EU Horizon Europe für Schweizer Startups: EIC Accelerator, ERC und Assoziierungsstatus

8. Mai 20265 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweiz ist an Horizon Europe (teil-)assoziiert; Schweizer Startups und KMU können als vollwertige Partner an EIC-Accelerator, ERC- und MSCA-Programmen teilnehmen. Der genaue Umfang der Assoziierung ist abhängig vom Stand der bilateralen Abkommen; Euresearch liefert den aktuellen Status.
  • Der EIC Accelerator ist das wichtigste EU-Instrument für innovative Startups und KMU: bis EUR 2,5 Mio. Zuschuss (nicht rückzahlbar) und optional bis EUR 15 Mio. Eigenkapitalinvestition durch den EIC-Fonds.
  • ERC-Grants (European Research Council) finanzieren individuelle Spitzenforschung; für Schweizer Forschende an Hochschulen sind Starting Grants (bis EUR 1,5 Mio.) und Advanced Grants (bis EUR 2,5 Mio.) besonders relevant.
  • Euresearch ist die nationale Kontaktstelle der Schweiz für Horizon Europe: kostenlose Beratung, Antragsprüfung und Vernetzung mit EU-Projektpartnern.
  • Horizon-Europe-Projekte sind deutlich komplexer als Innosuisse-Projekte: internationale Konsortien, EU-Antragssprache Englisch, lange Bearbeitungszeiten (6 bis 12 Monate). Für die meisten Schweizer Startups ist Innosuisse der bessere Einstieg; EU Horizon ist der nächste Schritt nach erster Innosuisse-Erfahrung.

EU Horizon Europe ist das grösste Forschungs- und Innovationsprogramm der EU mit einem Budget von fast CHF 100 Mrd. für 2021 bis 2027. Für Schweizer Startups ist der EIC Accelerator das relevanteste Instrument: bis EUR 2,5 Mio. nicht rückzahlbarer Zuschuss kombiniert mit optional bis EUR 15 Mio. Eigenkapitalfinanzierung durch den Europäischen Innovationsrat. Die Schweizer Beteiligung an Horizon Europe ist an den Stand der Bilateralen Abkommen geknüpft; Euresearch liefert den stets aktuellen Status.

Wichtig: Assoziierungsstatus prüfen

Der genaue Umfang der Schweizer Beteiligung an einzelnen Horizon-Europe-Programmen hängt vom Stand der bilateralen Abkommen ab und kann sich ändern. Prüfen Sie den aktuellen Status immer direkt bei Euresearch (euresearch.ch), bevor Sie Antragsvorbereitungen starten.

Horizon Europe: Die Programmarchitektur

Horizon Europe ist in drei Säulen gegliedert; für Startups und KMU sind primär die erste und zweite Säule relevant:

Säule 1: Exzellente Wissenschaft

  • ERC (European Research Council): Individuelle Forschungsförderung für Spitzenforscher; Starting Grants (bis EUR 1,5 Mio.), Consolidator Grants (bis EUR 2 Mio.), Advanced Grants (bis EUR 2,5 Mio.). Relevant für Forschende an Schweizer Hochschulen.
  • MSCA (Marie Skłodowska-Curie Actions): Förderung für Forschende in Mobilität zwischen Institutionen und Ländern; Doctoral Networks und Postdoctoral Fellowships.

Säule 2: Globale Herausforderungen

  • Collaborative R&I: Konsortialprojekte mit Partnern aus mehreren EU-Ländern; Unternehmen als Teil von 3- bis 15-köpfigen internationalen Konsortien.

Europäischer Innovationsrat (EIC):

  • EIC Pathfinder: Frühe transformative Technologien (TRL 1 bis 4); Konsortien aus Forschungsinstitutionen und Unternehmen.
  • EIC Transition: Brücke zwischen Forschung und Marktreife (TRL 3 bis 6).
  • EIC Accelerator: Einzelne Startups und KMU mit innovativen Produkten nahe der Marktreife (TRL 5 bis 8).

EIC Accelerator: Das Wichtigste für Startups

Der EIC Accelerator ist das am häufigsten nachgefragte EU-Instrument für innovative Schweizer Startups. Er richtet sich an einzelne Unternehmen (keine Konsortien) mit technologisch differenzierten Produkten, die eine EU- oder globale Marktperspektive haben.

Förderhöhe:

  • Zuschuss: bis EUR 2,5 Mio. (nicht rückzahlbar; für F&E, Prototyping, Markteintritt)
  • Eigenkapitalinvestition: optional bis EUR 15 Mio. durch den EIC-Fonds (dilutiv; EIC wird Minderheitsaktionär)
  • Blended Finance: Kombination aus Zuschuss und Eigenkapital möglich

Voraussetzungen:

  • KMU (weniger als 250 Mitarbeitende, weniger als EUR 50 Mio. Jahresumsatz)
  • Sitz in der Schweiz (bei Assoziierung) oder in einem EU-Mitgliedsland
  • Innovation mit klarer Marktdifferenzierung und europäischer/globaler Skalierbarkeit
  • Technologiereifegrad TRL 5 bis 8 (Proof of Concept bis Marktreife)

Bewerbungsprozess: Dreistufig und kompetitiv

Der EIC Accelerator ist dreistufig und gilt als einer der kompetitivsten Förderprozesse weltweit mit einer Gesamterfolgsquote unter 5%.

Step 1: Kurzbewerbung (Short Application) Online-Formular mit Pitch-Deck (10 Folien), Video-Pitch (3 Minuten) und strukturierten Fragen zu Innovation, Markt und Team. Automatisierte Vorauswahl; Entscheid in 4 bis 6 Wochen.

Step 2: Vollantrag (Full Application) Umfangreiches Dokument (ca. 30 Seiten auf Englisch) mit detaillierter Technologie-, Markt- und Businessplan-Beschreibung. Externe Gutachter (Remote Evaluation); Entscheid in 3 bis 4 Monaten.

Step 3: Interview mit der EIC-Jury Persönliches Pitch-Interview in Brüssel (ca. 30 Minuten Pitch, 30 Minuten Q&A) vor einer interdisziplinären Jury aus Unternehmern, Investoren und Wissenschaftlern. Entscheid kurz nach dem Interview. Dies ist die selektivste Stufe.

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ERC-Grants für Forschende an Schweizer Hochschulen

ERC-Grants (Starting, Consolidator, Advanced) sind individuelle Exzellenzförderungen für Forschende, nicht für Unternehmen. Sie finanzieren die Forschungsarbeit an der Hochschule, aus der heraus ein Startup entstehen kann. Für Schweizer Forschende, die ein Spin-off gründen wollen, ist die Kombination ERC-Grant (Forschungsfinanzierung an der Hochschule) mit Innosuisse Innovationsprojekt (Unternehmens-Hochschul-Kooperation) ein etabliertes Modell.

Wichtig: ERC-Grants gehen an die aufnehmende Institution (die Hochschule), nicht direkt an den Forscher oder sein Unternehmen. Die IP-Frage zwischen Forscher, Hochschule und Spin-off muss separat geregelt werden.

Euresearch: Die Schweizer Anlaufstelle

Euresearch ist die nationale Kontaktstelle (NCP) der Schweiz für Horizon Europe und das wichtigste kostenlose Beratungsangebot für Schweizer Antragsteller:

  • Antragsprüfung: Euresearch prüft Anträge vor der Einreichung und gibt strukturiertes Feedback (kostenlos).
  • Partnervermittlung: Für Konsortialprojekte vermittelt Euresearch Kontakte zu EU-Forschungspartnern.
  • Informationsveranstaltungen: Regelmässige Webinare und Workshops zu aktuellen Ausschreibungen.
  • Regionale Büros: Euresearch hat Büros in Bern, Zürich, Lausanne, Basel und Lugano.

Horizon Europe vs. Innosuisse: Wann welches Programm?

KriteriumInnosuisseEU Horizon/EIC
AntragskomplexitätMittel (DE/FR/IT)Hoch (Englisch)
Bearbeitungszeit2 bis 3 Monate6 bis 12 Monate
FörderhöheBis CHF 2 Mio.+Bis EUR 2,5 Mio. Zuschuss + EUR 15 Mio. Equity
ForschungspartnerSchweizer Hochschule (zwingend)Optional (Konsortium oder solo beim EIC)
MarktanforderungF&E-FokusMarktreife erforderlich (TRL 5+)
ZielgruppeFrühe bis mittlere PhaseMittlere bis späte Phase

Empfehlung: Für die meisten Schweizer Startups ist Innosuisse der richtige erste Schritt. EU Horizon und EIC Accelerator werden relevant, wenn das Startup eine internationale Skalierungsperspektive hat, das Produkt marktreif ist (TRL 5 oder höher) und bereits Innosuisse-Erfahrung vorliegt.

Wichtige Anlaufstellen

InstitutionAufgabeKontakt
EuresearchSchweizer NCP, kostenlose Beratung, Antragsprüfungeuresearch.ch
SERIStaatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovationsbfi.admin.ch
EIC-PortalEU-Antragsplattform für EIC Acceleratoreic.ec.europa.eu
InnosuisseErgänzende nationale F&E-Förderunginnosuisse.ch

Euresearch

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Haeufige Fragen

Ist die Schweiz vollständig an Horizon Europe assoziiert?
Der Assoziierungsstatus der Schweiz an Horizon Europe war in den Jahren nach 2021 durch den Abbruch der Verhandlungen über ein institutionelles Rahmenabkommen eingeschränkt. Im Rahmen der Bilateralen III wurden neue Grundlagen geschaffen. Schweizer Forscher und Unternehmen sollten den aktuellen Status direkt bei Euresearch (euresearch.ch) prüfen, da sich die Bedingungen weiterentwickeln können.
Was ist der Unterschied zwischen EIC Accelerator und EIC Pathfinder?
Der EIC Accelerator richtet sich an einzelne Startups und KMU mit innovativen Produkten nahe der Marktreife (TRL 5 bis 8); er kombiniert Zuschüsse und optionale Eigenkapitalfinanzierung. Der EIC Pathfinder fördert frühe Forschung zu transformativen Technologien (TRL 1 bis 4) und richtet sich an Konsortien aus Forschungsinstitutionen und Unternehmen. Für Startups ist der EIC Accelerator das relevantere Instrument.
Wie konkurrenzfähig ist der EIC Accelerator?
Der EIC Accelerator ist eines der kompetitivsten Förderprogramme weltweit: Die Erfolgsquote liegt typischerweise unter 5% der eingereichten Vollanträge. Besonders selektiv ist der Step 3 (Interview mit EU-Jury). Schweizer Startups, die keinen Innosuisse-Antrag stellen können oder wollen, profitieren dennoch von der EIC-Antragsberatung durch Euresearch.
In welcher Sprache muss der EIC-Accelerator-Antrag eingereicht werden?
Alle Anträge im Horizon-Europe-Programm werden auf Englisch eingereicht; es gibt keine Ausnahmen. Die Kurzbewerbung (Step 1) umfasst ein Pitch-Deck und einen strukturierten Fragebogen. Der Vollantrag (Step 2) ist ein umfangreiches Dokument (ca. 30 Seiten plus Anhänge).
Kann ein Schweizer Startup sowohl EIC Accelerator als auch Innosuisse-Förderung erhalten?
Grundsätzlich ja, sofern keine inhaltliche Doppelfinanzierung desselben Projekts vorliegt. EIC Accelerator und Innosuisse-Förderung können für unterschiedliche Projektphasen oder Arbeitspakete parallel laufen. Beide Förderagenturen verlangen eine Erklärung zu gleichzeitig beantragten oder erhaltenen Drittmitteln.
Michael Bauer

Michael Bauer

Startup-Finanzierung und Investoren

Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.