Finanzierung
Venture Kick Schritt für Schritt: CHF 150'000 in drei Stufen
Das Wichtigste in Kürze
- Venture Kick fördert in drei Stufen mit insgesamt CHF 150'000: Stage 1 mit CHF 10'000 (Grant), Stage 2 mit CHF 40'000 und Stage 3 mit CHF 100'000 (jeweils Wandeldarlehen).
- Stage-1-Erfolgsquote rund 62,5 Prozent: Pro Session pitchen acht Teams, fünf erhalten den ersten Kick.
- Berechtigung: Schweizer Spinoff oder Gründungsteam in Inkorporation, Verbindung zu einer Schweizer Hochschule, weniger als fünf Jahre seit Gründung, skalierbares Geschäftsmodell.
- Seit 2007 wurden 1'251 Startup-Projekte gefördert, CHF 102 Mio. ausbezahlt; Portfolio sammelte CHF 12,4 Mrd. Folgefinanzierung ein.
- 2025 wurde mit 990 Bewerbungen ein Rekord erreicht; 130 neue geförderte Projekte (+34% gegenüber 2024).
Venture Kick ist das wichtigste private Förderprogramm für technologiebasierte Schweizer Hochschul-Spinoffs. Insgesamt CHF 150'000 in drei Stufen über rund neun Monate, kombiniert mit intensivem Coaching und einem Pool von über 250 Investoren und Serien-Unternehmern als Jury. Seit 2007 wurden 1'251 Startup-Projekte gefördert und CHF 102 Mio. ausbezahlt; das Portfolio sammelte CHF 12,4 Mrd. Folgefinanzierung ein.
Dieser Artikel erklärt den Ablauf Schritt für Schritt, was die Jury bewertet, welche Erfolgsquoten realistisch sind und woran die meisten Bewerbungen scheitern.
Privat finanziert, Hochschulbezug verbindlich
Venture Kick ist kein staatliches Programm. Es wird von der Gebert Rüf Stiftung, der Ernst Göhner Stiftung und weiteren privaten Stiftungen finanziert; die operative Führung liegt seit Beginn beim IFJ Institut für Jungunternehmen in St. Gallen, Zürich und Lausanne. Die Bewerbung ist gebührenfrei, aber der Hochschulbezug ist nicht verhandelbar: mindestens ein Founder muss Verbindung zu einer Schweizer Hochschule haben.
Was Venture Kick ist und wer dahinter steht
Venture Kick wurde 2007 lanciert, um die Lücke zwischen Hochschulforschung und marktreifem Startup zu schliessen. Initiatoren waren die Gebert Rüf Stiftung und die Ernst Göhner Stiftung, später kamen weitere Förderer hinzu: Hauser-Stiftung, Fondation Alcea, André Hoffmann, Hansjörg Wyss, Martin Haefner, Fondation ProTechno, Swisscom, Lichtsteiner Foundation und die Deeptech Nation Switzerland Foundation.
Operative Trägerin ist das IFJ Institut für Jungunternehmen in St. Gallen, Zürich und Lausanne. Das Schwesterprogramm Venturelab liefert das Coaching-Programm, das Venture-Kick-Sieger zwischen den Stufen durchlaufen.
Die drei Stufen im Überblick
Venture Kick läuft in drei aufeinanderfolgenden Stufen mit jeweils eigenem Pitch, Jury und Förderbetrag. Die Erfolgsquoten halbieren sich grob mit jeder Stufe.
| Stufe | Förderung | Form | Pitch | Erfolgsquote pro Session |
|---|---|---|---|---|
| Stage 1 | CHF 10'000 | nicht-rückzahlbarer Grant | 5 Min. + Q&A | rund 62,5% (5 von 8) |
| Stage 2 | CHF 40'000 | Wandeldarlehen | 8 Min. + Q&A | rund 60% (3 von 5) |
| Stage 3 | CHF 100'000 | Wandeldarlehen | finale Jury, längeres Format | rund 33% (Top-Trio) |
Stage 1 richtet sich an die früheste Phase: das Team hat eine technologiegetriebene Idee, prüft die grundsätzliche Marktrelevanz und braucht Mittel für die ersten Validierungsschritte. Stage 1 muss vor der Inkorporation eingereicht werden.
Stage 2 verlangt eine ausgereifte Businessplan-Logik: definierte Zielkunden, validiertes Wertversprechen, erste Pilotgespräche oder Letters of Intent. Hier wechselt die Förderform vom Grant zum Wandeldarlehen.
Stage 3 richtet sich an Teams mit nachweisbarer Traktion: zahlende Kunden, Investoreninteresse, klare Wachstumshypothese. Der Pitch findet vor einer hochkarätigen Jury statt; nur das Top-Trio erhält den Stage-3-Kick.
Berechtigung im Detail
Venture Kick prüft fünf Eligibility-Kriterien, bevor ein Projekt überhaupt zur Jury zugelassen wird.
- Schweizer Sitz oder Gründung in Vorbereitung: Das Unternehmen ist in der Schweiz inkorporiert oder im Inkorporationsprozess. Stage 1 muss explizit vor der Inkorporation eingereicht werden.
- Verbindung zu einer Schweizer Hochschule: Mindestens ein Founder hat an einer Schweizer Hochschule studiert, geforscht oder gearbeitet. Akzeptiert sind ETH-Bereich (ETH Zürich, EPFL Lausanne), alle kantonalen Universitäten, alle Fachhochschulen sowie akkreditierte Forschungsinstitute (Empa, PSI, Eawag, WSL u.a.).
- Skalierbares, technologiegetriebenes Geschäftsmodell: Klassisches B2C ohne technologische Differenzierung wird kaum gefördert. Schwerpunkte: Software/SaaS, Hardware, Biotech, Deep Tech, Cleantech, Medtech.
- Weniger als fünf Jahre seit Gründung: Der Cut-off zählt ab Eintragung im Handelsregister. Spinoffs, die noch nicht inkorporiert sind, fallen automatisch in dieses Fenster.
- Founderteam mit klarer Verteilung der Rollen: Solo-Founders sind nicht ausgeschlossen, aber Teams mit komplementären Profilen schneiden statistisch deutlich besser ab.
Stage 1: Pitch, Jury und Erfolgsquote
Pro Stage-1-Session pitchen acht ausgewählte Teams. Fünf von acht erhalten den Kick, was eine Erfolgsquote von 62,5 Prozent ergibt – die beste in allen drei Stufen.
Pitch-Format: 5 Minuten Präsentation, danach 5 Minuten intensives Q&A. Slides werden nicht zwingend verlangt, sind aber üblich. Englisch ist der Standard, Deutsch und Französisch sind möglich.
Jury-Zusammensetzung: typisch 7 bis 10 Personen aus dem Pool von über 250 etablierten Unternehmern und Investoren. Beispiele: VC-Partner wie Harald Nieder (Redalpine), Serien-Gründer wie Marc Bernegger und Felix Mayer, Corporate-Executives, Business Angels, Branchenexperten.
Was die Jury bewertet:
- Marktbedarf und Marktgrösse mit nachvollziehbarer Quellenlage
- USP und IP-Position (Patente, Wissen, Netzwerkeffekte)
- Team-Drive, Execution-Fähigkeit, Vollständigkeit der Rollen
- Skalierbarkeit (technisch, kommerziell, geografisch)
- Internationale Wachstumslogik
- Sektorspezifische Hebel: bei Biotech regulatorischer Pfad und Reimbursement, bei Tech Adoption und Transferfähigkeit
Was nicht zählt: akademische Tiefe ohne kommerziellen Bezug, lange Methodikbeschreibungen, vage Marktgrössenangaben aus generischen Reports, Buzzwords ohne Substanz.
Stage 2: Vom Konzept zur Validierung
Stage 2 wird typisch zwei bis vier Monate nach Stage 1 absolviert. In dieser Zeit wird das Team durch ein 2-tägiges Kickers Camp vorbereitet: Pitch-Training, Businessplan-Schärfung, Investorenkontakte, Coaching durch Venturelab-Mentoren.
Pro Stage-2-Session pitchen 5 Teams um 3 Slots. Erfolgsquote: rund 60 Prozent. Pitch-Dauer: 8 Minuten Präsentation, danach Q&A.
Was Stage 2 verlangt:
- Validierte Marktthese: Kundeninterviews, Pilotgespräche, Letters of Intent
- Sauberes Businessmodell mit Pricing-Logik und Kostenstruktur
- Klarer Use of Funds für die nächsten 12 Monate
- Begleitende KPIs: Userwachstum, Conversion, Pipeline-Volumen
Was sich ändert gegenüber Stage 1: Es geht nicht mehr nur um die Idee, sondern um Belege. Die Jury hat in Stage 1 das Potenzial gesehen; in Stage 2 will sie die Umsetzung sehen.
Wandeldarlehen statt Grant: Stage 2 wird als Wandeldarlehen ausgegeben. Bei einer späteren qualifizierten Equity-Runde wandelt es sich automatisch in Anteile um. Die Konditionen sind startup-freundlich (langer Cap-Zeitraum, moderate Discount-Logik).
Stage 3: Finale, hohe Selektion, Türöffner
Stage 3 ist die wertvollste Stufe – nicht primär wegen der CHF 100'000, sondern wegen des Zugangs zu Kickfund (bis CHF 850'000 Equity) und dem damit verbundenen Investorennetzwerk.
Pitch-Format: deutlich länger als in Stage 1 und 2, häufig im Rahmen eines öffentlichen Final-Events („Venture Kick Final"). Jury-Zusammensetzung: erfahrene VC-Partner, etablierte Serien-Unternehmer, internationale Investoren.
Was Stage 3 verlangt:
- Nachweisbare Traktion: zahlende Kunden, signifikante Pipeline, Pilotresultate
- Klare Wachstumshypothese mit detailliertem Plan auf 18 bis 24 Monate
- Investoreninteresse als Pre-Commit oder Soft-Commit
- Reife Cap-Table-Logik (keine ungeklärten Founder-Anteile, kein Cap-Table-Chaos)
Erfolgsquote: das Top-Trio gewinnt. Die Selektion ist die schärfste der drei Stufen; viele gute Stage-2-Sieger schaffen Stage 3 nicht.
Häufiger Fehler in Stage 3
Teams, die in Stage 1 und 2 mit einer guten Idee überzeugen, scheitern in Stage 3 häufig an der Frage „wie skaliert das jetzt?". Wer auf Stage 3 mit derselben Story wie auf Stage 2 antritt, fällt durch. Die Jury erwartet einen klaren Sprung in Reifegrad, Traktion und kommerzieller Substanz.
Brauchen Sie Hilfe bei der Gründung?
Wir vermitteln kostenlos geprüfte Schweizer Experten.
Der Förderpfad insgesamt: Bis CHF 1'150'000
Wer alle drei Stufen schafft, hat Zugang zu einem Gesamtfinanzierungspaket von bis zu CHF 1'150'000.
| Komponente | Betrag | Form |
|---|---|---|
| Venture Kick Stage 1 | CHF 10'000 | Grant |
| Venture Kick Stage 2 | CHF 40'000 | Wandeldarlehen |
| Venture Kick Stage 3 | CHF 100'000 | Wandeldarlehen |
| Gebert Rüf InnoBooster (Einladung nach Stage 2) | CHF 150'000 | Grant über Hochschule |
| Kickfund (Zugang nach Stage 3) | bis CHF 850'000 | Equity |
| Total | bis CHF 1'150'000 |
Stage-2-Sieger werden automatisch für den InnoBooster der Gebert Rüf Stiftung eingeladen. Stage-3-Sieger erhalten Zugang zu Kickfund, dem auf Venture-Kick-Alumni spezialisierten Equity-Fonds.
Bewerbungsablauf in der Praxis
Bewerbung erfolgt rollend über venturekick.ch/appform. Pro Jahr finden mehrere Sessions in Zürich und Lausanne statt; ein Bewerbungsbatch wird in der Regel 6 bis 10 Wochen nach Eingabe gepitcht.
Schritt 1: Online-Application mit Projektbeschreibung, Founderteam, Hochschulbezug, Marktthese und Use of Funds. Dauer: 4 bis 8 Stunden Schreibarbeit, wenn das Team gut vorbereitet ist.
Schritt 2: Pre-Selection durch das Venture-Kick-Team. Wer ausgewählt wird, erhält einen Pitch-Slot. Wer nicht ausgewählt wird, erhält Feedback und kann mit überarbeitetem Antrag erneut antreten.
Schritt 3: Pitch und Jury-Entscheid in Zürich oder Lausanne, am Tag selbst.
Schritt 4: Coaching und Vorbereitung auf nächste Stufe durch Venturelab. Kickers Camps, Mentoring, Investorenkontakte.
Kennzahlen 2025 und Ausblick 2026
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Bewerbungen 2025 | 990 (Rekord) |
| Geförderte Projekte 2025 | 130 (+34% gegenüber 2024) |
| Auszahlungen 2025 | CHF 8,3 Mio. |
| Folgefinanzierung Portfolio 2025 | CHF 1,25 Mrd. |
| Geplante Förderprojekte 2026 | 283 (+15%) |
| Geplantes Budget 2026 | CHF 9,58 Mio. |
| Frauenanteil im Founderteam | rund 42% |
Seit 2007 wurden insgesamt 1'251 Startup-Projekte gefördert und CHF 102 Mio. ausbezahlt. Die Überlebensrate der inkorporierten Firmen liegt bei 84 Prozent, was deutlich über dem Schweizer Startup-Durchschnitt liegt. Im Portfolio finden sich zwei Unicorns: Climeworks und Cyberhaven.
Bekannte Alumni
Eine kleine Auswahl prominenter Venture-Kick-Sieger:
- Climeworks (ETH, 2010): Direct-Air-Capture-Marktführer, mehrere Mega-Runden, heute Unicorn
- Distalmotion (EPFL): chirurgischer Roboter Dexter, FDA-Zulassung 2025, J&J-Investment Januar 2026
- Lemoptix und Composyt Light Labs (EPFL): beide an Intel verkauft
- Flyability (EPFL): Inspektionsdrohnen
- Abionic (EPFL): Diagnostik
- Beekeeper (ETH): Kommunikationsplattform
- Neural Concept (EPFL): KI-Engineering
- Ava (ETH): Frauengesundheit
- Bestmile (EPFL): Mobility-Orchestration
Häufige Fehler bei Venture-Kick-Bewerbungen
Schwache Marktvalidierung: Vage Aussagen wie „der Markt ist riesig" ohne nachvollziehbare Quellen oder Kundeninterviews. Die Jury erwartet messbare Validierung, nicht generische Marktstudien.
Unklarer USP: Die Antwort auf „warum ihr und nicht jemand anderes?" muss in 30 Sekunden klar sein. IP, Wissensvorsprung, Netzwerkeffekte oder regulatorische Vorteile sind belastbare Differenzierungen; „wir sind das beste Team" ist es nicht.
Team-Lücken: Ein technisches Solo-Team ohne kommerzielle Rolle wird in Stage 2 oder Stage 3 scheitern. Die Jury fragt explizit nach Verkauf, Produkt, Tech und Operations.
Kein klarer Schweizer Hochschulbezug: Wer die Hochschulanbindung nur formal nachweist (z.B. ein einzelner Bachelor-Abschluss vor zehn Jahren), riskiert die Disqualifikation in der Eligibility-Prüfung.
Pitch ohne „Warum jetzt?": Die wichtigste Frage neben Marktgrösse und Team. Wer keine plausible Antwort auf den Timing-Hebel hat (Technologiereife, regulatorischer Wandel, Marktbewegung), überzeugt nicht.
Jury-Feedback nicht eingearbeitet: Wer in der nächsten Stufe oder bei einer Wiederbewerbung dieselbe Story präsentiert wie zuvor, fällt durch. Das Feedback der Jury ist die wertvollste Ressource; wer es nicht ernst nimmt, verschwendet die Wiederbewerbungschance.
Coaching ist Teil des Werts
Der Cash-Anteil ist nur ein Teil des Venture-Kick-Werts. Das Coaching durch Venturelab, der Zugang zum Pool von 250+ erfahrenen Unternehmern und der Eintritt in das InnoBooster- und Kickfund-Netzwerk sind oft wertvoller als die CHF 150'000 selbst. Wer nur das Geld will, unterschätzt das Programm.
Ressourcen für Venture-Kick-Bewerber
- venturekick.ch: Bewerbungsformular, Sessions, Jury-Pool, Alumni
- venturelab.swiss: Coaching, Kickers Camps, Mentoring
- innobooster.ch (Gebert Rüf Stiftung): Folgeförderung für Stage-2-Sieger
- kickfund.ch: Equity-Fonds für Stage-3-Sieger
- startupticker.ch: Schweizer Startup-Newsdienst, deckt Venture-Kick-Sessions
Venture Kick
Dreistufiges Förderprogramm für Schweizer Hochschul-Spinoffs
Bis CHF 150'000 in drei Stufen
Venturelab
Coaching- und Trainingsprogramm für Schweizer Startup-Founders
Programmkosten in Venture Kick enthalten
Brauchen Sie Hilfe beim Gründen?
Wir vermitteln Ihnen kostenlos und unverbindlich passende geprüfte Schweizer Experten, in 2 Minuten.
Haeufige Fragen
Wer kann sich für Venture Kick bewerben?
Was ist der Unterschied zwischen Stage 1, Stage 2 und Stage 3?
Wie schnell muss ich zwischen den Stufen vorankommen?
Wie ist die Beziehung zwischen Venture Kick und dem Gebert Rüf InnoBooster?
Was unterscheidet einen guten von einem schwachen Venture-Kick-Pitch?
Was passiert, wenn ich Stage 1 nicht beim ersten Mal schaffe?
Michael Bauer
Startup-Finanzierung und Investoren
Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.