bexio vs. Crésus: Welche Buchhaltungssoftware für Ihr Schweizer Unternehmen? (2026)

10. Mai 20268 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • bexio ist eine Cloud-First-Plattform mit starker Banking-Integration und All-in-one-Ansatz ab CHF 49/Monat, besonders stark in der Deutschschweiz.
  • Crésus ist eine bewährte modulare Schweizer Software von EPSITEC SA (Yverdon-les-Bains), besonders stark in der Romandie und im Tessin, erhältlich auf Deutsch, Französisch und Italienisch.
  • Crésus Salaires gilt als eine der stärksten Lohnbuchhaltungs-Lösungen der Schweiz und deckt komplexe GAV-Anforderungen ab.
  • bexio eignet sich für cloud-affine KMU, die alles in einer Plattform vereinen wollen; Crésus für KMU mit spezifischen Lohnbedürfnissen oder in der Romandie.
  • Crésus bietet günstige Jahreslizenzen für den reinen Buchhaltungseinstieg; bexio ist nur per Abonnement erhältlich.

bexio und Crésus sind beide in der Schweiz entwickelte Buchhaltungslösungen, die Schweizer Rechtsnormen und Steuerpflichten kennen. Sie unterscheiden sich jedoch in Ansatz, Zielregion und Modularität erheblich. bexio verfolgt den All-in-one-Cloud-Ansatz; Crésus ist eine bewährte modulare Software mit besonderer Stärke in der Romandie und bei der Lohnbuchhaltung.

Kurze Antwort

Für deutschsprachige KMU, die eine moderne Cloud-Plattform mit direkter Banking-Integration wollen, ist bexio die komfortablere Wahl. Für Unternehmen in der Romandie oder im Tessin, für Firmen mit komplexen Lohnanforderungen oder für alle, die eine günstige modulare Desktop-Software bevorzugen, ist Crésus die stärkere Option.

Auf einen Blick: bexio vs. Crésus

KriteriumbexioCrésus
TypCloud-Plattform (All-in-one)Modulare Software (Desktop + Cloud)
EinstiegspreisAb CHF 49/MonatAb ca. CHF 0 (Start) oder CHF 169/Jahr
DeploymentCloud (Browser)Desktop (Windows) + Crésus+ Cloud
SprachenDE, FR, ENDE, FR, IT
StärkeDeutschschweiz, Banking, SelbstverwaltungRomandie, Tessin, Lohnbuchhaltung
LohnabrechnungAb Paket M (CHF 69/Monat)Crésus Salaires (starkes separates Modul)
Modularer AufbauNein (Pakete)Ja (Comptabilité, Salaires, Facturation)
Banking-IntegrationDirekt (Open Banking)Via Import

bexio: Cloud-first, All-in-one

bexio wurde 2013 in St. Gallen gegründet und ist heute die meistgenutzte Cloud-Buchhaltungssoftware für Schweizer KMU. Der Ansatz ist integrativ: Rechnungsstellung, Debitoren, Kreditoren, Finanzbuchhaltung, MWST, Lohn und Banking in einer Plattform, ohne separate Module kaufen zu müssen.

Banking-Integration als zentrales Merkmal Die direkte Open-Banking-Integration erlaubt es, Kontoauszüge automatisch einzulesen. bexio schlägt auf Basis von Regeln und Lernmustern automatisch Buchungen vor. Das reduziert manuelle Erfassungsarbeit erheblich. Crésus erfordert hier den manuellen Import von Bankdateien.

MWST und Schweizer Pflichtfelder Die MWST-Abrechnung kann mit wenigen Klicks erstellt und direkt ans ESTV-Portal übermittelt werden. AHV-Meldungen für Lohnbuchhaltung sind integriert. Das vereinfacht die Jahresabschlussarbeit mit dem Treuhänder.

Grenzen bei Sprachregionen bexio ist in erster Linie in der Deutschschweiz stark. Eine französische Version ist vorhanden, aber die Benutzeroberfläche und der Support sind primär auf Deutsch ausgelegt. Für Westschweizer Unternehmen ist Crésus die vertrautere Wahl.

Crésus: Modular, bewährt, stark in der Romandie

Crésus ist eine Schweizer Software von EPSITEC SA mit Sitz in Yverdon-les-Bains (VD). Sie wird seit den 1980er-Jahren weiterentwickelt und ist in der Westschweiz besonders stark verankert. Crésus besteht aus drei eigenständigen Modulen, die separat erworben und bei Bedarf kombiniert werden können.

Crésus Comptabilité

Das Kernmodul für Finanzbuchhaltung deckt Schweizer OR-Anforderungen ab. Es unterstützt mehrere Buchungskreise, Kostenstellen und detaillierte Kontenplanstrukturierung. Die Start-Version ist kostenlos für einfache Buchführungsbedürfnisse; die Standard-Version bietet erweiterte Funktionen ab ca. CHF 169 pro Jahr.

Crésus Salaires

Das Lohnmodul ist besonders stark:

  • Alle Schweizer Sozialversicherungen (AHV, IV, EO, ALV, UVG, KTG, BVG)
  • Kantonale Quellensteuer-Tarife für alle 26 Kantone
  • Abbildung zahlreicher branchenspezifischer GAV
  • Lohnausweise, Quellensteuerdeklarationen und ISO-20022-Zahlungsdateien
  • Unterstützung für komplexe Lohnstrukturen mit variablen Entlohnungskomponenten

Viele Treuhänder und HR-Abteilungen in der Romandie und im Tessin verwenden Crésus Salaires, weil es die lokalen Anforderungen besser abbildet als generische Lohnlösungen.

Crésus Facturation

Das Rechnungsstellungsmodul für Offerten, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine und Rechnungen nach Schweizer Standard. Die Module können kombiniert werden: wer alle drei nutzt, hat eine vollständige kaufmännische Software.

Crésus+ (Cloud-Version) EPSITEC bietet Crésus+ als browserbasierte Version an. Diese ist jünger als die Desktop-Version; der Funktionsumfang wächst laufend. Für neue Nutzer ohne Legacy-Desktop-Installation ist Crésus+ eine sinnvolle Option.

Preisvergleich

ProduktPreisEnthält
bexio SCHF 49/MonatBuchhaltung + Fakturierung
bexio MCHF 69/Monat+ Lohnabrechnung
Crésus Comptabilité StartKostenlosEinfache Buchhaltung (begrenzt)
Crésus Comptabilité StandardCa. CHF 169/JahrVollständige Finanzbuchhaltung
Crésus Salaires StandardCa. CHF 199/JahrLohnabrechnung Schweiz
Crésus FacturationCa. CHF 159/JahrRechnungsstellung + Offerten
Crésus Comptabilité + SalairesCa. CHF 350/JahrBuchhaltung + Lohn kombiniert

Für ein kleines Unternehmen, das nur Finanzbuchhaltung benötigt, ist Crésus günstiger als bexio. Wer alle drei Module kombiniert, zahlt ähnlich viel wie bei bexio, erhält aber keine Banking-Integration und kein Cloud-Hosting inklusive.

Schweizer Pflichtanforderungen: MWST, AHV und OR im Vergleich

Beide Lösungen sind in der Schweiz entwickelt und kennen die Schweizer Rechtsnormen. In der Praxis gibt es trotzdem Unterschiede bei der Umsetzung.

MWST-Abrechnung bexio erstellt MWST-Abrechnungen direkt aus der Finanzbuchhaltung und überträgt diese elektronisch ans ESTV-Portal (www.estv.admin.ch). Die Abrechnungsperiode (quartalsweise oder halbjährlich) ist konfigurierbar; Vorauszahlungssaldo und Eingabe-MWST werden automatisch saldiert. Crésus Comptabilité erstellt MWST-Abrechnungen ebenfalls korrekt, der ESTV-Upload erfolgt aber manuell. Die Unterschiede sind gering; beide decken die effektive Abrechnungsmethode und die Saldosteuersatzmethode ab.

AHV und Lohnmeldungen bexio integriert ab Paket M direkte AHV-Meldungen an die Ausgleichskassen und erstellt ELM-konforme (elektronischer Lohnausweis) Lohnausweise. Crésus Salaires ist bei AHV- und Sozialversicherungsmeldungen besonders stark: das Modul ist seit Jahren auf Schweizer Sozialversicherungsprozesse ausgerichtet und deckt GAV-spezifische Besonderheiten ab, die bexio so nicht abbildet.

Obligationenrecht (OR) Beide Lösungen unterstützen die doppelte Buchführung nach Schweizer OR (Art. 957 ff. OR). Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang lassen sich in beiden Systemen korrekt erstellen. Crésus bietet bei der Kontenplanstrukturierung etwas mehr Flexibilität für komplexe Unternehmensstrukturen.

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Typische Nutzungsprofile: Wer nutzt was?

Aus der Praxis lassen sich einige typische Profile herausschälen, bei denen entweder bexio oder Crésus klar besser passt.

Profil 1: Deutschschweizer Tech-Startup, 3 Mitarbeitende Sprache: Deutsch. Bedarf: Rechnungsstellung an Kunden, Buchhaltung, quartalsweise MWST. Wenige Belege. Kein GAV. Treuhänder für Jahresabschluss. Empfehlung: bexio, weil die Cloud-Oberfläche schnell eingerichtet ist, Banking-Integration Zeit spart und der Treuhänder direkten Zugang erhält.

Profil 2: Westschweizer Gastronomiebetrieb, 12 Mitarbeitende im L-GAV Sprache: Französisch. Bedarf: Lohnabrechnung nach L-GAV (Landes-Gesamtarbeitsvertrag Gastgewerbe), Stundenlohnerfassung, MWST-Abrechnung. Treuhänder in der Romandie. Empfehlung: Crésus, weil Crésus Salaires den L-GAV abdeckt, der Treuhänder die Software kennt und die französische Benutzeroberfläche vertraut ist.

Profil 3: Tessiner Handwerksunternehmen, 5 Mitarbeitende im LMV Sprache: Italienisch. Bedarf: Lohnabrechnung nach Landes-Mantelvertrag (LMV), Buchhaltung auf Italienisch, MWST. Empfehlung: Crésus, weil die italienischsprachige Version vorhanden ist und Crésus Salaires den LMV unterstützt.

Profil 4: Deutschschweizer Online-Shop, 2 Mitarbeitende Sprache: Deutsch. Bedarf: Shopify-Integration für automatischen Rechnungsimport, Buchhaltung, MWST. Kein GAV. Empfehlung: bexio, wegen der direkten Shopify-Integration und der automatisierten Banking-Abstimmung.

Migration zwischen den Lösungen

Ein Wechsel von einer Buchhaltungssoftware zur anderen ist möglich, sollte aber gut geplant werden. Der ideale Zeitpunkt ist immer der Beginn eines neuen Geschäftsjahres, damit historische Buchungen nicht migriert werden müssen; der neue Kontenplan und die Eröffnungssalden aus dem Vorjahresabschluss werden übernommen.

Von Crésus zu bexio Crésus erlaubt den Export von Buchungsdaten als CSV oder DATEV-Format. Für bexio empfiehlt sich, den Kontenplan manuell einzurichten und die Eröffnungsbilanz per Buchungssatz zu erfassen. Ein Treuhänder, der beide Systeme kennt, ist bei der Migration hilfreich. Der Hauptaufwand liegt bei der Einrichtung der Bankkonten, Buchungsregeln und MWST-Codes.

Von bexio zu Crésus bexio bietet einen vollständigen Datenexport. Die Migration zu Crésus läuft ähnlich: Kontenplan einrichten, Eröffnungssalden erfassen. Da Crésus modular aufgebaut ist, muss auch geprüft werden, welche Module (Comptabilité, Salaires, Facturation) benötigt werden, und ob bestehende Daten in alle Module überführt werden müssen.

Für beide Migrationsszenarien gilt: Die laufende Buchführung ab dem Wechseldatum im neuen System beginnen; ältere Daten bleiben im Altsystem verfügbar und werden nicht migriert. Diese Strategie ist einfacher und vermeidet Migrationsfehler.

Wann eignet sich welche Lösung?

bexio wählen, wenn:

  • das Unternehmen in der Deutschschweiz tätig ist und Deutsch die primäre Arbeitssprache ist
  • eine Cloud-Lösung im Browser ohne lokale Installation bevorzugt wird
  • direkte Banking-Integration und automatische Buchungsvorschläge wichtig sind
  • alles in einer Plattform (Fakturierung, Buchhaltung, Lohn) ohne separate Modullizenzen gewünscht ist
  • Integrationen mit Shopify, Stripe oder anderen E-Commerce-Tools benötigt werden
  • ein schnelles Onboarding ohne IT-Installation entscheidend ist

Crésus wählen, wenn:

  • das Unternehmen in der Romandie oder im Tessin tätig ist
  • Französisch oder Italienisch die primäre Arbeitssprache ist
  • komplexe Lohnbedürfnisse bestehen (viele Mitarbeitende, GAV-spezifische Regelungen wie L-GAV, LMV oder CNT)
  • eine günstige modulare Jahreslizenzoption bevorzugt wird
  • der Treuhänder bereits Crésus nutzt und die Schnittstelle bekannt ist
  • nur einzelne Module benötigt werden (z. B. nur Lohnabrechnung ohne Finanzbuchhaltungs-Abo)

Crésus und bexio im Dreisprachigkeitskontext

Die Schweiz hat drei grosse Sprachregionen; für Buchhaltungssoftware ist das relevanter als bei vielen anderen Business-Tools. Crésus entstand in der Romandie und deckt Deutsch, Französisch und Italienisch gleichwertig ab. Viele Treuhänder in der Westschweiz und im Tessin kennen Crésus von Grund auf; die Community, Schulungsangebote und der Support sind in diesen Sprachregionen stärker auf Crésus ausgerichtet.

bexio ist in der Deutschschweiz dominant. Die Software ist auch auf Französisch verfügbar und hat in der Romandie eine wachsende Nutzerbasis, aber die deutschsprachige Community und der deutschsprachige Support sind wesentlich breiter. Für mehrsprachige Unternehmen mit Niederlassungen in verschiedenen Regionen lohnt es sich, vorab zu prüfen, welche Sprache die Buchführungsverantwortlichen bevorzugen.

bexio

Schweizer All-in-one-Buchhaltungsplattform für KMU: Buchhaltung, Lohn, Fakturierung und Banking-Integration in einer Cloud-Oberfläche

Ab CHF 49/Monat

bexio kostenlos testen

Crésus

Bewährte Schweizer Modularsoftware für Buchhaltung und Lohn: stark in der Romandie und im Tessin, auf Deutsch, Französisch und Italienisch

Ab CHF 169/Jahr (Comptabilité Standard)

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Haeufige Fragen

Gibt es Crésus auch auf Deutsch?
Ja; Crésus ist vollständig auf Deutsch, Französisch und Italienisch verfügbar. Die Software entstand ursprünglich in der Romandie und ist dort am weitesten verbreitet, wird aber von vielen Deutschschweizer KMU und Treuhändern genutzt. bexio ist hauptsächlich auf Deutsch und Englisch verfügbar, mit einer französischen Version für die Romandie.
Kann ich Crésus auch als Cloud-Version nutzen?
Ja; Crésus bietet Crésus+ als Cloud-Version (Browserbasiert) an, zusätzlich zur klassischen Desktop-Installation für Windows. Die Cloud-Version ist jünger und hat teils noch nicht denselben Funktionsumfang wie die Desktop-Version. Die meisten langjährigen Crésus-Nutzer arbeiten weiterhin mit der Desktop-Version.
Wie stark ist Crésus Salaires für Schweizer Lohnabrechnungen?
Crésus Salaires gilt als eine der leistungsfähigsten Lohnbuchhaltungs-Lösungen in der Schweiz. Es deckt alle Schweizer Sozialversicherungen (AHV, IV, EO, ALV, UVG, KTG, BVG), alle kantonalen Quellensteuer-Tarife sowie eine Vielzahl von GAV (Gesamtarbeitsverträgen) ab. Für Unternehmen mit vielen Mitarbeitenden oder branchenspezifischen Lohnregelungen ist Crésus Salaires oft besser geeignet als die Lohnmodule von bexio.
Was kostet Crésus im Vergleich zu bexio?
Crésus bietet eine günstige Jahreslizenzoption: Crésus Comptabilité Start ist kostenlos (eingeschränkt), die Standard-Version beginnt ab ca. CHF 169 pro Jahr. bexio startet bei CHF 49 pro Monat (CHF 588 pro Jahr). Für reines Buchhaltungseinstiegssegment ist Crésus günstiger; sobald Sie mehrere Module (Comptabilité + Salaires + Facturation) kombinieren, nähern sich die Gesamtkosten an.
Ist bexio oder Crésus besser für ein Startup?
Für ein deutschsprachiges Startup ohne komplexe Lohnbedürfnisse ist bexio in der Regel komfortabler: einfache Einrichtung, Banking-Integration und Rechnungsstellung in einer Cloud-Oberfläche. Für ein Startup in der Romandie oder mit Angestellten unter einem GAV, der in Crésus Salaires abgebildet ist, kann Crésus die bessere Wahl sein.
Michael Bauer

Michael Bauer

Startup-Finanzierung und Investoren

Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.