Finanzierung

Eurostars-3 für Schweizer KMU: 50 Prozent Förderung über internationales Konsortium

14. Mai 20268 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Eurostars-3 ist das grösste internationale Förderprogramm für KMU mit grenzüberschreitenden F&E-Projekten und umfasst 37 Teilnehmerländer.
  • Innosuisse stellt rund CHF 7 Mio. pro Cut-off zur Verfügung und übernimmt bis zu 50 Prozent der Projektkosten Schweizer KMU.
  • Das Konsortium muss mindestens zwei unabhängige Organisationen aus zwei Eurostars-Ländern umfassen; KMU müssen mindestens 50 Prozent des Gesamtbudgets tragen.
  • Cut-offs 2026: Call 10 schliesst am 19. März 2026, Call 11 am 10. September 2026 (jeweils 14:00 Uhr MEZ).
  • Schweizer KMU erreichten unter Eurostars-2 mit 33,2 Prozent eine der höchsten Erfolgsquoten Europas (Platz 2 nach den Niederlanden).

Eurostars-3 ist die dritte Auflage des grössten internationalen Förderprogramms speziell für innovative KMU mit grenzüberschreitenden Forschungsprojekten. Die Schweiz nimmt über Innosuisse als nationale Förderagentur teil und stellt rund CHF 7 Mio. pro Cut-off zur Verfügung. Mit der rückwirkenden Re-Assoziierung an Horizon Europe per 1. Januar 2025 ist die Schweiz wieder vollwertiges Mitglied im Eurostars-Verbund.

Dieser Artikel erklärt, wie Eurostars-3 funktioniert, welche Konsortienregeln gelten, welche Cut-off-Termine 2026 anstehen und woran Schweizer Anträge typisch scheitern.

Re-Assoziierung an Horizon Europe seit 2025

Schweizer KMU sind seit dem Programmjahr 2025 wieder gleichberechtigte Eurostars-Teilnehmer. Die SBFI-Übergangsmassnahmen 2021 bis 2024 sind für neue Anträge abgelöst; Innosuisse finanziert direkt nach Eurostars-Regeln, und Schweizer Konsortialpartner zählen vollwertig als EU-bzw.-assoziierte Partner.

Was Eurostars-3 ist und wer dahinter steht

Eurostars-3 ist ein gemeinsames Förderinstrument des EUREKA-Netzwerks und der Europäischen Kommission. Es wird im Rahmen von Horizon Europe ko-finanziert und richtet sich gezielt an KMU, die in einem internationalen Konsortium ein marktreifes Innovationsprojekt entwickeln wollen.

Das Programm hat 37 Teilnehmerländer: alle EU-Mitgliedstaaten, mehrere assoziierte Länder wie Norwegen, Israel und die Schweiz sowie weltweit Partnerstaaten wie Südkorea, Singapur, Kanada, Türkei und Südafrika. Pro Jahr finden zwei Cut-offs statt; Innosuisse zahlt die Schweizer Anteile direkt aus dem nationalen Budget.

Was Eurostars-3 fördert:

  • Grenzüberschreitende F&E-Projekte unter KMU-Führung
  • Marktnahe Innovationen mit klarem Time-to-Market (in der Regel 24 Monate nach Projektende)
  • Personal- und Sozialkosten der projektbeteiligten Mitarbeitenden
  • Verbrauchsmaterial und projektnotwendige Reisekosten
  • Externe Auftragsforschung in begrenztem Rahmen

Was nicht förderfähig ist:

  • Reine Markteinführungs-, Marketing- oder Vertriebskosten
  • Standard-Produktentwicklung ohne F&E-Anteil
  • Doppelfinanzierung von Kosten, die bereits über andere Programme abgedeckt sind
  • Investitionsgüter ohne klaren Projektbezug

Konsortienregeln: Wer darf mitmachen

Die Eurostars-3-Regeln sind streng und werden in der Evaluation hart geprüft. Wer sie verletzt, wird vor der inhaltlichen Bewertung disqualifiziert.

Mindestanforderungen:

  • Mindestens zwei unabhängige Organisationen aus mindestens zwei Eurostars-Ländern
  • Mindestens ein Konsortialpartner muss aus einem EU-Mitgliedstaat oder einem an Horizon Europe assoziierten Land stammen
  • Das Konsortium wird von einem innovativen KMU aus einem Eurostars-Land geführt
  • Die KMU im Konsortium tragen gemeinsam mindestens 50 Prozent der gesamten Projektkosten
  • Kein einzelner Partner darf mehr als 70 Prozent des Budgets beanspruchen

Was als KMU zählt: Die Schweiz folgt der EU-Definition: weniger als 250 Mitarbeitende, Jahresumsatz höchstens EUR 50 Mio. oder Bilanzsumme höchstens EUR 43 Mio. Schweizer KMU müssen im Handelsregister eingetragen sein. Die maximale Projektdauer beträgt 36 Monate.

Wer als Schweizer Partner mitmacht: Schweizer KMU im klassischen Sinne (GmbH, AG, Genossenschaft mit Sitz in der Schweiz). Schweizer Forschungsinstitutionen können als zusätzliche Konsortialpartner teilnehmen, dürfen die KMU-Quote aber nicht unterlaufen.

Förderung im Detail: Was Innosuisse zahlt

Innosuisse finanziert die Schweizer Anteile direkt nach den nationalen Eurostars-Regeln. Die Förderquote beträgt bis zu 50 Prozent der projektbezogenen Kosten eines Schweizer KMU.

PositionFörderfähigkeitAnmerkung
Personalkosten F&E-Mitarbeitendejainkl. Sozialabgaben, marktüblicher Lohn
Verbrauchsmaterialjadirekt projektbezogen
Reisekostenjaprojektnotwendig, dokumentiert
Externe Auftragsforschungbegrenztnur in definierten Anteilen
Investitionsgüterneinnur über Abschreibungsanteile
Marketing und VertriebneinMarkteinführung nicht förderfähig
Overheadpauschalnach Innosuisse-Pauschalansatz

Pro Cut-off stehen rund CHF 7 Mio. für Schweizer Beteiligungen zur Verfügung. Wer CHF 500'000 oder mehr beantragt, muss vor der Eingabefrist zusätzliche nationale Unterlagen bei Innosuisse einreichen (Marktanalyse, Verwertungsplan, Eigenfinanzierungsnachweis).

Kein retroaktiver Förderbeginn

Kosten, die vor dem offiziellen Projektstart entstehen, sind nicht förderfähig. Der offizielle Projektstart liegt typisch sechs bis neun Monate nach der Cut-off-Frist. Wer früher mit der Arbeit beginnt, finanziert diese Phase aus eigenen Mitteln.

Cut-off-Termine 2026

Eurostars-3 hat zwei feste Einreichfenster pro Jahr. Beide Cut-offs werden vom EUREKA-Sekretariat zentral verwaltet, der Schweizer Anteil läuft parallel über Innosuisse.

CallEröffnungDeadlineGeplanter Projektstart
Call 10 (Frühjahr 2026)16. Januar 202619. März 2026, 14:00 MEZHerbst 2026
Call 11 (Herbst 2026)9. Juli 202610. September 2026, 14:00 MEZAnfang 2027

Nach Eingabeschluss durchläuft jedes Projekt eine rund viermonatige Evaluation. Die Förderzusage erfolgt danach, der formale Vertrag wird mit Innosuisse abgeschlossen, und der Projektstart wird mit allen Konsortialpartnern koordiniert.

Der Bewerbungsprozess Schritt für Schritt

Schritt 1: Konsortium aufbauen (3 bis 6 Monate)

Der zeitlich anspruchsvollste Teil. Eine belastbare KMU-geführte Partnerschaft mit Komplementaritäten in Technologie, Markt und geografischer Reichweite ist nicht in zwei Wochen aufgesetzt.

Wo Schweizer KMU geeignete Partner finden:

  • Über die EUREKA-Partner-Suche auf eurekanetwork.org
  • Über das Innosuisse-Netzwerk (Innovation Mentoring, Eureka-Beratung)
  • Über Branchenverbände und internationale Konferenzen
  • Über bestehende Kunden-, Lieferanten- und Forschungsbeziehungen

Schritt 2: Projekt schärfen und Antrag erstellen (6 bis 10 Wochen)

Der Antrag erfolgt online über die Plattform myeurekaproject.org. Die federführende KMU reicht ein, alle Konsortialpartner liefern ihre Teile zu. Sprachen: Englisch (verbindlich für die Eurostars-Evaluation).

Bestandteile eines Antrags:

  • Projektbeschreibung mit klaren F&E-Fragen, Innovationsgrad und State of the Art
  • Arbeitspakete, Meilensteine, Lieferobjekte
  • Konsortium und Rollenverteilung
  • Marktanalyse mit nachweisbaren Quellen
  • Verwertungsplan und IP-Strategie
  • Detailbudget pro Partner inklusive Förderquote

Schritt 3: Doppel-Evaluation (rund 4 Monate)

EUREKA-Sekretariat: zentrale Bewertung durch unabhängige Experten anhand von zwölf Kriterien (Innovationsgrad, technische Machbarkeit, Marktpotenzial, Wettbewerbsvorteil, Konsortialqualität, Verwertbarkeit). Eine Mindestpunktzahl pro Kriterium ist Voraussetzung.

Innosuisse parallel: nationale Förderbarkeitsprüfung der Schweizer Partner (Eligibility, Budgetplausibilität, Verwertungsplan, Eigenmittelnachweis).

Schritt 4: Förderzusage und Vertrag (4 bis 8 Wochen)

Bei positiver Evaluation erhalten die Schweizer Partner eine Förderzusage von Innosuisse. Der Fördervertrag wird bilateral abgeschlossen; jeder Konsortialpartner verhandelt seine nationalen Bedingungen separat. Parallel unterzeichnen alle Partner ein Konsortialvereinbarung (Consortium Agreement), die Rollen, IP, Vertraulichkeit und Verwertung regelt.

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Erfolgsquoten und Kennzahlen

Schweizer KMU schneiden in Eurostars überdurchschnittlich gut ab. Unter Eurostars-2 erreichte die Schweiz mit 33,2 Prozent eine der höchsten Erfolgsquoten Europas, Platz 2 nach den Niederlanden.

2024 förderte Innosuisse 38 Eurostars-Projekte mit insgesamt CHF 12,7 Mio. Die Anzahl Schweizer Anträge stieg gegenüber 2023 um 45 Prozent, was auf den steigenden Bekanntheitsgrad nach der Re-Assoziierung an Horizon Europe zurückzuführen ist.

Die hohe Erfolgsquote ist kein Zufall: Schweizer Anträge werden vor der Einreichung intensiv mit Innosuisse-Beratern vorbereitet. Wer diese kostenlose Beratung in Anspruch nimmt, verbessert seine Chancen erheblich.

Häufige Fehler bei Eurostars-3-Anträgen

Schwaches Geschäftsmodell: Reine technische Innovation ohne klare Markthypothese, ohne nachweisbare Kundennachfrage und ohne Pricing-Logik. Die Eurostars-Evaluation gewichtet Marktnähe stark.

70-Prozent-Regel verletzt: Ein Konsortialpartner trägt mehr als 70 Prozent des Budgets. Häufig passiert das, wenn ein dominanter Schweizer Partner mit zwei kleinen Partnern aus anderen Ländern arbeitet, die formal mitmachen, aber wenig beitragen.

KMU-Quote unter 50 Prozent: Wenn ein Forschungsinstitut oder ein grösseres Unternehmen den Hauptanteil trägt, fällt das Projekt aus den Eurostars-Kriterien. Die KMU müssen gemeinsam mindestens die Hälfte stemmen.

Unrealistische Time-to-Market-Annahmen: Eurostars-3 erwartet Marktreife innerhalb von 24 Monaten nach Projektende. Projekte mit längeren regulatorischen Pfaden (Medizinprodukte, Pharma) müssen das transparent ausweisen und einen plausiblen Pfad zeigen.

Schweizer Zusatzunterlagen vergessen: Wer als Schweizer Partner CHF 500'000 oder mehr beantragt, muss vor der Eingabefrist zusätzliche nationale Unterlagen einreichen. Wer das übersieht, riskiert, dass der Schweizer Anteil bei sonst positiver Evaluation nicht finanziert wird.

Eurostars-Beratung bei Innosuisse vor Antragstellung

Innosuisse bietet kostenlose Beratungsgespräche zu Eurostars-3 an. Diese Beratung deckt sowohl die nationalen Eligibility-Fragen als auch die Konsortialstrategie ab. Schweizer Anträge mit dokumentierter Vorab-Beratung haben deutlich höhere Erfolgsquoten als Direkteinreichungen.

Eurostars-3 in Kombination mit anderen Instrumenten

Eurostars-3 lässt sich gut mit anderen Schweizer Förderinstrumenten kombinieren, sofern keine Doppelfinanzierung derselben Kosten entsteht.

  • Innosuisse-Innovationsprojekte: Können parallel laufen, sofern thematisch und kostenmässig sauber abgegrenzt
  • Venture Kick: Komplementär; Venture Kick finanziert das Unternehmen direkt, Eurostars-3 das Innovationsprojekt
  • EIC Accelerator: Möglich für unterschiedliche Projektphasen; EIC Accelerator deckt typisch grössere Equity-Investments ab
  • Kantonale Förderprogramme: Häufig zusätzlich nutzbar, sofern keine Kostenüberlappung

Ressourcen für Schweizer Eurostars-3-Antragsteller

  • Innosuisse Eurostars-Seite: Aktuelle Cut-off-Termine, Funding Conditions, Beratungskontakte
  • Eureka Network Portal: myeurekaproject.org für die Antragstellung, eurekanetwork.org für Partnersuche und Programmübersicht
  • Euresearch: Schweizer Beratungsorganisation für Horizon Europe und assoziierte Programme
  • KMU Portal des Bundes: Übersicht aller Bundesinstrumente für Schweizer KMU

Innosuisse

Schweizer Förderagentur, nationale Anlaufstelle für Eurostars-3

Bis 50% der Projektkosten Schweizer KMU

Innosuisse-Eurostars-Seite aufrufen

Eureka Project Portal

Antragsplattform und Partnersuche für Eurostars-3

Antragsstellung kostenlos

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Haeufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Eurostars-3 und einem regulären Innosuisse-Innovationsprojekt?
Ein Innosuisse-Innovationsprojekt fördert eine bilaterale Zusammenarbeit zwischen einem Schweizer Unternehmen und einem Schweizer Forschungspartner. Eurostars-3 fördert ein internationales Konsortium aus mindestens zwei unabhängigen Organisationen in mindestens zwei Eurostars-Ländern. Im Eurostars-Projekt muss mindestens ein KMU die Konsortialführung übernehmen, und die Marktreife muss innerhalb von 24 Monaten nach Projektende erreichbar sein.
Wie hoch ist die Förderung pro Schweizer Partner konkret?
Innosuisse übernimmt bis zu 50 Prozent der projektbezogenen Kosten eines Schweizer KMU. Förderfähig sind Personal- und Sozialkosten von F&E-Mitarbeitenden, projektnotwendige Reisekosten sowie Verbrauchsmaterial. Wer CHF 500'000 oder mehr beantragt, muss vor der Eingabefrist Zusatzunterlagen bei Innosuisse einreichen. Pro Cut-off stehen rund CHF 7 Mio. zur Verteilung.
Wie lange dauert die Evaluation eines Eurostars-3-Antrags?
Vom Einreichdatum bis zur formellen Förderzusage vergehen rund vier Monate. Das EUREKA-Sekretariat koordiniert eine zentrale Evaluation durch unabhängige Experten anhand von zwölf Kriterien. Innosuisse führt parallel eine nationale Förderbarkeitsprüfung durch. Erfolgreiche Projekte starten in der Regel rund sechs bis neun Monate nach der Cut-off-Frist.
Können auch Forschungsinstitutionen am Projekt teilnehmen?
Ja, aber das Konsortium muss von einem KMU geführt werden, und die KMU müssen gemeinsam mindestens 50 Prozent des Projektbudgets tragen. Forschungspartner, Universitäten oder grössere Unternehmen können als zusätzliche Konsortialpartner teilnehmen, dürfen die KMU-Quote aber nicht unterlaufen. Kein einzelner Partner darf mehr als 70 Prozent des Budgets beanspruchen.
Welche Länder zählen zu Eurostars und kann ich mit Partnern ausserhalb Europas arbeiten?
Eurostars-3 umfasst 37 Mitgliedsländer, darunter alle EU-Staaten, Norwegen, Israel, Südkorea, Singapur, Kanada, Türkei, Südafrika und natürlich die Schweiz. Eines der Konsortialmitglieder muss aus einem EU-Mitgliedstaat oder einem an Horizon Europe assoziierten Land stammen. Für ausschliessliche Partnerschaften mit Ländern wie Japan oder Brasilien sind die EUREKA Globalstars und bilaterale Calls die richtige Schiene.
Was sind häufige Ablehnungsgründe bei Eurostars-3?
Vier Muster wiederholen sich: schwaches Geschäftsmodell ohne klaren Marktzugang, ungleiche Beitragsverteilung im Konsortium (70-Prozent-Regel verletzt), zu schwache KMU-Quote unter 50 Prozent und unrealistische Kommerzialisierungsannahmen ohne belegbare Kundenpipeline. Schweizer Antragsteller scheitern zusätzlich häufig an unvollständigen nationalen Zusatzunterlagen bei Förderhöhen ab CHF 500'000.
Michael Bauer

Michael Bauer

Startup-Finanzierung und Investoren

Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.