Finanzierung
Innosuisse Flagship Initiative 2026: Defence und Mobility Call mit armasuisse
Das Wichtigste in Kürze
- Innosuisse und armasuisse haben am 30. April 2026 einen gemeinsamen Flagship-Call zum Thema 'Resilient and Secure Technologies for Defence and Mobility' mit CHF 20 Mio. Gesamtbudget angekündigt.
- Drei thematische Schwerpunkte: Positioning, Navigation and Timing (PNT), Photonik für Sicherheit und Kommunikation, sowie Lokalisierung, Identifikation und Neutralisierung von Drohnen (Counter-UAS).
- Der Call wird am 1. Juli 2026 auf innosuisse.ch publiziert; Selektion und Bekanntgabe der geförderten Projekte erfolgen voraussichtlich im Sommer 2027.
- Konsortien benötigen mindestens drei Forschungspartner (davon mindestens eine Fachhochschule) und mindestens zwei Umsetzungspartner mit Tätigkeit in der Schweiz; die Umsetzungspartner tragen 40 bis 60 Prozent der Projektkosten.
- Dual-Use-Prinzip: alle geförderten Technologien müssen sowohl im zivilen Bereich (Mobilität, kritische Infrastruktur) als auch im Sicherheits- und Verteidigungsbereich anwendbar sein.
Innosuisse und armasuisse haben Ende April 2026 einen gemeinsamen Förderaufruf von CHF 20 Mio. angekündigt. Unter dem Titel "Resilient and Secure Technologies for Defence and Mobility" werden Schweizer Konsortien gesucht, die Lösungen mit zivilem und sicherheitsrelevantem Nutzen entwickeln. Der Call ist Teil der Innosuisse Flagship Initiative und wird am 1. Juli 2026 offiziell publiziert.
Dieser Artikel ordnet den Call ein: was die Flagship Initiative ist, welche drei Themen ausgeschrieben werden, wie ein förderfähiges Konsortium aussehen muss und welche Zeitfenster für die Antragstellung 2026 gelten.
Eckdaten des Calls auf einen Blick
Titel: "Resilient and Secure Technologies for Defence and Mobility". Träger: Innosuisse und armasuisse. Gesamtbudget: CHF 20 Mio. Themen: PNT, Photonik, Counter-Drone. Publikation: 1. Juli 2026. Selektion: Sommer 2027. Pressemitteilung: 30. April 2026, gemeinsam von André Kudelski (Präsident Verwaltungsrat Innosuisse) und Urs Loher (Rüstungschef armasuisse).
Was die Flagship Initiative ist
Die Flagship Initiative ist seit 2021 das Instrument von Innosuisse für grosse, transdisziplinäre Innovationsvorhaben. Anders als reguläre Innovationsprojekte werden hier Konsortien aus mehreren Forschungs- und Umsetzungspartnern gefördert, die gemeinsam an einer systemischen Fragestellung arbeiten. Die typische Projektdauer liegt bei rund 48 Monaten; die einzelnen Projekt-Budgets bewegen sich erfahrungsgemäss zwischen CHF 3 und 10 Mio.
Bisherige Flagship-Calls:
- 2021 (Erstcall): Zwei Themen, "Coping with COVID-19 induced acceleration of digital transformation" und "Improving resilience and sustainability". 15 Flagships bewilligt, Start Anfang 2022.
- 2022/2023: "Disruptive solutions for the transition to a net zero world". 8 Projekte gefördert, CHF 35.4 Mio. Gesamtvolumen.
- 2024: "Artificial Intelligence in Life Sciences with a Focus on Human Health". 4 Projekte aus 24 Eingaben bewilligt, CHF 24.6 Mio. Gesamtvolumen, darunter SwissBrAInHealth an der Universität Bern (CHF 9.6 Mio. über 5 Jahre).
- 2026: "Resilient and Secure Technologies for Defence and Mobility" mit armasuisse, CHF 20 Mio.
Die Initiative dient dazu, gezielt politische Schwerpunkte mit signifikantem Kapital zu adressieren; gleichzeitig sind die Calls so gestaltet, dass Konsortien mit hoher Eigeninitiative die konkreten Lösungsansätze definieren.
Die drei thematischen Schwerpunkte
Die Pressemitteilung vom 30. April 2026 und die nachfolgende Berichterstattung in Netzwoche und SwissCybersecurity konkretisieren drei klar umrissene Bereiche.
Positioning, Navigation and Timing (PNT)
Technologien für robuste Ortung und Zeitsynchronisation, die auch bei Störung oder Ausfall bestehender Systeme (etwa GPS-Jamming) zuverlässig funktionieren. Anwendungsfelder:
- Kritische Infrastruktur (Energieversorgung, Telekommunikation, Bahnverkehr)
- Luftfahrt und autonome Systeme (Drohnen, autonome Fahrzeuge)
- Rettungsdienste und Krisenmanagement
- Präzisions-Landwirtschaft und Logistik
PNT ist ein klassisches Dual-Use-Feld: zivile Anwendungen profitieren von robuster Ortung, militärische Anwendungen sind auf solche Lösungen angewiesen.
Photonik für Sicherheit und Kommunikation
Licht-basierte Technologien für drei Kernanwendungen:
- Sichere Datenübertragung (Quantenkommunikation, hochsichere optische Netze)
- Hochpräzise Sensorik (LiDAR, optische Erfassung von Materialeigenschaften)
- Fortgeschrittene Bildgebung (Hyperspektral-Imaging, Nachtsicht, Atmosphärenanalyse)
Die Schweizer Photonik-Industrie hat in Forschung wie Anwendung eine starke Position, mit Akteuren wie CSEM, EPFL, ETH und mehreren KMU im Westschweizer Photonik-Cluster.
Lokalisierung, Identifikation und Neutralisierung von Drohnen (Counter-UAS)
Der dritte Themenbereich adressiert eine seit dem Ukraine-Krieg stark beschleunigte Bedrohungslage: kleine, kommerziell verfügbare Drohnen werden zunehmend für militärische und kriminelle Zwecke eingesetzt. Förderfähig sind Lösungen zur:
- Detektion und Klassifikation von Drohnen (Radar, RF, akustisch, optisch)
- Identifikation von Drohnen-Modellen und ihrer Steuersignale
- Neutralisierung (elektronische Störung, kinetische Lösungen, Übernahme von Steuerung)
Auch hier gilt der zivile Anwendungsfall: Flughäfen, Veranstaltungsorte, kritische Infrastruktur, Justizvollzug.
Was nicht ausgeschrieben ist
Die Pressemitteilung benennt drei klar umrissene Themen. Folgende Bereiche, die häufig mit Sicherheits- oder Verteidigungsinnovation assoziiert werden, sind im 2026-Call nicht explizit als eigene Schwerpunkte enthalten:
- Cybersecurity im allgemeinen Sinn (auch wenn Photonik sichere Kommunikation einschliesst)
- Künstliche Intelligenz als eigenständiges Förderfeld (KI kann aber innerhalb der drei Themen als Methodik vorkommen)
- Materialwissenschaften (Schutzmaterialien, Tarnung)
- Autonome Bodenfahrzeuge oder Roboter ausserhalb von Counter-UAS
Konsortien, die einen Antrag in einem dieser benachbarten Felder planen, müssen prüfen, ob er sich klar einem der drei ausgeschriebenen Themen zuordnen lässt.
Wie ein förderfähiges Konsortium aussieht
Die Flagship-Initiative hat etablierte Mindestanforderungen an die Konsortialstruktur, die auch für den 2026-Call gelten.
Forschungspartner:
- Mindestens drei Schweizer Forschungspartner (Hochschulen, ETH-Bereich, Fachhochschulen, akkreditierte Forschungsinstitute)
- Mindestens eine Fachhochschule (FH oder HES) zwingend
- In begründeten Ausnahmen reichen zwei Forschungspartner
Umsetzungspartner:
- Mindestens zwei Umsetzungspartner mit Sitz oder operativer Tätigkeit in der Schweiz
- Können KMU, Startups, Grossunternehmen, NPO oder öffentliche Verwaltungen sein
- Tragen 40 bis 60 Prozent der gesamten Projektkosten als Eigenleistung
- Mindestens 5 Prozent der Gesamtkosten als Cash-Beitrag an die Forschungspartner
Da armasuisse als Co-Finanzier auftritt, ist eine sinnvolle Kooperation mit dem Bundesamt für Rüstung in vielen Konsortien erwartbar, vor allem für die Definition der Anwendungsfälle.
Frühe Konsortialbildung ist entscheidend
Drei Forschungspartner und zwei Umsetzungspartner zusammenzubringen, eine IP-Strategie zu klären und Arbeitspakete abzustimmen, dauert erfahrungsgemäss mehrere Monate. Wer einreichen will, sollte spätestens im Juli 2026 mit der Konsortialbildung beginnen.
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Zeitplan 2026/2027
Aus der Pressemitteilung und vergleichbaren Flagship-Calls ergibt sich folgender realistischer Zeitplan:
| Zeitpunkt | Schritt |
|---|---|
| 30. April 2026 | Pressemitteilung von Innosuisse und armasuisse |
| Mai bis Juni 2026 | Konsortialbildung, IP-Vorklärung, Skizzen |
| 1. Juli 2026 | Offizielle Publikation des Calls auf innosuisse.ch |
| Juli bis Q4 2026 | Einreichefenster (exakte Frist noch nicht publiziert) |
| Q1 bis Q2 2027 | Begutachtung durch externe Experten |
| Sommer 2027 | Bekanntgabe der geförderten Projekte |
| Q3 bis Q4 2027 | Projektstart und Vertragsverhandlungen |
Der lange Vorlauf ist typisch für Flagship-Calls und schwer zu umgehen. Wer früh mit der Vorbereitung beginnt, hat einen klaren Vorteil.
Dual-Use: warum dieser Call politisch relevant ist
Schweizer Innovationsförderung war bisher selten direkt auf Verteidigungsanwendungen ausgerichtet. Das Dual-Use-Prinzip in diesem Call macht es politisch akzeptabel, sicherheitsrelevante Forschung zu fördern:
- Schweizer Neutralität bleibt gewahrt, weil nur Technologien mit klarem zivilem Nutzen finanziert werden
- armasuisse erhält Zugang zu früher Forschungspipeline für Beschaffungsfragen
- Innovationspipeline für die Schweizer Sicherheitsindustrie wird gezielt ausgebaut
- Indirekte Anschlussfähigkeit zu EU-Programmen wie dem European Defence Fund (EDF), an dem die Schweiz aus neutralitätspolitischen Gründen nicht direkt teilnimmt
Für Startups eröffnet der Call ein Geschäftsfeld, das in der Schweiz bisher schwer zu adressieren war: Sicherheitsrelevante Technologie mit klarer Anwendung jenseits der Verteidigung.
Wer profitieren könnte
Realistische Profile von Konsortialteilnehmern im 2026-Call:
Als Forschungspartner:
- ETH Zürich (PNT, Counter-UAS-Sensorik), EPFL (Photonik, Drone-Detection)
- Fachhochschulen wie OST, ZHAW, HSLU mit Verteidigungstechnologie-Bezug
- HES-SO mit Photonik-Cluster im Westschweizer Raum
- Forschungsanstalten Empa und CSEM
Als Umsetzungspartner:
- Etablierte Schweizer Verteidigungs- und Sicherheits-Industrieunternehmen
- Photonik-KMU im Westschweizer Cluster
- Spezialisierte Startups in Drone-Detection, autonomen Systemen, Sensorik
- Mobilitäts- und Infrastruktur-Unternehmen mit Interesse an robusten PNT-Lösungen
Startups ohne bisherigen Sicherheitsbezug sollten realistisch einschätzen, ob ihre Technologie klar in eines der drei ausgeschriebenen Themen passt und ob sie als kleiner Umsetzungspartner in einem grösseren Konsortium eine sinnvolle Rolle spielen können.
Empfohlene Vorbereitungs-Schritte
Wer ernsthaft einreichen will, sollte folgende Schritte parallel angehen:
- Themenmatch klären: Passt die eigene Technologie eindeutig zu PNT, Photonik oder Counter-UAS?
- Konsortialpartner identifizieren: Welche Forschungspartner haben einschlägige Publikationen und Projekte? Welche industriellen Partner sind etabliert?
- Erstkontakt zu armasuisse: Wo es passt, frühzeitig den Dialog mit dem Bundesamt für Rüstung suchen, um Anwendungsfälle abzustimmen.
- Innovation Mentoring nutzen: Der CHF 6'000 Voucher von Innosuisse kann eingesetzt werden, um den Antrag professionell vorzubereiten.
- IP-Klärung: Hochschul-IP-Stellen und Unternehmens-Rechtsabteilungen früh einbinden.
- Indikative Budgetierung: Realistische Eigenleistung pro Umsetzungspartner und Cash-Anteil an Forschungspartner durchspielen.
Die Vorbereitung eines Flagship-Antrags ist substantiell. Wer das nur als Nebenprojekt aufsetzt, wird im Konkurrenzumfeld erfahrener Konsortien nicht bestehen.
Innosuisse Flagship Initiative 2026
Defence und Mobility Call mit armasuisse, CHF 20 Mio. Gesamtbudget
Nicht rückzahlbar; Innosuisse finanziert Forschungspartner
Innovation Mentoring Voucher
CHF 6'000 Coaching zur Antragsvorbereitung
Kostenlos für Unternehmen, Innosuisse zahlt direkt an den Mentor
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Haeufige Fragen
Was ist die Flagship Initiative von Innosuisse?
Wer kann am Defence-und-Mobility-Call 2026 teilnehmen?
Welche Themen werden gefördert?
Was bedeutet 'Dual-Use' im Schweizer Kontext?
Wie viel Geld erhalten die einzelnen Projekte?
Ab wann kann man den Antrag einreichen?
Michael Bauer
Startup-Finanzierung und Investoren
Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.