Finanzierung
EUREKA Network Projects: Bilaterale F&E-Förderung jenseits von Horizon Europe
Das Wichtigste in Kürze
- EUREKA ist die zwischenstaatliche Innovations-Plattform mit 47 Mitgliedsländern; die Schweiz hat von Juli 2025 bis Juni 2026 den Vorsitz inne.
- Innosuisse stellt 2026 weder für Network Projects noch für die Eureka Cluster eigene Mittel bereit; Eurostars-3 ist die offiziell empfohlene Alternative.
- Network Projects haben rollende Einreichung; Cluster-Calls (Xecs, ITEA, EUROGIA, CELTIC-NEXT, SMART) und bilaterale Calls haben fixe Termine.
- Bilaterale Calls 2026: Schweiz-Korea (Februar bis Mai 2026), Schweiz-UK (Juli bis September 2026); IraSME pausiert.
- Wenn Innosuisse-Mittel verfügbar sind, gelten Innovations-Projekt-Regeln: bis zu 70 Prozent der Kosten Schweizer Teilnehmer ohne festes Maximum, 6 bis 36 Monate Laufzeit.
EUREKA ist die zwischenstaatliche Innovations-Plattform mit 47 Mitgliedsländern. Die Schweiz hat von Juli 2025 bis Juni 2026 den EUREKA-Vorsitz inne und ist über Innosuisse vertreten. Aber: Für Network Projects und die Eureka Cluster stellt Innosuisse 2026 keine eigenen Mittel bereit; Eurostars-3 ist die offiziell empfohlene Alternative.
Dieser Artikel erklärt das EUREKA-Programmportfolio, wann sich Network Projects, Cluster oder bilaterale Calls für Schweizer KMU lohnen und wo die nationale Finanzierung 2026 pausiert.
Innosuisse pausiert Network Projects und Cluster für 2026
Wer 2026 ein EUREKA Network Project oder eine Cluster-Beteiligung mit Schweizer Beteiligung plant, sollte vorab mit eureka@innosuisse.ch klären, ob nationale Mittel überhaupt verfügbar sind. Aktuell verweist Innosuisse Antragsteller explizit auf Eurostars-3 als Alternative. Ein Konsortium ohne nationale Finanzierung der Schweizer Partner aufzubauen ist verlorene Zeit.
Was EUREKA ist und wie es organisiert ist
EUREKA wurde 1985 als gesamteuropäische Initiative für anwendungsnahe Forschung gegründet. Die Plattform ist zwischenstaatlich, nicht EU-finanziert; jedes Mitgliedsland beteiligt sich freiwillig und finanziert seine eigenen Konsortialpartner nach nationalen Regeln (Variable-Geometry-Prinzip).
Heute umfasst EUREKA 47 Mitgliedsländer: alle EU-Staaten, mehrere assoziierte Länder, Israel, Türkei, Kanada, Südkorea, Singapur, Südafrika und weitere globale Partner. Die Schweiz hat von Juli 2025 bis Juni 2026 den Vorsitz inne, vertreten durch Innosuisse; das SBFI verantwortet die strategische Aufsicht.
Das EUREKA-Programmportfolio im Überblick
EUREKA bündelt mehrere Förderlinien, die strikt unterschieden werden müssen. Wer die falsche Schiene wählt, bewirbt sich auf das falsche Geld.
| Förderlinie | Logik | Einreichung | Schweizer Status 2026 |
|---|---|---|---|
| Network Projects | Bottom-up, themenoffen | rollend (jederzeit) | Innosuisse pausiert |
| Eurostars-3 | KMU-geführt, EU-ko-finanziert | 2 Cut-offs pro Jahr | Innosuisse aktiv (rd. CHF 7 Mio. pro Cut-off) |
| Eureka Clusters (Xecs, ITEA, EUROGIA, CELTIC-NEXT, SMART) | Top-down, thematisch | fixe Cluster-Calls | Innosuisse pausiert |
| Globalstars | bilateral mit Nicht-Europa | fixe bilaterale Calls | Land-spezifisch |
| Bilaterale Calls | bilateral zwischen 2 Ländern | fixe Calls | teils offen, teils pausiert |
Network Projects: generischer, themenoffener Bottom-up-Kanal. Konsortien aus mindestens zwei EUREKA-Ländern definieren ihr Projekt frei und reichen jederzeit ein. Wenn jede beteiligte Förderagentur nationale Mittel bereitstellt, wird das Projekt finanziert.
Eureka Clusters: thematische Top-down-Programme mit eigenen Vorständen aus Industrie und Forschung. Die fünf aktiven Cluster sind: Xecs (Mikroelektronik), ITEA (Software), EUROGIA (Dekarbonisierung), CELTIC-NEXT (Telekommunikation) und SMART (Advanced Manufacturing). Die aktuelle Cluster-Programmperiode läuft vom 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2032.
Globalstars: EUREKA-Initiative für bilaterale F&E-Calls mit Partnerländern ausserhalb Europas (Singapur, Südafrika, Indien u.a.).
Bilaterale Calls: zwischen zwei EUREKA-Mitgliedsländern, koordiniert durch die nationalen Förderagenturen. Schweiz-Korea und Schweiz-UK sind 2026 die wichtigsten für Schweizer Teilnehmer.
Was Network Projects sind und wie sie funktionieren
Network Projects sind das flexibelste EUREKA-Instrument. Das Konsortium definiert das Thema selbst, es gibt keine inhaltliche Vorgabe.
Anforderungen an ein Network Project:
- Konsortium aus mindestens zwei unabhängigen Organisationen aus mindestens zwei verschiedenen EUREKA-Ländern
- Ein KMU-Anteil ist nicht zwingend, aber häufig faktisch gegeben
- Marktorientiertes F&E-Projekt mit klarem Verwertungspfad
- Projektdauer 6 bis 36 Monate
Schweizer Konsortialregeln (wenn Innosuisse-Mittel verfügbar wären):
- Mindestens ein Schweizer Umsetzungspartner (KMU oder grösseres Unternehmen)
- Ein Schweizer Forschungspartner ist die Regel; Pre-Market-Startups können vom Forschungspartner-Erfordernis befreit werden
- Mindestens ein Partner aus einem anderen EUREKA-Land
Förderquote (wenn Mittel verfügbar): bis zu 70 Prozent der Kosten Schweizer Teilnehmer, kein finanzielles Maximum. Förderbar sind Personal-, Sach- und Reisekosten direkt im Zusammenhang mit dem Projekt.
Einreichung: rollend, ohne fixe Frist. Anträge werden über das Eureka-Portal myeurekaproject.org eingereicht und parallel den nationalen Förderagenturen vorgelegt.
Eureka Clusters: Themenfelder und Calls
Die fünf aktiven Eureka Clusters publizieren regelmässig thematische Calls. Wer in den entsprechenden Branchen arbeitet, sollte die Cluster-Webseiten beobachten und sich auf den Mailverteiler setzen.
| Cluster | Branche | Typische Projektgrösse |
|---|---|---|
| Xecs | Mikroelektronik, Embedded Systems | EUR 2 bis 20 Mio. Konsortialbudget |
| ITEA | Software-Innovation | EUR 5 bis 30 Mio. Konsortialbudget |
| EUROGIA | Dekarbonisierung, Energie | EUR 1 bis 10 Mio. Konsortialbudget |
| CELTIC-NEXT | Telekommunikation, 5G/6G, Edge | EUR 2 bis 15 Mio. Konsortialbudget |
| SMART | Advanced Manufacturing, Industrie 4.0 | EUR 1 bis 10 Mio. Konsortialbudget |
Die aktuelle Cluster-Programmperiode läuft bis zum 30. Juni 2032. Pro Jahr publiziert jeder Cluster typisch ein bis zwei Calls.
Wichtig 2026: Innosuisse stellt aktuell keine nationalen Mittel für die Eureka Clusters bereit. Schweizer Partner können trotzdem Konsortialmitglied werden, müssen ihre Kosten aber selbst finanzieren oder über andere Schweizer Programme abdecken (z.B. Innosuisse-Innovationsprojekte mit thematischer Anknüpfung, kantonale Förderungen).
Bilaterale Calls 2026
Bilaterale Calls werden zwischen zwei EUREKA-Mitgliedsländern und ihren nationalen Förderagenturen koordiniert. 2026 sind für die Schweiz folgende Schienen offen oder geplant:
| Bilateraler Call | Partnerland | Eingabefenster 2026 |
|---|---|---|
| Schweiz-Korea | Korea (KIAT) | Februar bis Mai 2026 |
| Schweiz-UK | UK (Innovate UK) | Juli bis September 2026 |
| Eureka Biotech Call | mehrere Länder | Deadline 25. September 2026 |
| Schweiz-Brasilien | Brasilien | 2025 ausgesetzt |
| IraSME | Iran | pausiert |
Was bilaterale Calls auszeichnet: Beide nationalen Förderagenturen einigen sich vorab auf gemeinsame Spielregeln, Förderquoten, Themenfelder und Einreichprozesse. Für die Konsortien bedeutet das deutlich weniger Reibung als bei rein bottom-up koordinierten Projekten.
Schweiz-Korea (KIAT): seit Jahren etablierte Schiene mit Schwerpunkten in Mikroelektronik, Mobilität und Digital Health. Innosuisse und KIAT bewerten Anträge parallel und einigen sich vor Förderzusage.
Schweiz-UK (Innovate UK): vergleichsweise junge Schiene seit 2024. Innovate UK ist ein erfahrener Partner; das Eingabefenster Juli bis September 2026 ist die zweite Auflage seit Re-Aufnahme der bilateralen Beziehung.
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Wann EUREKA, wann Eurostars, wann Horizon Europe?
Schweizer KMU haben 2026 mehrere internationale Förderoptionen, die sich überlappen. Eine kurze Entscheidungslogik:
Eurostars-3 wenn:
- Konsortium ist KMU-geführt
- Zwei bis vier Partner
- Time-to-Market unter 24 Monate nach Projektende
- Marktnähe steht im Vordergrund
EUREKA Network Projects (sobald Innosuisse wieder finanziert) wenn:
- Maximale thematische Flexibilität gewünscht
- Höhere Förderquote als Eurostars (70 statt 50 Prozent)
- Konsortialgrösse und -struktur frei wählbar
- Längere F&E-Phase ohne unmittelbaren Marktdruck
Eureka Clusters wenn:
- Branche fällt klar in einen Cluster (Mikroelektronik, Software, Energie, Telco, Manufacturing)
- Konsortium ist gross (oft 5 bis 15 Partner)
- Strategische industrielle Beteiligung wichtig
Horizon Europe wenn:
- Forschungsverbund ab fünf Partnern
- Zugang zu ERC, MSCA, EIC Accelerator nötig
- Volle EU-Ko-Finanzierung gewünscht
Bilaterale Calls wenn:
- Spezifischer Partner in einem Schweiz-bilateralen Land
- Themenfeld passt zum Call
Schweizer EUREKA-Vorsitz Juli 2025 bis Juni 2026
Während der Schweizer Vorsitzperiode hat Innosuisse die strategische Agenda-Setzung im EUREKA-Netzwerk übernommen. Schwerpunkte: Stärkung der Eurostars-Programmlinie, Vorbereitung der nächsten Cluster-Generation und Dialog zwischen EUREKA und Horizon Europe. Für Schweizer KMU bedeutet das: erhöhte Sichtbarkeit gegenüber europäischen Partnern; eine gute Zeit, internationale Konsortien aufzubauen.
Bewerbungsprozess: Network Projects in der Praxis
Falls Innosuisse die nationale Finanzierung wieder aufnimmt oder ein Schweizer Partner über andere Quellen finanziert wird, läuft die Bewerbung typisch so ab:
Schritt 1: Projektidee und Konsortium
Bottom-up-Konsortien wachsen oft aus bestehenden Forschungs- oder Kundenbeziehungen. Wo neue Partner gesucht werden:
- Eureka Network Partner Search (eurekanetwork.org)
- Branchenverbände und internationale Konferenzen
- Innosuisse-Eureka-Beratung (Vorab-Check)
Schritt 2: Project Outline mit Eureka-Sekretariat klären
Vor dem Vollantrag empfiehlt das Eureka-Sekretariat eine kurze Projekt-Outline. Sie dient zwei Zwecken: Eligibility-Check und Vorabklärung mit den nationalen Förderagenturen, ob nationale Mittel verfügbar wären.
Schritt 3: Vollantrag
Antragstellung über myeurekaproject.org. Inhaltliche Bestandteile sind ähnlich wie bei Eurostars: Projektbeschreibung, Arbeitspakete, Konsortium, Marktanalyse, IP-Strategie, Detailbudget pro Partner.
Schritt 4: Doppel-Evaluation
Eureka-Sekretariat: technische und wirtschaftliche Evaluation durch unabhängige Experten. Nationale Förderagenturen: Förderbarkeitsprüfung der jeweiligen Konsortialpartner.
Schritt 5: Eureka-Label und nationale Finanzierungsentscheide
Bei positiver Eureka-Evaluation erhält das Projekt das offizielle Eureka-Label, das die internationale Anerkennung dokumentiert. Die nationalen Förderagenturen entscheiden parallel über die Finanzierung ihrer Konsortialpartner. Ein Eureka-Label ohne nationale Finanzierung ist möglich, aber praktisch nutzlos.
Häufige Fehler bei EUREKA-Anträgen
Innosuisse-Status nicht vorab geklärt: Der Klassiker 2026. Konsortien werden aufgebaut und Anträge geschrieben, ohne zu wissen, dass Innosuisse für Network Projects und Cluster pausiert. Eine Frühabklärung mit eureka@innosuisse.ch erspart Monate.
Falsche Förderschiene gewählt: Ein KMU-geführtes Konsortium mit klarem Marktfokus passt zu Eurostars-3, nicht zu Network Projects. Wer die falsche Schiene wählt, kämpft mit unpassenden Evaluationskriterien.
Konsortium ohne Komplementarität: Drei ähnliche Partner aus drei Ländern ergeben kein gutes Eureka-Projekt. Die Konsortialqualität wird zentral bewertet, und Komplementarität (Technologie, Markt, Geografie) zählt mehr als Anzahl.
Marktanalyse zu vage: Wie bei Eurostars erwarten Eureka-Gutachter eine belastbare Marktanalyse mit Quellen, nicht generische Aussagen zur Marktgrösse.
Verwertungsplan fehlt: Eureka-Projekte sind marktorientiert, nicht Grundlagenforschung. Wer keinen klaren Verwertungspfad zeigt, fällt in der Evaluation durch.
Ressourcen für Schweizer EUREKA-Antragsteller
- Innosuisse Eureka-Beratung: eureka@innosuisse.ch für Vorab-Check und Eligibility-Klärung
- Eureka Network Portal: eurekanetwork.org für Partnersuche, Programmübersicht und Calls
- Cluster-Webseiten: Xecs (xecs-eureka.com), ITEA (itea4.org), EUROGIA (eurogia.com), CELTIC-NEXT (celticnext.eu), SMART (smarteureka.com)
- SBFI: strategische Aufsicht, internationale Innovationspolitik
- Euresearch: Schweizer Beratungsorganisation für internationale F&E-Programme
EUREKA Network
Zwischenstaatliche Innovations-Plattform mit 47 Mitgliedsländern
Förderquote variiert je nach Land
Innosuisse Eureka-Stelle
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Haeufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen EUREKA Network Projects, Eurostars und Eureka Clusters?
Kann ein Schweizer KMU 2026 ein Eureka Network Project mit Innosuisse-Förderung machen?
Was sind bilaterale Calls und welche sind 2026 offen?
Wie funktioniert das Variable-Geometry-Prinzip bei EUREKA?
Wann lohnt sich EUREKA gegenüber Eurostars oder Horizon Europe?
Was ist Globalstars und für wen ist es relevant?
Michael Bauer
Startup-Finanzierung und Investoren
Michael Bauer analysiert Förderprogramme und Finanzierungsoptionen für Schweizer Startups. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet.