Banking

Zahlungslösungen für Schweizer Unternehmen 2026: Datatrans und Zettle im Vergleich

9. Mai 20266 min read

Das Wichtigste in Kürze

  • Schweizer Online-Shops brauchen zwingend TWINT: über 4 Millionen aktive Nutzer machen TWINT zur meistgenutzten mobilen Zahlungsmethode der Schweiz.
  • Datatrans ist der führende Schweizer Payment Service Provider für E-Commerce: zertifizierter TWINT-Acquirer, unterstützt PostFinance, alle Karten und digitale Wallets.
  • Zettle by PayPal eignet sich für den stationären Verkauf: Kartenleser für CHF 79, keine Monatsgebühr, 1.75 Prozent pro Transaktion, aber kein TWINT.
  • Für einfachen Schweizer E-Commerce ohne Entwickler-Aufwand ist Payrexx die lokale Alternative: alle Schweizer Zahlungsmethoden inklusive, schnelles Setup.
  • Für internationales Geschäft und SaaS ist Stripe ideal: günstig, ausgezeichnete API, aber kein nativer TWINT-Support.

Wer in der Schweiz ein Unternehmen betreibt und Zahlungen entgegennehmen möchte, steht vor einer Besonderheit: Die Schweizer Zahlungslandschaft unterscheidet sich grundlegend von Deutschland oder dem restlichen Europa. TWINT, PostFinance Card und die QR-Rechnung sind hierzulande gesetzt, und internationale Lösungen unterstützen diese oft nicht nativ.

Dieser Vergleich erklärt, welche Zahlungslösungen für Schweizer Unternehmen im E-Commerce und im stationären Handel passen, und warum die Wahl der falschen Lösung Kundschaft kostet.

Hinweis

Preise und Gebühren können sich ändern. Alle Angaben sind Richtwerte. Prüfen Sie aktuelle Konditionen direkt beim jeweiligen Anbieter.

Die Schweizer Zahlungslandschaft

Bevor Sie eine Lösung wählen, sind die Schweizer Besonderheiten entscheidend:

TWINT: Die dominierende mobile Zahlungsapp der Schweiz, entwickelt von Schweizer Banken und der PostFinance. Über 4 Millionen aktive Nutzer zahlen per QR-Code im Laden, per App-Link im Online-Shop oder per Beleg. Für Schweizer B2C-Geschäfte faktisch unverzichtbar.

PostFinance Card: Debitkarte der Schweizerischen Post, von Millionen Schweizern genutzt. Viele Haushalte bevorzugen PostFinance gegenüber Kreditkarten. Wer PostFinance nicht akzeptiert, verliert diese Kundschaft im Online-Shop.

QR-Rechnung: Seit 2022 verpflichtend für B2B-Rechnungen in der Schweiz. Für E-Commerce direkt weniger relevant, aber für die Rechnungsstellung via Buchhaltungssoftware (bexio, Klara) unerlässlich.

ISO 20022: Schweizer Standard für den elektronischen Zahlungsverkehr zwischen Banken (camt.054, pain.001). Relevant für die Buchhaltungsintegration, nicht direkt für die Kundenzahlung.

Zahlungslösungen im Überblick

AnbieterTypTWINTPostFinanceMonatsgebührTransaktionsgebühr
DatatransPSP (online)JaJaJa (nach Plan)Ca. 1.5–2.5 %
PayrexxPSP (online)JaJaAb CHF 5Ca. 1.9 % + Fix
StripePSP (online)NeinNeinNein1.5 % + CHF 0.25
ZettlePOS (stationär)NeinNeinNein1.75 %
SumUpPOS (stationär)JaNeinNein1.69 %

Datatrans: Schweizer Payment Gateway für E-Commerce

Datatrans ist der führende Schweizer Payment Service Provider für den Online-Handel, seit 2000 in Zürich ansässig und seit 2020 Teil der Worldline-Gruppe. Das Unternehmen bleibt als eigenständige Marke mit Schweizer Fokus aktiv und wird von grossen Schweizer Online-Shops, Hotels, Buchungsplattformen und Behörden eingesetzt.

Was Datatrans kann:

  • TWINT (zertifizierter Acquirer)
  • PostFinance (E-Finance und Debitkarte)
  • Visa, Mastercard, American Express
  • PayPal, Apple Pay, Google Pay
  • Klarna, Reka, Boncard, Lunch-Check
  • Sichere Tokenisierung für Abonnements und Wiederkäufe
  • 3D Secure 2.0 (SCA-konform nach PSD2)
  • PCI DSS Level 1 zertifiziert
  • REST-API mit umfangreicher Dokumentation
  • Plugins für WooCommerce, Magento, Shopify, PrestaShop

Pricing: Datatrans arbeitet mit individuellen Konditionen. Typisch sind eine monatliche Plattformgebühr sowie Transaktionsgebühren je nach Zahlungsmethode: Kreditkarten liegen erfahrungsgemäss bei ca. 1.5–2.5 %, TWINT ist günstiger. Genaue Konditionen erhalten Sie nach dem Merchant-Onboarding.

Für wen:

  • Mittelgrosse bis grosse Schweizer Online-Shops
  • Unternehmen im Tourismus und Hotellerie (starke Marktposition)
  • Betriebe, die alle Schweizer Zahlungsmethoden in einem System bündeln wollen
  • Unternehmen mit eigenem Entwicklungsteam oder externer Agentur für die API-Integration

Nicht ideal:

  • Sehr kleine Shops mit wenigen Transaktionen (Setup-Aufwand nicht verhältnismässig)
  • Betriebe ohne technisches Know-how für die API-Integration
  • Solopreneure, die sofort starten wollen (kein Self-Service-Setup)

Setup-Prozess: Der Onboarding-Prozess umfasst eine Merchant-Prüfung (KYC), die einige Tage bis zwei Wochen dauern kann. Datatrans ist kein Self-Service-Produkt wie Stripe oder Payrexx. Dieser Aufwand lohnt sich ab einem gewissen Transaktionsvolumen.

Zettle by PayPal: Kartenleser für den stationären Handel

Zettle ist die Lösung von PayPal für den physischen Verkauf: ein mobiler Kartenleser, der per Bluetooth mit Smartphone oder Tablet verbunden wird und sofort einsatzbereit ist. Kein Merchant-Account, kein Antrag, kein Warten.

Was Zettle kann:

  • Kontaktlose Kartenzahlungen (Visa, Mastercard, American Express)
  • Apple Pay und Google Pay
  • Chip + PIN
  • POS-App mit Artikelverwaltung, Kassenbuch, Mitarbeiterverwaltung
  • Tages- und Monatsberichte, Umsatzübersichten
  • Rechnungsversand (kostenlos per E-Mail oder Link)
  • Integration mit Shopify, WooCommerce und anderen Online-Shops

Pricing:

  • Zettle Reader 2: einmalig CHF 79 (Aktionen für Neukunden mit Vergünstigung möglich)
  • Keine Monatsgebühr
  • 1.75 % pro Transaktion, unabhängig von der Kartensorte
  • Auszahlung auf PayPal-Konto (von dort auf Schweizer Bankkonto übertragbar)

Wichtige Einschränkung: Zettle unterstützt kein TWINT. Das ist ein erheblicher Nachteil für Händler in der Schweiz, wo TWINT an Kassen sehr verbreitet ist. Wer TWINT im stationären Handel anbieten möchte, benötigt eine separate TWINT-Lösung über die eigene Bank oder PostFinance.

Für wen:

  • Marktständler, Pop-up-Shops, Handwerksbetriebe
  • Cafés, Foodtrucks und mobile Dienstleister
  • Freelancer und Berater, die gelegentlich vor Ort Zahlungen entgegennehmen
  • Unternehmen, die bereits im PayPal-Ökosystem arbeiten

Nicht ideal:

  • Händler, die TWINT anbieten müssen (also der grösste Teil des Schweizer Detailhandels)
  • Grosse Filialbetriebe mit komplexem Warenwirtschaftsbedarf
  • Betriebe, die Auszahlungen direkt auf das Schweizer Bankkonto erhalten wollen

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Weitere Anbieter im Überblick

Payrexx: PSP aus Graubünden, auf den Schweizer Markt ausgerichtet. Unterstützt TWINT, PostFinance und über 100 weitere Zahlungsmethoden. Einfaches Setup ohne Entwickler-Kenntnisse (Zahlungslinks, gehostete Zahlungsseiten, WooCommerce-Plugin). Ab CHF 5/Monat plus Transaktionsgebühren. Empfehlung für kleine bis mittelgrosse Schweizer Online-Shops, die Datatrans zu komplex finden.

Stripe: Internationaler Marktführer für Entwickler. Hervorragende API, sehr umfangreiche Dokumentation, ideal für SaaS und Abonnements. Keine Monatsgebühr, 1.5 % plus CHF 0.25 pro europäischer Kartenzahlung. Nachteil: Kein nativer TWINT-Support. Für Schweizer B2C-E-Commerce weniger geeignet; für internationale oder SaaS-Modelle die beste Wahl.

SumUp: Kartenleser wie Zettle, mit dem Vorteil einer TWINT-Integration via SumUp-Konto. Transaktionsgebühr 1.69 %. Kartenleser ab ca. CHF 39. Für stationäre Händler, die TWINT anbieten wollen, ist SumUp die bessere Wahl gegenüber Zettle.

Online vs. stationär: Was passt zu Ihrem Unternehmen?

SzenarioEmpfehlung
Schweizer Online-Shop, alle lokalen ZahlungsmethodenDatatrans oder Payrexx
Online-Shop, international, SaaS oder AbonnementsStripe
Stationärer Handel, TWINT erforderlichSumUp
Stationärer Handel, TWINT nicht zwingendZettle oder SumUp
Online und stationär kombiniertDatatrans (online) + SumUp (stationär)
Kleinstbetrieb, sofort starten, minimale FixkostenPayrexx (online) oder Zettle (stationär)

Datatrans

Schweizer Payment Gateway mit TWINT, PostFinance und allen Kreditkarten

Auf Anfrage (Plattformgebühr + Transaktionsgebühren)

Datatrans ansehen

Zettle by PayPal

Mobiler Kartenleser für den stationären Verkauf, ohne Monatsgebühr

CHF 79 Kartenleser, 1.75 % pro Transaktion

Zettle ansehen

Payrexx

Schweizer PSP mit TWINT und PostFinance, schnelles Setup ohne Entwickler

Ab CHF 5 pro Monat plus Transaktionsgebühren

Payrexx ansehen

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Haeufige Fragen

Was ist ein Payment Service Provider (PSP)?
Ein PSP übernimmt die technische Abwicklung von Onlinezahlungen: Er verbindet Ihren Shop mit Kreditkartennetzen, TWINT und PayPal, prüft Transaktionen auf Betrug und leitet das Geld auf Ihr Konto weiter. In der Schweiz sind Datatrans und Payrexx bekannte PSPs.
Muss mein Schweizer Online-Shop TWINT unterstützen?
TWINT ist mit über 4 Millionen aktiven Nutzern die beliebteste Zahlungsapp in der Schweiz. Für Schweizer B2C-Shops ist TWINT praktisch Pflicht. Ohne TWINT verlieren Sie einen erheblichen Teil der Kundschaft. Datatrans und Payrexx sind zertifizierte TWINT-Acquirer.
Unterstützt Zettle TWINT?
Nein, Zettle by PayPal unterstützt TWINT nicht direkt. Das ist ein wesentlicher Nachteil für stationäre Händler in der Schweiz. Für den stationären Handel mit TWINT-Bedarf ist SumUp die bessere Wahl.
Was kostet die Einrichtung einer Zahlungslösung?
Zettle hat keine Einrichtungsgebühr und berechnet nur 1.75 Prozent pro Transaktion. PSPs wie Datatrans erheben eine monatliche Plattformgebühr sowie Transaktionsgebühren je nach Zahlungsmethode. Stripe verlangt keine Monatsgebühr, dafür 1.5 Prozent plus CHF 0.25 pro europäischer Kartenzahlung.
Was ist der Unterschied zwischen Kartenleser und Payment Gateway?
Ein Kartenleser (Zettle, SumUp) ist ein physisches Gerät für den stationären Verkauf, wo Kunden ihre Karte vor Ort hinhalten. Ein Payment Gateway (Datatrans, Payrexx) ist eine Software-Schnittstelle für Onlinezahlungen auf Ihrer Website. Beide können parallel betrieben werden.
Kann ich als Einzelunternehmen eine Zahlungslösung nutzen?
Ja. Die meisten Anbieter akzeptieren Einzelunternehmen. Für den Einstieg sind Zettle und SumUp ohne Monatsbeitrag ideal. Für E-Commerce empfehlen sich Stripe oder Payrexx. Datatrans ist eher für Unternehmen mit grösserem Transaktionsvolumen ausgelegt.
David Mueller

David Mueller

Banking und Buchhaltungs-Tools

David Mueller vergleicht Geschäftskonten, Buchhaltungssoftware und SaaS-Tools für Schweizer KMU. Er ist selbst Gründer und CFO.