Finanzierung
Innosuisse Coaching Initial, Core und Scale-up: Welcher Voucher passt zu welcher Phase
Das Wichtigste in Kürze
- Innosuisse fördert Schweizer Startups in drei Coaching-Stufen: Initial bis CHF 5'000, Core bis CHF 25'000, Scale-up bis CHF 75'000.
- Coaching wird über zertifizierte Innosuisse-Coaches abgewickelt; die Vouchers werden direkt an den Coach bezahlt, nicht an das Startup.
- Berechtigt sind Schweizer Startups mit weniger als fünf Jahren Handelsregistereintrag, ausserhalb von Coaching auch ältere KMU für spezifische Innovationsfragen.
- Initial dient der Geschäftsmodell-Schärfung, Core der Wachstumsstrategie, Scale-up der internationalen Skalierung. Stufen werden in der Regel sequenziell durchlaufen.
- Innovation Mentoring (bis CHF 6'000) ist ein eigenständiges Programm und kann unabhängig vom Coaching genutzt werden, vor allem zur Antragsvorbereitung für Innosuisse-Projekte.
Neben den Innosuisse-Innovationsprojekten und dem Startup Innovation Project gibt es ein drittes Förderinstrument, das gerade in frühen Phasen unterschätzt wird: das Innovation Coaching. Über drei Stufen, Initial, Core und Scale-up, finanziert Innosuisse zertifiziertes Coaching zu Strategie, Finanzen, Markteintritt, Internationalisierung und Operations. Bis zu CHF 75'000 pro Startup über mehrere Jahre.
Dieser Artikel ordnet die drei Stufen ein, erklärt den Bewerbungsprozess und zeigt, wann sich welcher Voucher lohnt.
Coaching, nicht Cash
Anders als beim Startup Innovation Project fliesst die Fördersumme nicht als Cash an das Startup. Innosuisse bezahlt direkt den zertifizierten Coach. Das Startup profitiert in Form von Coaching-Stunden, nicht in Form von Liquidität.
Die drei Coaching-Stufen im Überblick
| Stufe | Maximaler Voucher | Typische Dauer | Zielgruppe |
|---|---|---|---|
| Initial Coaching | CHF 5'000 | 3–6 Monate | Startups vor Markteintritt |
| Core Coaching | CHF 25'000 | 6–12 Monate | Startups mit ersten Kunden |
| Scale-up Coaching | CHF 75'000 | 12–18 Monate | Etablierte Startups vor Skalierung |
Die Stufen werden in der Regel sequenziell durchlaufen, weil sie jeweils auf den Erkenntnissen der vorherigen Stufe aufbauen. Das ist aber keine harte Regel: ein Startup, das von Anfang an über substanzielle Umsätze und Wachstum verfügt, kann auch direkt mit Core oder Scale-up beginnen, sofern es das nachweisen kann.
Initial Coaching: Geschäftsmodell schärfen
Initial Coaching richtet sich an Startups, die ihr Geschäftsmodell, ihren Markt oder ihre erste Validierung noch klären müssen.
Förderhöhe: bis CHF 5'000.
Zielgruppe: Startups innerhalb der ersten 18 Monate nach Handelsregistereintrag, mit unscharfem Geschäftsmodell, ungeklärtem Markteinstieg oder fehlender Kundenvalidierung.
Typische Coaching-Themen:
- Schärfung des Wertversprechens und Pivot-Analysen
- Geschäftsmodell-Kanvas und Business Model Canvas
- Erste Marktinterviews und Validierungsstrategie
- Pricing-Strategie für die erste Kundenkohorte
- Strukturierung des Pitch-Deck und Investorenansprache
- Grundlagen IP-Schutz und juristische Setup
Beispiel-Engagement: Ein Foodtech-Startup mit Prototyp einer alternativen Proteinquelle, aber unklarer Zielgruppe (B2B-Industriekunden vs. B2C-Eigenmarken), nutzt Initial Coaching zur strukturierten Marktanalyse, führt 30 Kundeninterviews und kommt zu einer datengestützten Priorisierung. Coaching-Stundenpaket: 15 Stunden zu CHF 300 effektiv abgerechnet, voll im Voucher abgedeckt.
Core Coaching: Wachstumsstrategie ausbauen
Core Coaching ist das mittlere Programm und der häufigste Coaching-Voucher.
Förderhöhe: bis CHF 25'000.
Zielgruppe: Startups mit validiertem Produkt, ersten Umsätzen (typisch ab CHF 50'000 ARR) und konkretem Wachstumsplan. Maximal 5 Jahre seit Handelsregistereintrag.
Typische Coaching-Themen:
- Go-to-Market-Strategie und Sales-Funnel
- Strukturierung der Vertriebsorganisation
- Finanzplanung über 24 bis 36 Monate
- Vorbereitung einer Series-A-Runde
- Aufbau eines Beirats oder Boards
- HR und Organisationsentwicklung
- Operationalisierung von Service- und Lieferketten
- IP- und Lizenzstrategie
Beispiel-Engagement: Ein B2B-SaaS-Startup mit CHF 200'000 ARR und 15 Kunden plant eine Series-A-Runde von CHF 4 Mio. Core Coaching unterstützt bei der Strukturierung des Finanzplans, der Definition von Wachstumsmetriken (CAC, LTV, Net Revenue Retention), der Vorbereitung des Data Room und der Investorenliste. Coaching-Volumen: 60 Stunden über 8 Monate, CHF 20'000 abgerechnet, voll im Voucher abgedeckt.
Scale-up Coaching: Internationale Skalierung
Scale-up Coaching adressiert etabliertere Schweizer Startups mit substantiellem Geschäft, die internationalen Markteintritt oder schnelles Wachstum planen.
Förderhöhe: bis CHF 75'000.
Zielgruppe: Schweizer Startups mit nachgewiesenem Wachstum, typischerweise ab CHF 500'000 Umsatz, mit konkretem Plan für internationale Expansion oder substantielle Skalierung. Bis 5 Jahre seit Handelsregistereintrag, in Ausnahmefällen länger.
Typische Coaching-Themen:
- Internationaler Markteintritt (DE, UK, USA, Asien)
- Aufbau internationaler Sales-Teams
- Lokalisierungsstrategie und regulatorische Compliance in Zielmärkten
- Strukturierung internationaler Holding- und Tochterstrukturen
- Vorbereitung Series-B- oder grösserer Runden
- M&A-Vorbereitung und Exit-Strategie
- Komplexe IP-Portfolios und globale Patent-Strategie
- Aufbau von Strategic-Partnership-Programmen
Beispiel-Engagement: Ein Medtech-Startup mit CHF 2 Mio. Umsatz und 25 Mitarbeitern plant den Markteintritt in den USA und benötigt FDA-Vorbereitung, Aufbau eines US-Sales-Teams und Strukturierung der US-Tochter. Scale-up Coaching unterstützt mit Spezialcoaches für FDA-Regulatorik, US-Vertrieb und Steuerstruktur. Coaching-Volumen: 200 Stunden über 14 Monate, CHF 70'000 abgerechnet, voll im Voucher abgedeckt.
Coach-Qualität ist entscheidend
Der Voucher ist nur so wertvoll wie der Coach. Die Innosuisse-Liste enthält mehrere Hundert akkreditierte Coaches mit sehr unterschiedlichem Profil. Vor der Beauftragung empfiehlt sich ein unverbindliches Erstgespräch mit mindestens drei Coaches, um Passung in Sektor, Erfahrung, Stil und Sprache zu prüfen.
Innovation Mentoring: ein eigenes Instrument
Neben den drei Coaching-Stufen gibt es das Innovation Mentoring, das oft mit dem Coaching verwechselt wird.
Förderhöhe: bis CHF 6'000 pro Voucher.
Zweck: Vorbereitung eines konkreten Antrags für ein Innosuisse-Innovationsprojekt, das Startup Innovation Project, einen EIC-Accelerator-Antrag oder ein Eurostars-3-Projekt.
Unterschied zum Coaching: Innovation Mentoring ist fokussiert auf die Antrags- und Projektvorbereitung, nicht auf strategisches Coaching. Es ist deutlich kürzer (typisch 1 bis 3 Monate) und thematisch enger.
Praxistipp: Wer einen Antrag für ein Startup Innovation Project oder ein klassisches Innovationsprojekt plant, sollte Innovation Mentoring vorab nutzen. Die Erfolgsquote des nachfolgenden Hauptantrags steigt nach Innosuisse-Statistik signifikant, wenn der Antrag mit einem erfahrenen Mentor strukturiert wurde.
Bewerbungsprozess
Der Prozess ist für alle Coaching-Stufen ähnlich aufgebaut, mit zunehmender Tiefe der Anforderungen je nach Stufe.
Schritt 1: Eignung prüfen. Selbstcheck über die Innosuisse-Website: Sitz in der Schweiz, Handelsregistereintrag, Alter, Innovationsbezug.
Schritt 2: Coach auswählen. Aus der akkreditierten Liste einen oder mehrere Coaches kontaktieren. Erstgespräch zur Klärung der Passung. Coach erstellt ein Coaching-Konzept mit Zielen, Themen und geplantem Stundenaufwand.
Schritt 3: Antrag stellen. Über das Innosuisse-Portal: Unternehmensprofil, geplante Coaching-Themen, Coach-Auswahl, geplantes Stundenvolumen und Zeitrahmen. Bei höheren Stufen zusätzlich Geschäftsplan, Finanzplan, Wachstumsstrategie.
Schritt 4: Bewertung. Innosuisse prüft Eignung, Plausibilität der Coaching-Inhalte und Verhältnismässigkeit des Voucher-Volumens. Bearbeitungszeit typisch 4 bis 8 Wochen.
Schritt 5: Bewilligung und Voucher-Ausgabe. Bei Bewilligung wird der Voucher ausgestellt. Coaching kann beginnen.
Schritt 6: Durchführung. Coach und Startup arbeiten gemäss vereinbartem Plan. Stundenrapporte werden geführt und vom Startup bestätigt.
Schritt 7: Abrechnung. Coach rechnet quartalsweise oder monatlich gegenüber Innosuisse ab. Innosuisse zahlt direkt an den Coach. Startup zahlt ggf. Eigenanteil, falls Voucher das Stundenvolumen nicht voll abdeckt.
Schritt 8: Schlussbericht. Am Ende des Coaching-Engagements liefern Coach und Startup einen kurzen Bericht zu erreichten Zielen und Erkenntnissen.
| Schritt | Dauer | Tipp |
|---|---|---|
| Coach-Auswahl | 1–4 Wochen | Mindestens drei Coaches kontaktieren |
| Antragsvorbereitung | 1–2 Wochen | Konkrete Themen formulieren, nicht "allgemeine Beratung" |
| Bewertung Innosuisse | 4–8 Wochen | Keine Eile mit Coaching-Start |
| Coaching-Durchführung | 3–18 Monate | Stunden ehrlich rapportieren |
| Abrechnung und Bericht | 2–4 Wochen | Saubere Dokumentation erleichtert spätere Stufen |
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Strategischer Einsatz: welche Stufe in welcher Phase
Eine bewährte Sequenz für ein Schweizer Startup:
Jahr 0 bis 1: Initial Coaching. Geschäftsmodell schärfen, erste Validierung strukturieren, Pitch und Setup verbessern. Parallel: Venture Kick Stage 1 prüfen.
Jahr 1 bis 2: Innovation Mentoring (vor Startup Innovation Project). Bei klarem Innovationsprojekt im Plan: Innovation Mentoring zur Antragsvorbereitung. Dann Hauptantrag für Startup Innovation Project oder klassisches Innovationsprojekt.
Jahr 2 bis 3: Core Coaching. Mit ersten Umsätzen und konkretem Wachstumsplan: Core Coaching für Go-to-Market, Sales-Aufbau, Series-A-Vorbereitung.
Jahr 3 bis 4: Coaching kombiniert mit Innovationsprojekt 2. Falls weitere Forschungsschritte oder neue Produktentwicklungen anstehen: zweites Innosuisse-Innovationsprojekt mit Forschungspartner.
Jahr 4 bis 5: Scale-up Coaching. Bei substantiellem Wachstum und Internationalisierungsplan: Scale-up Coaching für globale Skalierung.
Über die fünf Jahre kann ein Startup so in Summe CHF 105'000 (CHF 5'000 + CHF 25'000 + CHF 75'000) an Coaching-Wert nutzen, plus mehrere Innovation Mentoring Vouchers und Innovationsprojekt-Finanzierungen.
Was Coaching nicht abdeckt
Innosuisse-Coaching ist auf strategische, unternehmerische und marktbezogene Themen ausgerichtet. Folgende Leistungen sind in der Regel ausgeschlossen:
- Operative Buchhaltungsführung oder Steuererklärung (gehört zum Treuhänder)
- Anwaltliche Vertretung in konkreten Rechtsstreitigkeiten
- Programmier- oder Entwicklungsdienstleistungen
- Marketingkampagnen-Durchführung
- Reine Bürodienstleistungen oder Sekretariat
- Standardausbildungen oder allgemeine Seminare
Coaching ist immer auf strategisch-konzeptionelle Arbeit ausgerichtet, mit messbaren Erkenntnissen und Entscheidungen am Ende.
Coach-Auswahl: was wirklich zählt
Sektor-Expertise. Ein generalistischer Coach mit 30 Jahren Erfahrung in Konsumgüter-Industrie hilft einem deep-tech-Startup nur begrenzt. Coaches mit konkreter Erfahrung im Sektor des Startups bringen mehr.
Phasen-Erfahrung. Manche Coaches sind stark bei Pre-Seed-Themen (Validierung, Pivot), andere bei Series-A-Vorbereitung. Der Coach sollte zur aktuellen Phase passen, nicht zu einer Phase, die weit weg liegt.
Operative Erfahrung. Coaches, die selbst gegründet, geleitet oder operativ Verantwortung getragen haben, sind oft praxisnäher als reine Berater.
Netzwerk. Ein Coach mit Zugang zu Investoren, ersten Kunden oder Beratern bringt indirekten Mehrwert über das eigentliche Coaching hinaus.
Stil und Chemie. Coaching ist auch eine zwischenmenschliche Arbeit. Wer mit dem Coach nicht kann, blockiert sich selbst.
Sprache. Die meisten akkreditierten Coaches arbeiten auf Deutsch, Französisch oder Englisch. Italienischsprachige Coaches sind seltener, aber vorhanden.
Vermeintliche Vermittler
Ein wachsendes Segment sind Beratungsfirmen, die Startups verkaufen, sie würden den Voucher "für sie regeln". Innosuisse ist selbst zugänglich; der Aufwand der Antragstellung ist überschaubar. Wer signifikante Anteile des Vouchers an Vermittlungsmodelle abgibt, verringert den effektiven Coaching-Wert.
Häufige Fehler
Zu allgemeine Coaching-Themen. "Wir wollen wachsen" ist zu breit. Konkretes Ziel: "Wir wollen in 12 Monaten von CHF 50'000 ARR auf CHF 300'000 ARR kommen, dazu brauchen wir Coaching in Vertrieb und Pricing."
Coach gewählt aus Bequemlichkeit. Ein Coach aus dem persönlichen Netzwerk wird häufiger gewählt, auch wenn er fachlich nicht der beste ist. Ergebnis: Coaching erreicht weniger.
Stundenrapporte unsauber. Innosuisse prüft Stundenrapporte stichprobenartig. Wer hier schlampt, riskiert Rückforderung des Vouchers.
Coaching ohne Folgeschritte. Coaching liefert Erkenntnisse, aber Umsetzung muss das Startup leisten. Wer nach Coaching nicht handelt, verschwendet den Voucher.
Nur eine Stufe nutzen. Die volle Wirkung der Coaching-Förderung entsteht über mehrere Stufen, nicht über eine einzelne. Wer nur Initial Coaching nutzt, lässt CHF 100'000 an Förderung über fünf Jahre liegen.
Kombination mit anderen Programmen
Innosuisse Coaching ist kompatibel mit anderen Förderprogrammen:
| Programm | Kompatibilität | Anmerkung |
|---|---|---|
| Innosuisse Innovationsprojekt | Ja | Coaching auf strategischer Ebene, Innovationsprojekt auf F&E-Ebene |
| Startup Innovation Project | Ja | Beide gleichzeitig möglich, klar abgrenzen |
| Venture Kick | Ja | Häufig kombiniert: Venture Kick bringt Cash, Coaching das Know-how |
| Kantonale Förderung | Ja | Doppelfinanzierung gleicher Themen vermeiden |
| EU-Programme (EIC, Eurostars) | Ja | Innovation Mentoring kann EU-Anträge vorbereiten |
Checkliste: Coaching-Voucher optimal nutzen
- Klare Ziele formulieren. Was soll am Ende des Coachings konkret anders sein?
- Drei Coach-Profile vergleichen. Sektor, Phase, Stil, Netzwerk, Sprache.
- Stundenvolumen realistisch einschätzen. Lieber leicht überdimensioniert beantragen, ungenutzte Stunden verfallen.
- Stundenrapporte führen. Sauber, zeitnah, mit Inhaltsbeschreibung.
- Erkenntnisse dokumentieren. Was wurde gelernt, welche Entscheidungen wurden getroffen?
- Umsetzung planen. Coaching ist nur wertvoll, wenn die Erkenntnisse in Handlungen übersetzt werden.
- Nächste Stufe vorbereiten. Wer Initial abschliesst, sollte mit dem Coach auch Core und Scale-up im Auge haben.
Innosuisse
Schweizerische Agentur für Innovationsförderung
Coaching-Vouchers bis CHF 75'000 (Scale-up)
Venture Kick
Komplementäre Startup-Förderung mit eigenem Coaching-Anteil
Bis CHF 150'000 in drei Stufen
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Haeufige Fragen
Welche Coaching-Stufe ist die richtige für mein Startup?
Wie wird das Coaching ausgezahlt?
Wer sind die zertifizierten Innosuisse-Coaches?
Können Coaching-Stufen kombiniert oder übersprungen werden?
Wie unterscheidet sich Innovation Mentoring vom Innovation Coaching?
Wie lange dauert ein Coaching-Engagement?
Sarah Brunner
Steuer- und Sozialversicherungsrecht
Sarah Brunner schreibt zu MWST, AHV und der direkten Bundessteuer. Sie hat einen Abschluss in Steuerrecht und mehrere Jahre Beratungspraxis.