Finanzierung

Innosuisse Flagship Initiative 2026: Defence und Mobility Call mit armasuisse

14. Mai 20267 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Innosuisse und armasuisse haben am 30. April 2026 einen gemeinsamen Flagship-Call zum Thema 'Resilient and Secure Technologies for Defence and Mobility' mit CHF 20 Mio. Gesamtbudget angekündigt.
  • Drei thematische Schwerpunkte: Positioning, Navigation and Timing (PNT), Photonik für Sicherheit und Kommunikation, sowie Lokalisierung, Identifikation und Neutralisierung von Drohnen (Counter-UAS).
  • Der Call wird am 1. Juli 2026 auf innosuisse.ch publiziert; Selektion und Bekanntgabe der geförderten Projekte erfolgen voraussichtlich im Sommer 2027.
  • Konsortien benötigen mindestens drei Forschungspartner (davon mindestens eine Fachhochschule) und mindestens zwei Umsetzungspartner mit Tätigkeit in der Schweiz; die Umsetzungspartner tragen 40 bis 60 Prozent der Projektkosten.
  • Dual-Use-Prinzip: alle geförderten Technologien müssen sowohl im zivilen Bereich (Mobilität, kritische Infrastruktur) als auch im Sicherheits- und Verteidigungsbereich anwendbar sein.

Innosuisse und armasuisse haben Ende April 2026 einen gemeinsamen Förderaufruf von CHF 20 Mio. angekündigt. Unter dem Titel "Resilient and Secure Technologies for Defence and Mobility" werden Schweizer Konsortien gesucht, die Lösungen mit zivilem und sicherheitsrelevantem Nutzen entwickeln. Der Call ist Teil der Innosuisse Flagship Initiative und wird am 1. Juli 2026 offiziell publiziert.

Dieser Artikel ordnet den Call ein: was die Flagship Initiative ist, welche drei Themen ausgeschrieben werden, wie ein förderfähiges Konsortium aussehen muss und welche Zeitfenster für die Antragstellung 2026 gelten.

Eckdaten des Calls auf einen Blick

Titel: "Resilient and Secure Technologies for Defence and Mobility". Träger: Innosuisse und armasuisse. Gesamtbudget: CHF 20 Mio. Themen: PNT, Photonik, Counter-Drone. Publikation: 1. Juli 2026. Selektion: Sommer 2027. Pressemitteilung: 30. April 2026, gemeinsam von André Kudelski (Präsident Verwaltungsrat Innosuisse) und Urs Loher (Rüstungschef armasuisse).

Was die Flagship Initiative ist

Die Flagship Initiative ist seit 2021 das Instrument von Innosuisse für grosse, transdisziplinäre Innovationsvorhaben. Anders als reguläre Innovationsprojekte werden hier Konsortien aus mehreren Forschungs- und Umsetzungspartnern gefördert, die gemeinsam an einer systemischen Fragestellung arbeiten. Die typische Projektdauer liegt bei rund 48 Monaten; die einzelnen Projekt-Budgets bewegen sich erfahrungsgemäss zwischen CHF 3 und 10 Mio.

Bisherige Flagship-Calls:

  • 2021 (Erstcall): Zwei Themen, "Coping with COVID-19 induced acceleration of digital transformation" und "Improving resilience and sustainability". 15 Flagships bewilligt, Start Anfang 2022.
  • 2022/2023: "Disruptive solutions for the transition to a net zero world". 8 Projekte gefördert, CHF 35.4 Mio. Gesamtvolumen.
  • 2024: "Artificial Intelligence in Life Sciences with a Focus on Human Health". 4 Projekte aus 24 Eingaben bewilligt, CHF 24.6 Mio. Gesamtvolumen, darunter SwissBrAInHealth an der Universität Bern (CHF 9.6 Mio. über 5 Jahre).
  • 2026: "Resilient and Secure Technologies for Defence and Mobility" mit armasuisse, CHF 20 Mio.

Die Initiative dient dazu, gezielt politische Schwerpunkte mit signifikantem Kapital zu adressieren; gleichzeitig sind die Calls so gestaltet, dass Konsortien mit hoher Eigeninitiative die konkreten Lösungsansätze definieren.

Die drei thematischen Schwerpunkte

Die Pressemitteilung vom 30. April 2026 und die nachfolgende Berichterstattung in Netzwoche und SwissCybersecurity konkretisieren drei klar umrissene Bereiche.

Positioning, Navigation and Timing (PNT)

Technologien für robuste Ortung und Zeitsynchronisation, die auch bei Störung oder Ausfall bestehender Systeme (etwa GPS-Jamming) zuverlässig funktionieren. Anwendungsfelder:

  • Kritische Infrastruktur (Energieversorgung, Telekommunikation, Bahnverkehr)
  • Luftfahrt und autonome Systeme (Drohnen, autonome Fahrzeuge)
  • Rettungsdienste und Krisenmanagement
  • Präzisions-Landwirtschaft und Logistik

PNT ist ein klassisches Dual-Use-Feld: zivile Anwendungen profitieren von robuster Ortung, militärische Anwendungen sind auf solche Lösungen angewiesen.

Photonik für Sicherheit und Kommunikation

Licht-basierte Technologien für drei Kernanwendungen:

  • Sichere Datenübertragung (Quantenkommunikation, hochsichere optische Netze)
  • Hochpräzise Sensorik (LiDAR, optische Erfassung von Materialeigenschaften)
  • Fortgeschrittene Bildgebung (Hyperspektral-Imaging, Nachtsicht, Atmosphärenanalyse)

Die Schweizer Photonik-Industrie hat in Forschung wie Anwendung eine starke Position, mit Akteuren wie CSEM, EPFL, ETH und mehreren KMU im Westschweizer Photonik-Cluster.

Lokalisierung, Identifikation und Neutralisierung von Drohnen (Counter-UAS)

Der dritte Themenbereich adressiert eine seit dem Ukraine-Krieg stark beschleunigte Bedrohungslage: kleine, kommerziell verfügbare Drohnen werden zunehmend für militärische und kriminelle Zwecke eingesetzt. Förderfähig sind Lösungen zur:

  • Detektion und Klassifikation von Drohnen (Radar, RF, akustisch, optisch)
  • Identifikation von Drohnen-Modellen und ihrer Steuersignale
  • Neutralisierung (elektronische Störung, kinetische Lösungen, Übernahme von Steuerung)

Auch hier gilt der zivile Anwendungsfall: Flughäfen, Veranstaltungsorte, kritische Infrastruktur, Justizvollzug.

Was nicht ausgeschrieben ist

Die Pressemitteilung benennt drei klar umrissene Themen. Folgende Bereiche, die häufig mit Sicherheits- oder Verteidigungsinnovation assoziiert werden, sind im 2026-Call nicht explizit als eigene Schwerpunkte enthalten:

  • Cybersecurity im allgemeinen Sinn (auch wenn Photonik sichere Kommunikation einschliesst)
  • Künstliche Intelligenz als eigenständiges Förderfeld (KI kann aber innerhalb der drei Themen als Methodik vorkommen)
  • Materialwissenschaften (Schutzmaterialien, Tarnung)
  • Autonome Bodenfahrzeuge oder Roboter ausserhalb von Counter-UAS

Konsortien, die einen Antrag in einem dieser benachbarten Felder planen, müssen prüfen, ob er sich klar einem der drei ausgeschriebenen Themen zuordnen lässt.

Wie ein förderfähiges Konsortium aussieht

Die Flagship-Initiative hat etablierte Mindestanforderungen an die Konsortialstruktur, die auch für den 2026-Call gelten.

Forschungspartner:

  • Mindestens drei Schweizer Forschungspartner (Hochschulen, ETH-Bereich, Fachhochschulen, akkreditierte Forschungsinstitute)
  • Mindestens eine Fachhochschule (FH oder HES) zwingend
  • In begründeten Ausnahmen reichen zwei Forschungspartner

Umsetzungspartner:

  • Mindestens zwei Umsetzungspartner mit Sitz oder operativer Tätigkeit in der Schweiz
  • Können KMU, Startups, Grossunternehmen, NPO oder öffentliche Verwaltungen sein
  • Tragen 40 bis 60 Prozent der gesamten Projektkosten als Eigenleistung
  • Mindestens 5 Prozent der Gesamtkosten als Cash-Beitrag an die Forschungspartner

Da armasuisse als Co-Finanzier auftritt, ist eine sinnvolle Kooperation mit dem Bundesamt für Rüstung in vielen Konsortien erwartbar, vor allem für die Definition der Anwendungsfälle.

Frühe Konsortialbildung ist entscheidend

Drei Forschungspartner und zwei Umsetzungspartner zusammenzubringen, eine IP-Strategie zu klären und Arbeitspakete abzustimmen, dauert erfahrungsgemäss mehrere Monate. Wer einreichen will, sollte spätestens im Juli 2026 mit der Konsortialbildung beginnen.

Brauchen Sie Hilfe bei der Gründung?

Wir vermitteln kostenlos geprüfte Schweizer Experten.

Zeitplan 2026/2027

Aus der Pressemitteilung und vergleichbaren Flagship-Calls ergibt sich folgender realistischer Zeitplan:

ZeitpunktSchritt
30. April 2026Pressemitteilung von Innosuisse und armasuisse
Mai bis Juni 2026Konsortialbildung, IP-Vorklärung, Skizzen
1. Juli 2026Offizielle Publikation des Calls auf innosuisse.ch
Juli bis Q4 2026Einreichefenster (exakte Frist noch nicht publiziert)
Q1 bis Q2 2027Begutachtung durch externe Experten
Sommer 2027Bekanntgabe der geförderten Projekte
Q3 bis Q4 2027Projektstart und Vertragsverhandlungen

Der lange Vorlauf ist typisch für Flagship-Calls und schwer zu umgehen. Wer früh mit der Vorbereitung beginnt, hat einen klaren Vorteil.

Dual-Use: warum dieser Call politisch relevant ist

Schweizer Innovationsförderung war bisher selten direkt auf Verteidigungsanwendungen ausgerichtet. Das Dual-Use-Prinzip in diesem Call macht es politisch akzeptabel, sicherheitsrelevante Forschung zu fördern:

  • Schweizer Neutralität bleibt gewahrt, weil nur Technologien mit klarem zivilem Nutzen finanziert werden
  • armasuisse erhält Zugang zu früher Forschungspipeline für Beschaffungsfragen
  • Innovationspipeline für die Schweizer Sicherheitsindustrie wird gezielt ausgebaut
  • Indirekte Anschlussfähigkeit zu EU-Programmen wie dem European Defence Fund (EDF), an dem die Schweiz aus neutralitätspolitischen Gründen nicht direkt teilnimmt

Für Startups eröffnet der Call ein Geschäftsfeld, das in der Schweiz bisher schwer zu adressieren war: Sicherheitsrelevante Technologie mit klarer Anwendung jenseits der Verteidigung.

Wer profitieren könnte

Realistische Profile von Konsortialteilnehmern im 2026-Call:

Als Forschungspartner:

  • ETH Zürich (PNT, Counter-UAS-Sensorik), EPFL (Photonik, Drone-Detection)
  • Fachhochschulen wie OST, ZHAW, HSLU mit Verteidigungstechnologie-Bezug
  • HES-SO mit Photonik-Cluster im Westschweizer Raum
  • Forschungsanstalten Empa und CSEM

Als Umsetzungspartner:

  • Etablierte Schweizer Verteidigungs- und Sicherheits-Industrieunternehmen
  • Photonik-KMU im Westschweizer Cluster
  • Spezialisierte Startups in Drone-Detection, autonomen Systemen, Sensorik
  • Mobilitäts- und Infrastruktur-Unternehmen mit Interesse an robusten PNT-Lösungen

Startups ohne bisherigen Sicherheitsbezug sollten realistisch einschätzen, ob ihre Technologie klar in eines der drei ausgeschriebenen Themen passt und ob sie als kleiner Umsetzungspartner in einem grösseren Konsortium eine sinnvolle Rolle spielen können.

Empfohlene Vorbereitungs-Schritte

Wer ernsthaft einreichen will, sollte folgende Schritte parallel angehen:

  1. Themenmatch klären: Passt die eigene Technologie eindeutig zu PNT, Photonik oder Counter-UAS?
  2. Konsortialpartner identifizieren: Welche Forschungspartner haben einschlägige Publikationen und Projekte? Welche industriellen Partner sind etabliert?
  3. Erstkontakt zu armasuisse: Wo es passt, frühzeitig den Dialog mit dem Bundesamt für Rüstung suchen, um Anwendungsfälle abzustimmen.
  4. Innovation Mentoring nutzen: Der CHF 6'000 Voucher von Innosuisse kann eingesetzt werden, um den Antrag professionell vorzubereiten.
  5. IP-Klärung: Hochschul-IP-Stellen und Unternehmens-Rechtsabteilungen früh einbinden.
  6. Indikative Budgetierung: Realistische Eigenleistung pro Umsetzungspartner und Cash-Anteil an Forschungspartner durchspielen.

Die Vorbereitung eines Flagship-Antrags ist substantiell. Wer das nur als Nebenprojekt aufsetzt, wird im Konkurrenzumfeld erfahrener Konsortien nicht bestehen.

Innosuisse Flagship Initiative 2026

Defence und Mobility Call mit armasuisse, CHF 20 Mio. Gesamtbudget

Nicht rückzahlbar; Innosuisse finanziert Forschungspartner

Flagship Initiative auf innosuisse.ch

Innovation Mentoring Voucher

CHF 6'000 Coaching zur Antragsvorbereitung

Kostenlos für Unternehmen, Innosuisse zahlt direkt an den Mentor

Innolink-Plattform aufrufen

Brauchen Sie Hilfe beim Gründen?

Wir vermitteln Ihnen kostenlos und unverbindlich passende geprüfte Schweizer Experten, in 2 Minuten.

Kostenlos & unverbindlich

Haeufige Fragen

Was ist die Flagship Initiative von Innosuisse?
Die Flagship Initiative ist seit 2021 das Instrument von Innosuisse für systemische, transdisziplinäre Innovationsprojekte zu grossen wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Herausforderungen. Pro Call wird ein thematischer Schwerpunkt gesetzt; gefördert werden Konsortien aus mehreren Forschungs- und Umsetzungspartnern über typischerweise vier Jahre. Bisherige Calls hatten Themen wie COVID-Resilienz, Net Zero und KI in den Lebenswissenschaften.
Wer kann am Defence-und-Mobility-Call 2026 teilnehmen?
Antragsberechtigt sind Konsortien aus Schweizer Forschungseinrichtungen und Unternehmen oder Organisationen mit operativer Tätigkeit in der Schweiz. Minimum: drei Forschungspartner (mindestens eine Fachhochschule, in begründeten Ausnahmen reichen zwei) und mindestens zwei Umsetzungspartner. Auch KMU und Startups sind als Umsetzungspartner zugelassen, sofern sie ihre Eigenleistung und den Cash-Anteil erbringen können.
Welche Themen werden gefördert?
Drei klar umrissene Schwerpunkte: Erstens Positioning, Navigation and Timing (PNT) mit störungsresistenten Lösungen für kritische Infrastruktur, Luftfahrt, autonome Systeme und Rettungsdienste. Zweitens Photonik für sichere Datenübertragung, hochpräzise Sensorik und fortgeschrittene Bildgebung. Drittens Counter-UAS: Lokalisierung, Identifikation und Neutralisierung von Drohnen. Cybersecurity, KI oder Materialwissenschaften sind nicht explizit als eigene Themen ausgeschrieben.
Was bedeutet 'Dual-Use' im Schweizer Kontext?
Dual-Use bezeichnet Technologien, die sowohl im zivilen als auch im sicherheits- oder verteidigungspolitischen Bereich nutzbar sind. Die Pressemitteilung von Innosuisse und armasuisse hat dieses Prinzip explizit als Leitlinie definiert: Förderfähig sind nur Technologien mit Nutzen in beiden Anwendungsfeldern. Damit wird Innovation in sicherheitsrelevanten Bereichen ermöglicht, ohne die Schweizer Neutralität in Frage zu stellen.
Wie viel Geld erhalten die einzelnen Projekte?
Das Call-Gesamtbudget beträgt CHF 20 Mio., gemeinsam von Innosuisse und armasuisse getragen (genaue Aufteilung nicht öffentlich). Aus historischen Flagship-Calls ergibt sich eine Bandbreite von rund CHF 3 bis 10 Mio. pro Projekt; bei einem Gesamtbudget von 20 Mio. dürften 3 bis 6 Projekte zur Förderung kommen. Innosuisse zahlt die Forschungspartner; die Umsetzungspartner tragen 40 bis 60 Prozent der Projektkosten als Eigenleistung plus 5 Prozent Cash an den Forschungspartner.
Ab wann kann man den Antrag einreichen?
Der Call wird am 1. Juli 2026 auf innosuisse.ch publiziert. Die genaue Einreichefrist wurde in der Pressemitteilung vom 30. April 2026 nicht beziffert; die Selektion der geförderten Projekte ist für Sommer 2027 angekündigt. Realistisch ist ein Einreichefenster zwischen Juli und Dezember 2026.
Michael Bauer

Michael Bauer

Startup-Finanzierung und Investoren

Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.