GmbH gründen in Lausanne: EPFL Innovation Park, Deep Tech und Westschweizer Startup-Ökosystem

6. Mai 20265 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Lausanne beherbergt die EPFL, eine der weltbesten technischen Hochschulen, und den EPFL Innovation Park als Zentrum für Deep-Tech-Spin-offs.
  • Gründungen in Lausanne erfolgen beim Registre du commerce du canton de Vaud (RC Vaud); die Amtssprache ist Französisch.
  • Die Gewinnsteuerlast im Kanton Waadt beträgt ca. 13,8% kombiniert und liegt damit deutlich tiefer als in Zürich oder Bern.
  • Lausanne ist 30 bis 40 Minuten von Genf entfernt und ermöglicht es, beide Startup-Ökosysteme gleichzeitig zu nutzen.
  • FoodTech und Life Sciences sind neben Deep Tech starke Branchen: Nestlé (Vevey, 15 km), das CHUV (Universitätsspital) und das IOC (Olympisches Komitee) sind in direkter Reichweite.

Lausanne ist das Epizentrum der Schweizer Deep-Tech-Szene. Die EPFL und der EPFL Innovation Park haben eine Dichte an Deep-Tech-Startups in Robotik, Photonik, Quantencomputing, KI und Bioinformatik entstehen lassen, die im europäischen Vergleich aussergewöhnlich ist. Wer als EPFL-Spin-off gründet, findet hier die beste Ausgangslage in der Schweiz.

EPFL Innovation Park: Priorität für Spin-offs, offen für externe Startups

Der EPFL Innovation Park bietet Büroflächen, Labors und direkten Zugang zur EPFL-Forschungsgemeinde. Priorität bei der Aufnahme haben EPFL-Spin-offs und Teams mit Alumni-Bezug, aber auch externe Startups können sich bewerben. Die Warteliste kann lang sein; frühzeitige Bewerbung ist empfohlen.

Handelsregisteramt und Gründungsprozess

Gründungen mit Sitz im Kanton Waadt, zu dem Lausanne gehört, werden beim Registre du commerce du canton de Vaud (RC Vaud) eingetragen. Die Amtssprache ist Französisch.

Gründungsschritte in Lausanne:

  1. Firmennamen auf Zefix prüfen.
  2. Statuten auf Französisch oder mit beglaubigter Übersetzung ausarbeiten.
  3. Öffentliche Beurkundung beim Waadtländer Notar.
  4. Stammkapital einzahlen (mindestens CHF 20'000 für GmbH).
  5. Digitale Einreichung über EasyGov oder schriftlich beim RC Vaud.
  6. Eintragungsdauer: in der Regel 7 bis 12 Arbeitstage.

Startup-Ökosystem und Ressourcen

EPFL Innovation Park: Das wichtigste Instrument für Lausanner Startups. Über 100 Startups sind im Park ansässig; das Netzwerk umfasst EPFL-Forschende, Alumni-Investoren und internationale Technologiepartner. Bewerbung direkt über den Innovation Park.

EPFL Technology Transfer Office (TTO): Das TTO der EPFL begleitet Spin-off-Vorhaben von der Idee bis zur Gründung, klärt IP-Fragen mit der Hochschule und vermittelt Kontakte zu Investoren und Innosuisse.

Venturelab: Venturelab ist ein Schweizer Startup-Coaching-Programm, das eng mit EPFL und ETH zusammenarbeitet. Es bietet strukturiertes Unternehmerschulung, Startup-Camps und Zugang zum Venture-Kick-Netzwerk.

Innovaud: Die Waadtländer Wirtschaftsförderungsagentur Innovaud unterstützt Startups bei der Ansiedlung im Kanton Waadt, bietet Beratung und vernetzt mit kantonalen Förderern.

Wichtige Branchen und Netzwerke

Deep Tech: Die EPFL-Spin-off-Community umfasst weltweit über 450 aktive Unternehmen in Bereichen wie Photonik, Robotik, Materialwissenschaften, Quantentechnologie und KI. Der EPFL Innovation Park ist der direkte Zugang zu dieser Gemeinschaft.

Life Sciences: Das Life-Sciences-Cluster der Genferseeregion ist einer der bedeutendsten Biotech-Cluster Europas. Lausanne, Genf und die umliegenden Gemeinden bilden ein zusammenhängendes Ökosystem aus Hochschulen, Pharmafirmen und Investoren.

FoodTech: Nestlé (Hauptsitz in Vevey, 15 km von Lausanne) und Nestlé Research in Lausanne sind Anker der Schweizer FoodTech-Industrie. Startups mit Produkten für die Lebensmittelindustrie finden in Lausanne einen einmaligen potenziellen Erstkunden.

Sports Tech: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat Sitz in Lausanne. Für Startups im Bereich Sports Technology, Performance Analytics und Athlete Management ist das ein seltener Standortvorteil.

Büroviertel und Stadtteile für Startups

EPFL Campus Ecublens: Der Innovations-Campus der EPFL ist der naheliegendste Standort für Deep-Tech-Spin-offs. Büroflächen im Innovation Park sind subventioniert und unmittelbar in die Forschungsgemeinschaft eingebettet; Warteliste einkalkulieren.

Le Flon (Innenstadt): Das kreative Trendquartier Lausannes in einem umgebauten Industrieareal. Mix aus Bars, Boutiquen und Büros; gute Adresse für consumer-orientierte oder kreative Startups mit Laufkundschaft.

Renens und Chavannes-près-Renens: Westlich an Lausanne angrenzende Gemeinden mit günstigeren Gewerbeflächen, aber guter Tramanbindung zur EPFL und zur Innenstadt. Beliebt bei Startups, die von Co-Working in eigene Räumlichkeiten wachsen.

Ouchy und Seeufer: Repräsentativer Standort am Genfersee mit direkter IOC-Nähe. Höhere Mietpreise, dafür exzellente Adresse für internationale Kunden und Delegierte. Geeignet für Startups, die häufig hochrangige externe Gäste empfangen.

Crissier und Ecublens (ausserhalb EPFL): Günstige Gewerbeflächen im Westen der Agglomeration; Autobahnanschluss, grössere Einheiten. Sinnvoll für Startups mit Hardwareproduktion oder Lagerbedarf.

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Acceleratoren und Netzwerkanlässe

EPFL Startup Launchpad: Strukturiertes Acceleratorprogramm für frühe EPFL-Spin-offs mit Coaching, Mentoring, Innosuisse-Begleitung und Investorenkontakten. Bewerbung über das EPFL TTO; Priorität für Teams mit EPFL-Forschungsbezug.

Venturelab Western Switzerland: Venturelab bietet intensive Startup-Camp-Formate speziell für Westschweizer Startups, inklusive Vorbereitung auf Venture Kick und internationale Investorenpräsentationen. Kostenlos für zugelassene Teams.

Lausanne Startup Day: Jährlicher lokaler Startup-Event mit Pitches, Networking und Präsenz von Waadtländer Investoren und Corporates. Weniger gross als Zürich oder Bern, aber sehr direkter Kontakt.

EPFL Alumni Investor Network: Das EPFL-Alumni-Netzwerk umfasst tausende aktive Unternehmer und Investoren weltweit. Für EPFL-Spin-offs ist dieses Netzwerk ein direkter Zugang zu erfahrenen Angel-Investoren mit technischem Verständnis.

Investiere.ch: Die bekannteste Schweizer Crowdinvesting-Plattform für Startups hat enge Verbindungen zur EPFL-Community. Für Lausanner Startups ein zugänglicher Finanzierungskanal, der nationale Investoren ab CHF 1'000 Mindestinvestition ermöglicht.

IOC Innovation Hub: Das IOC betreibt einen Innovation Hub in Lausanne, der Startups im Sports-Tech-Bereich Zugang zu IOC-internen Fachleuten und internationalen Sportverbänden vermittelt.

Kosten und Infrastruktur

KostenfaktorLausanne (Orientierung)
Bürofläche ZentrumCHF 220 bis CHF 420 / m² / Jahr
Co-Working DeskCHF 250 bis CHF 550 / Monat
EPFL Innovation Parkvariabel je Startup, subventioniert
Notarkosten GmbH-Gründungca. CHF 1'000 bis CHF 2'200
Handelsregistergebührca. CHF 600
Gewinnsteuerlast (kombiniert)ca. 13,8%

Für wen eignet sich Lausanne als Gründungsstandort?

Optimaler Fit: EPFL-Spin-offs und Alumni-Teams; Deep-Tech-Startups in Photonik, Robotik, KI oder Biotechnologie; FoodTech-Startups mit Nestlé als Zielkunde; Sports-Tech-Startups mit IOC-Kontext; frankophone Teams.

Weniger geeignet: Startups ohne Bezug zu EPFL oder Life Sciences (das Zürich-Ökosystem bietet mehr Breite); Teams, die den Deutsch-Schweizer Markt als Primärmarkt sehen.

Wichtige Anlaufstellen

InstitutionAufgabeKontakt
Registre du commerce du canton de VaudGmbH/AG-Eintragungrc-vd.ch
EasyGovDigitale Gründungseinreichungeasygov.swiss
EPFL Innovation ParkBüroflächen, Startup-Communityepfl.ch/innovation-park
EPFL TTOSpin-off-Begleitung, IPtto.epfl.ch
InnovaudKantonale Wirtschaftsförderung Waadtinnovaud.ch

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Haeufige Fragen

Was ist der EPFL Innovation Park und wie kann man sich bewerben?
Der EPFL Innovation Park ist der Startup-Campus der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne. Er bietet Büroflächen, Labors, Co-Working und Zugang zum EPFL-Netzwerk (Forschende, Studierende, Alumni). Startups können sich direkt auf der Website des Innovation Park bewerben. Priorität haben Startups mit EPFL-Bezug (Spin-offs, EPFL-Alumni-Teams), aber grundsätzlich sind auch externe Startups willkommen.
Brauche ich einen EPFL-Bezug, um in Lausanne zu gründen?
Nein. Jeder kann in Lausanne eine GmbH oder AG gründen, ohne EPFL-Bezug. Der EPFL Innovation Park ist spezifisch für Startups mit Hochschulnähe attraktiv. Für alle anderen Startups bietet die Stadt Lausanne ein funktionierendes Gründungsumfeld mit gutem Netzwerk, moderaten Kosten und attraktiver Steuerlast. Der Bezug zur EPFL ist ein Plus, aber keine Voraussetzung.
Wie unterscheidet sich Lausanne von Zürich als Gründungsstandort?
Lausanne ist frankophon, kleiner und ruhiger als Zürich. Das Startup-Ökosystem ist weniger breit, aber im Deep-Tech-Bereich vergleichbar stark oder stärker (dank EPFL). Die Büromietpreise sind tiefer als in Zürich; die Steuerlast im Kanton Waadt liegt mit ca. 13,8% deutlich unter Zürich (ca. 19,7%). Lausanne eignet sich besonders für Startups mit EPFL-Bezug oder für Teams, die die frankophone Schweiz als Heimmarkt sehen.
Welche anderen Technologiezentren gibt es in der Nähe von Lausanne?
Neben der EPFL gibt es in der Region weitere relevante Institutionen: das Swiss Institute of Bioinformatics (SIB) in Lausanne, das Nestlé Research Center in Vers-chez-les-Blanc nahe Lausanne, das Swiss Plasma Center der EPFL sowie das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit Sitz in Lausanne. Das Life-Sciences-Cluster rund um Lausanne und Genf ist einer der stärksten Biotech-Cluster Europas.
Wie laufen Behördenkontakte von Lausanne aus ab?
Lausanne und der Kanton Waadt pflegen gute Beziehungen zu europäischen Institutionen. Die räumliche Nähe zu Genf (30 bis 40 Minuten per Zug) erleichtert den Zugang zu UN-Institutionen, WHO und WTO. Für EU-Behörden liegt Brüssel per Flug in ca. 1 Stunde und 20 Minuten von Genf aus. Startups in Lausanne können einfach zwischen Lausanne und Genf pendeln.
Thomas Kaufmann

Thomas Kaufmann

Spezialist für Unternehmensgründung

Thomas Kaufmann begleitet Gründer bei der Wahl der Rechtsform und dem Handelsregistereintrag. Zuvor war er als Notariatsgehilfe tätig.