystem
Kein Anteil, keine Rückzahlung
EIC Accelerator (EU Horizon)
Europäische Spitzenförderung für marktreife Deep-Tech-Startups: bis EUR 2,5 Mio. Zuschuss und optional bis EUR 15 Mio. Eigenkapital vom EIC-Fonds
Nicht rückzahlbar (Zuschuss); dilutiv (optionaler Eigenkapitalteil)
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Haeufige Fragen
Kann ich Venture Kick und EIC Accelerator gleichzeitig beantragen?
Ist der EIC Accelerator für Startups aus Nicht-Hochschulen zugänglich?
Verliert das Startup Anteile beim EIC Accelerator?
Was bedeutet TRL und welcher TRL ist für den EIC Accelerator erforderlich?
Muss der EIC-Accelerator-Antrag auf Englisch eingereicht werden?
Michael Bauer
Startup-Finanzierung und Investoren
Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.