Finanzierung
Innovation Mentoring Innosuisse: Bis CHF 6'000 Voucher für Antrags-Coaching
Das Wichtigste in Kürze
- Innosuisse vergibt zwei Mentoring-Vouchers: bis CHF 1'000 für eine erste Einschätzung (max. 5 Stunden, 2 Monate Gültigkeit) und bis CHF 6'000 für die Begleitung der Antragsstellung oder Wiedereinreichung (max. 30 Stunden).
- Beide Vouchers sind ohne Eigenanteil und ohne Cash-Beitrag des KMU; Innosuisse zahlt direkt an den Mentor.
- Förderberechtigt sind Schweizer KMU, Startups, Vereine, NPO und öffentliche Verwaltungen mit weniger als 250 Vollzeitstellen, die noch keinen Voucher für dasselbe Vorhaben erhalten haben.
- Der Mentor wird durch das antragstellende Unternehmen selbst aus dem Innolink-Pool gewählt; seit dem 1. Juli 2025 stehen 41 akkreditierte Mentoren zur Verfügung (vorher 20).
- Mentoren dürfen nicht in der Bewertung der späteren Innosuisse-Anträge mitwirken; der Voucher ist klar von den Startup-Coaching-Stufen (Initial, Core, Scale-up) abzugrenzen.
Das Innosuisse Innovation Mentoring ist ein oft übersehenes, aber wirkungsvolles Förderinstrument. Statt direkt in ein Projekt zu investieren, finanziert Innosuisse die Expertise, die ein KMU für einen erfolgreichen Förderantrag braucht. Mit bis zu CHF 6'000 deckt der Voucher 30 Stunden Mentorenarbeit ab, vollständig ohne Eigenanteil des Unternehmens.
Dieser Artikel zeigt, wie die zwei Voucher-Stufen funktionieren, wie Mentoren ausgewählt werden, was sie dürfen und was nicht, und wie sich das Programm vom Startup Coaching unterscheidet.
Die zwei Voucher auf einen Blick
Idea-Voucher: bis CHF 1'000, maximal 5 Stunden, 2 Monate Gültigkeit (nicht verlängerbar). Zweck: eine erste Einschätzung, ob eine Innosuisse-Förderung für das Vorhaben grundsätzlich in Frage kommt.
Project-Voucher: bis CHF 6'000, maximal 30 Stunden. Zweck: Begleitung der Antragsstellung oder Überarbeitung eines abgelehnten Gesuchs. Beide Vouchers sind kostenlos für das Unternehmen; Innosuisse zahlt direkt an den Mentor. Quelle: innosuisse.admin.ch, Stand 2026.
Was das Mentoring abdeckt
Der CHF 6'000 Voucher deckt typische Arbeitsschritte in der Vorbereitung eines Innosuisse-Antrags ab:
- Strukturierung der Projektidee: Ist die Idee klar genug abgegrenzt? Welche wissenschaftliche Fragestellung steht im Zentrum?
- Partnersuche: Welcher Forschungspartner oder Umsetzungspartner passt fachlich und geografisch? Wer hat Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Innosuisse?
- Antragsentwurf: Welche Argumente überzeugen die Gutachter? Wo sind typische Schwachstellen im Antragstext?
- Wiedereinreichung: Wenn ein Gesuch abgelehnt wurde, wie adressiert der überarbeitete Antrag das Gutachterfeedback?
- Alternative Förderwege: Wenn ein Innosuisse-Antrag nicht passt, welche anderen Schweizer Programme (Venture Kick, BRIDGE, kantonale Förderung) kommen in Frage?
Der Idea-Voucher (CHF 1'000) ist explizit kürzer angelegt: er liefert eine erste Einschätzung in maximal 5 Stunden. Wenn der Mentor zur Einschätzung kommt, dass das Vorhaben förderfähig ist, kann das Unternehmen anschliessend den Project-Voucher beantragen.
Wer den Voucher beantragen kann
Innosuisse hat die Förderkriterien klar umrissen:
- Sitz in der Schweiz, eingetragen im Schweizer Handelsregister
- Weniger als 250 Vollzeitstellen (FTE) zum Zeitpunkt der Antragstellung
- Nicht Teil einer Gruppe oder eines Konzerns mit insgesamt 250 oder mehr FTE
- Erstnutzung für das spezifische Vorhaben (kein bisheriger Mentoring-Voucher für das gleiche Projekt)
- Kein paralleler Bezug von kantonalen oder regionalen Beratungsleistungen zum selben Projekt
Antragsberechtigt sind nicht nur KMU und Startups, sondern auch Vereine, Stiftungen, Non-Profit-Organisationen und öffentliche Verwaltungen, sofern sie die FTE-Grenze einhalten.
Wie der Mentor ausgewählt wird
Innosuisse stellt die Mentoren-Auswahl direkt in die Hand des antragstellenden Unternehmens. Das Innolink-Portal listet alle akkreditierten Mentoren mit:
- Branchen- und Themenkompetenz (z.B. Medtech, Cleantech, ICT, Maschinenbau, Lebensmitteltechnologie)
- Sprachkompetenz (Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch)
- Methodenexpertise (technisch, Markt, Geschäftsmodell, IP-Strategie)
- Track Record (Anzahl bisher begleiteter Anträge, falls publiziert)
Das Unternehmen wählt den Mentor aus, der am besten passt, und reicht den Voucher-Antrag mit dem Namen des Mentors ein.
Mentoren-Pool seit Juli 2025 deutlich grösser
Bis 2024 standen rund 20 akkreditierte Mentoren zur Verfügung, was die Wartezeit für Termine in spezifischen Branchen oft verlängerte. Nach einer Akkreditierungsrunde nahmen am 1. Juli 2025 23 neue Mentoren ihre Tätigkeit auf, womit der Pool auf 41 Mentoren wuchs. Für 2026 bedeutet das deutlich kürzere Wartezeiten und mehr Auswahl in Branchen wie Medtech, Energie und KI.
Der Antragsprozess Schritt für Schritt
Schritt 1: Vorhaben definieren
Bevor der Voucher beantragt wird, sollte das KMU eine grobe Vorstellung haben: Welche Innovation soll umgesetzt werden? Welche Hochschule oder welcher Forschungsbereich könnte als Partner in Frage kommen? Welches Förderinstrument scheint passend (Innovationsscheck, Innovationsprojekt, BRIDGE, Swiss Accelerator)?
Schritt 2: Mentor wählen
Auf innolink.innosuisse.ch werden die verfügbaren Mentoren mit Profilfilter durchsucht. Wer unsicher ist, kann mit dem Idea-Voucher (CHF 1'000) starten, um die Eignung des Vorhabens grundsätzlich abklären zu lassen.
Schritt 3: Voucher beantragen
Auf der Innolink-Plattform wird ein "Mentoring-Gutschein" beantragt. Anzugeben sind das Unternehmen, das Vorhaben und der gewählte Mentor. Die Bearbeitung dauert typischerweise wenige Tage.
Schritt 4: Mit dem Mentor arbeiten
Nach Erhalt des Vouchers vereinbart das Unternehmen Termine mit dem Mentor. Die Stunden werden direkt vom Mentor abgerechnet; das Unternehmen bezahlt nichts.
Schritt 5: Voucher abrechnen
Der Mentor stellt Innosuisse direkt Rechnung. Das Unternehmen erhält keinen Geldfluss, weder Auszahlung noch Vorschuss. Im Gegenzug muss das KMU auch keine Mehrwertsteuer abrechnen oder buchen.
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Was Mentoren dürfen und was nicht
Die Grenzen der Mentor-Rolle sind klar geregelt, um Interessenskonflikte zu vermeiden:
Mentoren dürfen:
- Bei der Strukturierung der Projektidee helfen
- Auf typische Schwachstellen im Antragstext hinweisen
- Konkrete Formulierungs-Vorschläge machen
- Erfahrungen aus früheren Anträgen einbringen
- Auf alternative Förderwege hinweisen
Mentoren dürfen nicht:
- An der Bewertung des resultierenden Innosuisse-Antrags mitwirken (klare Trennung vom Innovationsrat)
- Parallel zu einer kantonalen oder regionalen Beratungsstelle dieselbe Projektidee betreuen
- Den Antrag im Namen des Unternehmens einreichen oder die operative Projektleitung übernehmen
Die strikte Trennung ist auch der Grund, warum der Mentor nicht später als Innosuisse-Gutachter für denselben Antrag fungiert.
Innovation Mentoring vs. Startup Coaching
Beide Instrumente kommen aus dem gleichen Haus (Innosuisse), zielen aber auf unterschiedliche Phasen.
| Merkmal | Innovation Mentoring | Startup Coaching |
|---|---|---|
| Voucher-Höhe | CHF 1'000 (Idea) oder CHF 6'000 (Project) | CHF 10'000 (Initial), CHF 50'000 (Core), CHF 75'000 (Scale-up) |
| Dauer | 2 Monate (Idea) oder Wochen (Project) | 12 Monate (Initial), 36 Monate (Core), 24 Monate (Scale-up) |
| Zielgruppe | KMU mit konkretem Antragsvorhaben | Junge Hightech-Startups in der Aufbauphase |
| Inhalt | Antragsvorbereitung für ein Innosuisse-Projekt | Strategie, Marktzugang, IP, Fundraising, Scale-up |
| Mentor wählt | Unternehmen selbst | Innosuisse aus zertifiziertem Coach-Pool, in Abstimmung |
| Eigenanteil | Keiner | Keiner |
Wer ein junges Hightech-Startup aufbaut, sollte über das Initial Coaching nachdenken. Wer als KMU ein konkretes Innovationsprojekt vorbereitet, ist beim Mentoring-Voucher richtig.
Häufige Fragen aus der Praxis
"Muss ich erst den Idea-Voucher nehmen, bevor ich den Project-Voucher bekomme?" Nein. Wer das Vorhaben bereits klar umrissen hat und sicher ist, dass ein Innosuisse-Antrag in Frage kommt, kann direkt den CHF 6'000 Project-Voucher beantragen.
"Kann ich den Voucher für die Begleitung eines abgelehnten Antrags nutzen?" Ja. Innosuisse erlaubt explizit den Einsatz des Project-Vouchers für die Überarbeitung und Wiedereinreichung eines früher abgelehnten Gesuchs. Wer einen abgelehnten Antrag hat und das Gutachterfeedback nicht alleine adressieren kann, sollte den Voucher gezielt für diese Aufgabe einsetzen.
"Was passiert, wenn ich die 30 Stunden nicht ausschöpfe?" Nichts Negatives. Der Voucher deckt bis zu 30 Stunden ab; weniger ist möglich, mehr nicht. Restliche Stunden verfallen, werden aber nicht in Rechnung gestellt.
"Kann ich mehrere Voucher gleichzeitig nutzen, etwa Idea plus Project?" Pro Vorhaben gilt das Erstnutzungsprinzip. Wer den Idea-Voucher genutzt hat und nun den Project-Voucher beantragen will, sollte explizit darlegen, dass es sich um aufeinanderfolgende Phasen desselben Vorhabens handelt.
Einbettung in die Förderstrategie
Das Innovation Mentoring sollte als vorgelagertes Instrument verstanden werden. Eine typische Förder-Sequenz für ein technologieorientiertes KMU sieht so aus:
- Innovation Mentoring Voucher (CHF 1'000 oder CHF 6'000) zur Antragsvorbereitung
- Innovationsscheck (CHF 15'000) für die wissenschaftliche Vorstudie an einer Hochschule
- Innovationsprojekt mit Umsetzungspartner (typisch CHF 100'000 bis 1 Mio.) für die volle F&E-Umsetzung
- Parallel Startup Coaching (Initial, Core, Scale-up) für die unternehmerische Begleitung
- Im Erfolgsfall: Venture Kick, BRIDGE oder Seed-Investorenrunden für die Marktphase
Die Voucher-Komponente kostet das Unternehmen nichts und reduziert deutlich das Risiko, dass spätere Anträge abgelehnt werden, weil die Form oder die Argumentation nicht den Erwartungen der Innosuisse-Gutachter entspricht.
Innosuisse Innovation Mentoring
Bis CHF 6'000 Voucher für Antrags-Coaching
Förderbeitrag direkt an den Mentor, kein Cash-Anteil des KMU
Venture Kick
Direktes Förderprogramm für den Unternehmensaufbau
Bis CHF 150'000 nicht rückzahlbar in drei Stufen
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Haeufige Fragen
Wer kann einen Innovation-Mentoring-Voucher beantragen?
Wie schnell erhalte ich den Voucher nach der Antragstellung?
Welche Aufgaben darf der Mentor übernehmen?
Was ist der Unterschied zum Startup Coaching?
Kann ich denselben Mentor mehrfach beauftragen?
Welche Profile haben die akkreditierten Mentoren?
Michael Bauer
Startup-Finanzierung und Investoren
Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.